Albtraum Dreamliner

16. Januar 2013, 12:58 Uhr

Mit dem Dreamliner wollte Boeing den Flugzeugmarkt revolutionieren. Doch die Hightech-Maschine produziert Pannen in Serie. Nach einer Notlandung in Japan bleibt die halbe Flotte vorerst am Boden. Von Till Bartels

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Sechster Zwischenfall in einer Woche: eine Boeing 787 von All Nippon Airways nach der Notlandung.©

Erst seit Oktober 2011 fliegt Boeings neues Superflugzeug im Liniendienst. Doch der Dreamliner entwickelt sich zum Albtraum nicht nur für den Hersteller, sondern auch für Fluggesellschaften und Passagiere. Nachdem sich die Zwischenfälle in den vergangenen Tagen häuften, zogen Japan Airlines und All Nippon Airways die Konsequenzen: Die beiden Fluglinien, die 24 der bisher 50 von Boeing ausgelieferten Maschinen fliegen, stoppen vorerst alle geplanten Flüge mit der Boeing 787. Tausende von Passagiere müssen umgebucht werden.

Das Bild der am Freitag wegen Rauchentwicklung in Japan notgelandeten Maschine mit den aufgeblasenen Notrutschen spricht Bände: Das Hightech-Objekt steht abseits vom Flugbetrieb in Takamatsu und wird wie ein kranker Patient von Plastikschläuchen gestützt. Und mit fetten Lettern prangt die Zahl 787 auf dem Flugzeugrumpf hinter dem Cockpit - ein PR-Gau für Boeing.

Die amerikanische Flugaufsichtsbehörde ermittelt

Techniker müssen nun die Ursache für ganz unterschiedliche Probleme finden. Die komplett von Boeing neu entwickelte Maschine erweist sich alles andere als zuverlässig. Bisher traten folgende Schwierigkeiten auf: Lecks in den Treibstofftanks, Batterieexplosion, Kabelprobleme, zersprungenes Cockpitfenster, ein Ölleck im Triebwerk und defekte Bremsen.

In der Summe handelt es sich nicht mehr um die typischen Kinderkrankheiten eines neuen Flugzeugtyps, die im Alltagsbetrieb nachjustiert werden müssen. Beim Dreamliner sind die Probleme so unterschiedlicher Natur und inzwischen so gravierend, dass die amerikanische Flugaufsichtsbehörde FAA am vergangenen Freitag eine Untersuchung einleitete.

Schon Testflugzeuge mussten notlanden

Die Pannenserie im Praxisbetrieb hat eine Vorgeschichte. Schon die Produktion, Zulassung und Auslieferung der Maschine sorgte für eine lange Liste von Problemen. Erstkunde All Nippon Airways sollte das erste Exemplar ursprünglich 2008 erhalten. So der Plan, tatsächlich hatte die Neuentwicklung zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ihren Erstflug absolviert - der fand mit 27 Monaten Verspätung erst im Dezember 2009 statt.

In die Schlagzeilen geriet der Dreamliner, als eines der Testflugzeuge im November 2010 in Texas notlanden musste, weil in einem Elektronikschaltkasten Feuer ausgebrochen war. Als Schwachstelle erwies sich das eigentlich Revolutionäre: Die Boeing 787 besteht zu großen Teilen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Das macht den Flugzeugrumpf leichter, aber dann mussten Verstärkungen eingebaut werden. Der Karbonflieger hat Übergewicht - er ist fast sechs Tonnen schwerer als geplant.

Pannenserie lässt Luftfahrtbehörde aufhorchen

Die enormen Zeitprobleme bei der Fertigung entstanden auch, weil Boeing bei der Entwicklung und Produktion vieler Komponenten das Outsourcing auf die Spitze trieb. Planung und Bau wurden auf viele Zulieferer verteilt. Das Zusammenspiel der Beteiligten bei diesem Großprojekt erwies als kaum steuerbar. Das rächt sich nun auch im Praxisbetrieb. Bei der Ursachenforschung müssen nicht nur Boeing-Techniker, sondern viele Firmen einbezogen werden.

Deutsche Passagiere sind von den aktuellen Problemen kaum betroffen. Air Berlin hat zwar 18 Boeing 787 bestellt, die allerdings noch nicht ausgeliefert sind. Die meisten Dreamliner sind im Fernen Osten sowie in den USA bei United, bei Ethiopian Airlines, bei LAN in Südamirika und seit Kurzem bei der polnischen LOT und bei Qatar Airways im Einsatz. Die arabische Airline fliegt seit dem 12. Januar mehrmals pro Woche mit dem Dreamliner ab München. Ab dem 1. Februar soll es sogar mit demselben Flugzeugtyp via Doha weiter bis Perth in Australien gehen - vorausgesetzt Boeings Albtraumflieger leistet sich keine weiteren Pannen.

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