9. Juni 2012, 11:07 Uhr

Anpfiff in der Vielvölkerstadt

Die Unesco-Welterbestadt Lemberg, in der Ukraine Lwiw genannt, empfängt die deutsche Elf zu zwei EM-Spielen in ihrem nagelneuen Stadion. Wir haben Tipps für Fußballfans, die in den unbekannten Osten aufbrechen. Von Nina Jeglinski, Lemberg

Lwiw, Lemberg, Ukraine, Euro 2012, EM 212, Fußballeuropameisterschaft, Europameisterschaft

Unter dem Einfluss von Russen, Ukrainern, Deutschen, Juden, Polen und Armeniern gewachsen: die Altstadt von Lemberg©

Noch wenige Wochen vor Beginn der Fußballeuropameisterschaft wurde in der historischen Altstadt von Lemberg, in der Ukraine Lwiw genannt, an jeder Ecke gebaut, eingerichtet und gepflanzt. Obwohl das Stadtzentrum mit seinen teilweise 600 Jahre alten Häusern bereits sehr einladend wirkte, legten sich die Lemberger noch mal richtig ins Zeug. Der parteilose Bürgermeister, Andrej Sadowy, betonte: "Die Stadt ist gut vorbereitet, wir freuen uns auf unsere Gäste".

Kaum eine andere ukrainische Großstadt wirkt auf den ersten Eindruck europäischer als Lemberg. Kein Wunder, denn seit dem 13. Jahrhundert haben vor allem Polen und Österreicher die Stadt geprägt. Bis zum Zweiten Weltkrieg galt Lemberg als Schmelztiegel vieler Völker und Kulturen: Russen, Ukrainer, Deutsche, Juden, Polen und Armenier lebten jahrhundertelang zusammen. Der Naziterror und die Stalin-Diktatur zerstörten diese Gemeinschaft. Hitlers Schergen töteten fast die gesamte jüdische Bevölkerung, die vor 1939 ein Drittel der Bewohner ausmachte.

In den 1950er-Jahren wollten die Sowjetführer, die nach 1945 die Ukraine beherrschten, die gesamte Innenstadt abreißen. Diese Pläne wurden zum Glück nie umgesetzt. Aber anders als in den zu disneyhaft wirkenden Innenstädten wie Dresden oder Prag erwartet den Besucher in Lemberg an vielen Stellen ein Flair, als ob die Stadt die letzten 70 Jahre im Dornröschenschlaf verbracht hat.

30.000 Besucher in der Fanmeile

Nun wollten die Stadtväter möglichst alles richtig machen. Internationale Partner wie das Bundesland Tirol und die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) halfen den Lembergern, möglichst viel vom historischen Potential der Stadt zu erhalten. Ein Quantensprung wurde rechtzeitig zur EM 2012 gemacht: Der internationale Flughafen ist startklar. Von dort werden viele europäische Großstädte direkt angeflogen. Ab München beträgt die Flugzeit rund 100 Minuten.

Während der Fußball-EM müssen die meisten Besucher vor allem in Hostels oder auf Campingplätzen übernachten. Es wurden zwar jede Menge neuer Hotels eröffnet, doch reichen die 6000 Zimmer in der Stadt und weitere 12.000 in der Region nicht aus. Einen Zeltplatz mit 1000 Plätzen hat bereits der dänische Fußballverband für seine Fans reserviert. An Spieltagen rechnen die Veranstalter in der zentralen Fanmeile in der Innenstadt mit 30.000 Besuchern. Insgesamt wartet die Stadt Lemberg mit drei Fanzonen auf, die anderen beiden liegen am Stadion und im Nachbarstadtteil Sichiw. Dort leben 200.000 der rund 750.000 Bewohner.

Termine der Gruppe B in Lemberg

Termine der Gruppe B in Lemberg 9. Juni, 20.45 Uhr: Deutschland-Portugal
13. Juni, 20.45 Uhr: Dänemark-Portugal
17. Juni, 20.45 Uhr: Niederlande-Deutschland

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