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18. März 2009, 14:25 Uhr

Papst auf Teufel komm raus

Benedikt XVI. scheint keine Gelegenheit der Provokation auszulassen. Kaum ist die Affäre Williamson beigelegt, kritisiert der Papst den Gebrauch von Kondomen in Afrika. Doch seine scheinbar zur Unzeit geäußerte Kritik an der reinen Vernunft macht aus kirchenpolitischer Sicht durchaus Sinn. Ein Kommentar von Manuela Pfohl

Papst, Afrika, Aids

Der Papst hat gesprochen: Kondome bekämpfen Aids nicht, sie verstärken das Problem© Pierre Holtz/DPA

Am Anfang war das Wort: Das Verteilen von Kondomen löse das Problem Aids nicht, es würde dadurch nur verstärkt. Am Tag Eins seines Afrika-Besuches machte Papst Benedikt XVI. keinen Hehl daraus, wohin die Reise geht: Stramm in Richtung einer erzkonservativen Verweigerungspolitik, mit konsequenter Ignoranz an der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts vorbei. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Mit Entsetzen und Ratlosigkeit reagieren Hilfsorganisationen und Gesundheitspolitiker auf die päpstliche Erklärung. In Afrika selbst sterben derweil die Menschen wie Fliegen - an Aids. 1,5 Millionen oder 75 Prozent der weltweit geschätzten Todesfälle entfielen laut einer Studie der Vereinten Nationen im Jahr 2007 allein auf die afrikanischen Länder südlich der Sahara. 22 Millionen (67 Prozent) aller weltweit HIV-infizierten Erwachsenen und Kinder lebten dort.

Die Neuinfektionen machten 1,9 Millionen oder 70 Prozent der weltweit geschätzten Fälle aus. Dem UN-Programm gegen Aids (UNAIDS) zufolge trugen 2007 in dieser Region rund fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung das Virus in sich. Völlig unstrittig unter allen Fachleuten ist, dass der Gebrauch von Kondomen zu den preiswertesten, am einfachsten verfügbaren und sichersten Methoden der Aids-Prävention zählt.

Ratzinger als ausgebuffter Stratege

Vor diesem Hintergrund fragt sich jeder einigermaßen aufgeklärte Mensch, warum das Oberhaupt der katholischen Kirche ausgerechnet jetzt, kaum dass die Wogen der Entrüstung über seine unselige Rehabilitierung des Holocaustleugners Richard Williamson etwas geglättet sind, mit dieser Aids-Aussage erneut an die Öffentlichkeit tritt. Ist es die pure Lust an der Provokation, nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert…? Oder ist es die Starrsinnigkeit eines alten Mannes, dessen Geist sich im Gestern verschanzt hat?

Mitnichten. Die Aids-Erklärung des Papstes dürfte weder unbedacht noch in blanker provokativer Absicht abgegeben worden sein. Viel wahrscheinlicher ist, dass Ratzinger seinem Ruf als ausgebuffter Stratege mal wieder alle Ehre gemacht hat. Dann wäre die scheinbar zur Unzeit erfolgte Ablehnung von Kondomen und die damit verbundene Kritik an der reinen Vernunft ein weiteres wichtiges Signal an den fundamentalistischen Rand der katholischen Kirche. An all jene, die wie die umstrittenen ultrakonservativen Pius-Brüder, offenbar nicht in erster Linie an einen Dienst am Menschen, sondern an einen Dienst an Gott glauben. Von dem sie annehmen, er habe es in der Hand, den Weltenlauf zu lenken, was wiederum nichts anderes bedeuten kann, als Aids als gottgewolltes Schicksal anzusehen.

Heerführer des christlichen Glaubens

Das darf angesichts der unzähligen Opfer und der verheerenden Auswirkungen der Seuche auf die Entwicklung des afrikanischen Kontinents durchaus als menschenverachtend und zynisch interpretiert werden. Aus Sicht des Vatikans ist die Position des Papstes nur folgerichtig. Denn angesichts des weltweit schwindenden Einflusses der katholischen Kirche, die sich immer weniger auf die Glaubensfestigkeit ihrer mitteleuropäischen Schäfchen verlassen kann, ist der Papst geradezu gezwungen, schnellstmöglich starke Allianzen zu schmieden. II. Vatikanisches Konzil hin oder her.

Nur so kann er verhindern, dass die jahrhundertlange Macht und der finanzielle und politische Einfluss des Vatikans in der Gesellschaft irgendwann verschwinden. Die Kirche braucht ihre ultrakonservativen Anhänger. Eine Armee des Glaubens, die ohne Wenn und Aber zu den Dogmen der Mutter Kirche und gegen die Säkularisierung der westlichen Welt steht. Benedikt XVI will in die Kirchengeschichte als ein Papst eingehen, der als Heerführer des christlichen Abendlandes den Kampf konsequent geführt hat. Auf Teufel komm raus.

Ein Kommentar von Manuela Pfohl
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
dieterschultz (03.09.2009, 08:03 Uhr)
Oh Herr vergib ihm....
Oh Herr vergib ihm, denn aus reiner kirchlicher Machtgeilheit (sorry, geilheit...) weiss er nicht mehr, was er tut.Christlich ist es nicht....
adono (19.03.2009, 13:52 Uhr)
unverantwortlich
Weltweit sind mehr als 33 Millionen Menschen HIV-positiv. Zwei Drittel davon leben in Afrika. Allein 2007 starben in diesem Kontinent 1,6 Millionen Menschen an dem Virus.
11,4 Millionen Kinder dort sind Aids-Waisen. Ganz zu schweigen von dem vorherrschenden Glaube, dass Sex mit einer Jungfrau von Aids heile.
Wie kann es sein, dass der Papst diese Tatsachen ignoriert und von Moral und Treue spricht?
Ich verstehe das christliche Gebot von Nächstenliebe und Barmherzigkeit anders.
cebo21 (19.03.2009, 09:55 Uhr)
Der Papst nimmt langsam aber sicher
Fahrt auf. Sein wahres Gesicht kommt immer mehr zum Vorschein. Recht weltfremd und z.T. recht menschenfeindlich.
In seiner bisherigen Amtszeit fiel er in den ersten beiden Jahren nicht so sehr auf.
Jetzt ist er in aller Munde. Er gibt jetzt alles. Weiter so.
Staudenmaier007 (19.03.2009, 09:01 Uhr)
@Williwilli
Andere Lösungswege ?
Beten und Enthaltsamkeit ?
Klar das dem Chef der Enthaltsamen
da nicht´s Besseres einfällt.
Zurück-Besinnung auf alte Werte
statt Reformation wie sie dringlichst
benötigt werden würden - auch hier
zeigt sich der geistige Horizont dieser Hirten.
Das Ziel ? Statt den Menschen zu dienen -
dienen sie dem Machterhalt einer riesigen
Institution welche nicht das Seelenheil der
Gläubugen als Aufgabe hat.
Pfui Teufel.
AxelvonLoewis (19.03.2009, 08:52 Uhr)
Papst zum Dritten!
Wohl wahr. Ein guter Artikel! Ich bin nur noch empört. Zuerst verunglimpft er den Islam in Regensburg, dann duldet er - weiterhin - einen Holocaust-Leugner in seinem direkten Umfeld und jetzt
verletzt er das christliche Gebot von Nächstenliebe und Barmherzigkeit.
Benedikt ist eben - wie befürchtet -
ein erzkonservativer Dogmatiker, der
den Bezug zur Welt längst verloren hat. Der sich mit seinen lebenslangen Studien längst verrannt hat und in einer Sackgasse gelandet ist. Und der ein gutes Stück zum Untergang dieser mittelalterlichen Kirche beitragen wird.
Williwilli (19.03.2009, 06:38 Uhr)
Gefasel
Weswegen pocht eigentlich jeder auf freie Meinungsäußerung, gesteht sie aber der Kirche nicht zu? Meines Wissens hat die Aids Rate in Afrika trotz Kondomen zugenommen. Ist es nicht legitim, auch andere Lösungsvorschläge zu diskutieren? Dummerweise geht der Author darauf mit keinem Wort ein - stattdessen findet man das übliche Verschwörungsgefasel. Schade eigentlich.
H.Brueggemeier (19.03.2009, 06:35 Uhr)
Gottes Wille ??????
Ich glaube Gott will mir mit diesem Pabst sagen, das es höchste Zeit wird aus der Kirche auszutreten und mit dem eingespatrem Geld den Bedürftigen zu helfen.
Die Päbste der Vergangenheit modeten, folterten, verleumdeten und hurten, dennoch sollen sie Gottes Stellvertreter gewesen sein.
Ich glaube nicht das das ein Gott gewollt hätte !!!!!!
arniston (19.03.2009, 05:10 Uhr)
liebe brüder , liebe urologen,
2000 jahre tyranei, die können gar nix anders, sonst würde es ja auffallen. der papst macht so eine geschwächten eindruck, dem würd ich glatt meinen letzten euro in die mütze werfen.
die gut ernährten herren im vatikan zeigen ihr wahres gesicht. matcho ist dreck dagegen, und frauen nur zum putzen.
so ein gesindel in der heutigen zeit, gott würde aus der kirche austreten.
die können einfach die menschen nicht in ruhe lassen, ihre bevormundung reicht bis in die schlafzimmer der bürger, wir wollen ja auch nicht wissen, mit wem die hunderte ,, angestellten,, im vatikan ins bett gehen, so ist es, und fallst ihr mal gott wirklich seht, liebe brüder, dann sag dem , ich finde euch einfach nur abartig..
grafbyte (19.03.2009, 02:32 Uhr)
sex als sport 0o
die einstellung einer kirche soll den glauben vertreten! und nicht den der kultur
henne-whv (18.03.2009, 22:06 Uhr)
nix
Nein, es ERGIBT aus kirchenpolitischer Sicht Sinn.
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