Mehr Frauen in die Chefetage

2. Dezember 2008, 17:36 Uhr

Das Landesarbeitsgericht Berlin hat ein Präzedenzurteil zur Diskriminierung im Job gefällt: Weil eine 47-Jährige, trotz gleicher Qualifikation, bei einer Beförderung übergangen wurde, bekommt sie nun Schadenersatz. In ihrer Firma waren alle Chefs Männer - obwohl die Belegschaft fast nur aus Frauen bestand.

AGG, Diskriminierung, Job, Beförderung, Arbeitsrecht

Unternehmen müssen auch qualifizierte weibliche Mitarbeiter an der Führung beteiligen©

In Ihrer Firma arbeiten viele Frauen, aber fast alle Chefs sind Männer? Dann könnte Ihr Unternehmen Probleme wegen Verstoßes gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bekommen. Das gilt verstärkt, wenn auf den unteren Hierarchieebenen überwiegend Frauen arbeiten. Kann der Arbeitgeber den Anfangsverdacht auf Diskriminierung nicht widerlegen, droht Schadenersatz AGG, wie aus einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg hervor geht.

Position nicht einmal ausgeschrieben

Im konkreten Fall hatte eine 47-Jährige Frau gegen ihre Nicht-Beförderung geklagt. Im Unternehmen waren sämtliche der 27 Führungspositionen mit Männern besetzt, während in der Gesamtbelegschaft nur jeder dritte Arbeitnehmer männlich war. Dies ließen die Richter als ausreichendes Indiz für eine Diskriminierung weiblicher Anwärter auf Leitungsstellen gelten.

Der Arbeitgeber konnte sich nach dem Urteil des Gerichts auch nicht darauf berufen, dass die Klägerin nicht ausreichend qualifiziert für die Führungsstelle gewesen war. Denn er habe weder eine Stellenausschreibung noch sonstige schriftlich dokumentierte Kriterien für die Auswahl seiner Führungskräfte vorlegen können.

Klägerin bekommt Gehaltsdifferenz

Im Endergebnis gaben die Richter der Klage statt, da der Arbeitgeber den begründeten Verdacht auf Diskriminierung nicht habe widerlegen können. Als Schadensersatz sprachen sie der Klägerin die Differenz zwischen ihrem aktuellen Gehalt und dem Lohn zu, den sie nach einer Beförderung erhalten hätte. Der Anspruch auf das höhere Gehalt gelte zeitlich unbegrenzt - das heißt, die übergangene Frau bekommt nun unbefristet das gleiche Gehalt, wie ihr beförderter Kollege. Da die Klägerin bei ihrer Bewerbung nicht nur diskriminiert, sondern auch von Vorgesetzten eingeschüchtert worden sei, verurteilten die Richter das Unternehmen außerdem zur Zahlung einer Entschädigung von 20.000 Euro wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts.

LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 26. November 2008, AZ: 15 Sa 517/08

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Arbeitsrecht Diskriminierung Männer Stellenausschreibung
KOMMENTARE (1 von 1)
 
dutchinmex (02.12.2008, 21:47 Uhr)
Ich wundere mich immer noch,
weshalb Frauenparkplätze nicht diskriminierend sind.
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von harun: Mein Hund hat Angst vor der Fahrt

 

  von Gast: darf ich den feuermelder drücken bei einer schlägerei im zug

 

  von maily: Beschäftigung von Rentner

 

  von dorfdepp: Wird es in 20 Jahren noch LKW-Fahrer, Lokführer und Piloten geben?

 

  von bh_roth: Win 8.1 Energiesparen

 

  von Gast: WARUM FÜHREN MANCHE KAPSELN ZUR VERSTOPFUNG?

 

  von Gast 98746: Chiptuning Mercedes Benz E 200 T CDI Erstzulassung 06/13

 

  von BitteFreundlich: Welcher Körperteil ist am häufigsten von Osteochondrose betroffen?

 

  von Gast 98742: Altmietvertrag aus der ehemaligen DDR

 

  von Gast: Das iPhone meiner Freundin hat ne seltsame Macke. schwarzer Bildschirm. anrufe kommen rein, man...

 

  von Amos: Muß die Frage nochmal stellen: Überweisung per Online-Banking auf ein Unterkonto bei derselben...

 

  von Gast: Stern-Sudoku-Gewinnspiel

 

  von Gast: Kann man Handelsübliches Jodsalz in ein Fußsprudelbad geben wenn die Haut verletzt ist?

 

  von Gast: zerbrochene Fensterscheibe

 

  von Amos: Wenn zum Bau eines Hauses Wasser aus einem städtischen Hydranten entnommen wird: wie wird das...

 

  von Der_Denis: Kunststoff - warum so schlechtes Image

 

  von Gast 98682: Wenn ich ein Konto in der Schweiz eröffne, wie hoch ist die Mindesteinlage?

 

  von Gast 98680: Welche Programme gibt es für Zuschüsse an gemeinnützige vereine

 

  von Gast 98676: Führerschein vergleischen

 

  von Amos: Mineralwasser aus dem Schwarzwald nennt sich Black Forrest: ist das ein Gag, ein MIßgriff oder...