Chinesische Hacker spähen "New York Times" aus

31. Januar 2013, 11:49 Uhr

Monatelang sind Rechner der "New York Times" durch China ausspioniert worden. Offenbar hatten die Angreifer Interesse an Dokumenten im Zusammenhang mit einem Artikel über das Vermögen von Wen Jibao.

0 Bewertungen
New York Times, China, Hacker-Angriff, Passwörter

Der Hacker-Angriff aus China bei der "New York Times" ist kein Einzelfall. Auch andere Unternehmen wie Google oder Bloomberg sind immer wieder Opfer von Attacken aus der Volksrepublik.©

Die "New York Times" ist Ziel eines massiven Hacker-Angriffs aus China geworden. Dabei seien die Passwörter aller Beschäftigten der Zeitung gestohlen worden, berichtete die Zeitung am Donnerstag unter Berufung auf IT-Sicherheitsexperten. Die Angreifer hätten sich danach Zugang zu den Computern von 53 "Times"-Mitarbeitern verschafft. Die Attacke im Herbst fiel zeitlich mit der Arbeit an einem Bericht über das Vermögen der Familie des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao zusammen.

In dem am 25. Oktober veröffentlichten Artikel hieß es, Wens Verwandte hätten ein Vermögen von mehreren Milliarden Dollar angesammelt. Die Angreifer scheinen nur an Informationen im Zusammenhang mit dem Bericht interessiert gewesen zu sein, schrieb die Zeitung. Zugleich gebe es keine Hinweise darauf, dass sie an heikle E-Mails oder Dateien aus der Berichterstattung herangekommen seien, beruhigte Chefredakteurin Jill Abramson mögliche Informanten. Inzwischen sei das Computersystem der "New York Times" wieder sicher gemacht worden. Kundendaten seien nicht entwendet worden.

Die von der Zeitung engagierte IT-Sicherheitsfirma Mandiant stellte fest, dass die Angreifer zunächst Computer in US-Universitäten unter ihre Kontrolle gebracht hätten, um die Spuren zu verwischen. Die Attacken auf die "New York Times" seien dann über diese Rechner geführt worden. Auf die Computer der Zeitung sei eine Schadsoftware eingeschleust worden, die den Angreifern die Tür geöffnet habe. Es sei ein Programm, das typischerweise bei Attacken aus China zum Einsatz komme. Dabei seien die selben Universitäts-Computer benutzt worden wie bei vorherigen chinesischen Angriffen, hieß es.

Chinesische Regierung weist Hacker-Vorwürfe zurück

Die Hacker hatten demnach seit Mitte September rund vier Monate lang Zugang zum "New York Times"-System. Das sei absichtlich zugelassen worden, um sie zu beobachten, erklärte die Zeitung. Dabei kam unter anderem heraus, dass die Angreifer ihre Arbeit pünktlich um 8.00 Uhr morgens Pekinger Zeit begangen. Der Einbruch war zunächst dem Telekom-Konzern AT&T Ende Oktober aufgefallen, das Blatt informierte unter anderem die Bundespolizei FBI. Die Angreifer hätten das Computernetz vermutlich mit Hilfe von E-Mails aufgeknackt, die ein Schadprogramm im Anhang oder Links dazu enthielten. Für einzelne Computer sei maßgeschneiderte Software geschrieben worden, damit die Virenscanner nicht anschlagen.

In den USA wird immer wieder über Hacker-Angriffe auf Unternehmen und Behörden berichtet. Offizielle Stellen in China weisen die Vorwürfe stets zurück. Auch in diesem Fall erklärte das chinesische Verteidigungsministerium auf Anfrage der Zeitung: "Chinesische Gesetze verbieten jegliche Aktionen, die die Sicherheits des Internets gefährden." Die Anschuldigungen seien unbegründet und unprofessionell.

Angriffe auf "New York Times" kein Einzelfall

In der Vergangenheit hatte es auch politischen Ärger gegeben, als Google von einem Einbruch in die E-Mail-Accounts chinesischer Menschenrechtler berichtete. Auch beim Rüstungskonzern Lockheed Martin, dem IT-Sicherheitsspezialisten RSA und der US-Handelskammer sollen Hacker aus China in die Computer-Systeme eingedrungen sein. Die verdeckt geführten Attacken sind allerdings schwer nachzuweisen.

Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg hatte im vergangenen Jahr ebenfalls von einem Hackerangriff aus China berichtet - während der Arbeit an einem Bericht über das Vermögen der Familie des heutigen Parteichefs Xi Jinping. Bloomberg zufolge seien sie aber nicht in das Computersystem reingekommen.

fle/DPA
 
 
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Dokumente Hacker Links New York Times
MEHR ZUM THEMA
stern Investigativ
Anonymer Briefkasten: Haben Sie Informationen für uns? Anonymer Briefkasten Haben Sie Informationen für uns? Hier können Sie uns anonym Mitteilungen und Dateien zukommen lassen. Wir behandeln sie vertraulich.
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von bh_roth: VPN-Server erkennbar?

 

  von Gast 92508: Welche Kühlschranktemperatur ist richtig

 

  von Gast 92503: Warum habe ich nach meiner Privatinsolvenz immer noch einen sehr schlechten Scorwert bei der Schufa...

 

  von Gast 92501: gibt es ökologische Fahrradbekleidung?

 

  von Gast 92499: Rechtsfrage

 

  von rocky1703: mein sohn ist 21 jahre und hat seine ausbildung abgebrochen abgebrochen muss ich weiter unterhalt...

 

  von Amos: Warum heißt es häufig "Freiheitsstrafe" statt "Gefängnisstrafe"? Klingt das...

 

  von Gast: Haben Sie Behindertenrabatte?

 

  von Amos: Was ist dran am möglichen Ende von AC/DC? Alles nur Spekulationen?

 

  von Gast 92465: ich habe bei meinem Nissan Pixo den Lüftungsmotor wegen Geräusche vor 1 Jahr austauschen lassen.

 

  von getachew: Wie kann man die Monatskarte der Bvg steuerlich absetzen?

 

  von Amos: Warum trägt der BVB auch ein VW-Logo auf dem Trikot? Aus Sympathie für Wolfsburg? Bisher hatten sie...

 

  von bh_roth: Zwei Windows Betriebssysteme auf einer Festplatte möglich?

 

  von Gast 92439: Temperatur schwankt im Kühlkombie von -20 bis - 12 Grad. warum?

 

  von Anoukboy: Ich bin Französin, habe mehrere Jahre in Deutschland gewohnt une gearbeitet. Ich ziehe nach...

 

  von Gast 92418: Daten von externer Festplatte auf PC laden?

 

  von Amos: Deutsche Spitzengastronomie wird zu 95% von männlichen Köchen dominiert. Köchinnen kenne ich...

 

  von Amos: Woher stammt die Unsitte, vieles als "vorprogrammiert" zu bezeichen? Statt...

 

  von Gast 92411: wie stelle ich meine e-mail adresse um?

 

  von gerti: suche eine alternative Pfanne zu Aluguss für Induktionsherd welche nicht so schwer ist...

 

 
 
stern - jetzt im Handel
stern (17/2014)
Der Schicksalsflug