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Diskriminierung: Rassismus in der Lohntüte

Amerikanische Wissenschaftler haben untersucht, welchen Effekt die Hautfarbe auf die Karriere hat. Der Alltagsrassismus schlägt sich in den USA demnach sowohl in den Einstellungschancen als auch in der Bezahlung nieder. Aber auch der Körperbau spielt eine Rolle.

Von Stephan Zimprich

Dass es in den USA zwischen Schwarz und Weiß eine soziale Kluft gibt, ist hinlänglich bekannt. Weniger erwartbar ist die Tatsache, dass beim Gehalt und bei den Karrierechancen nicht nur zwischen schwarz und weiß, sondern nach dem Grad der Färbung differenziert wird: Joni Hersch, Professorin für Recht und Ökonomie an der Vanderbilt University in Tennessee, untersuchte für ihre Studie das Einkommen von 2084 legalen Immigranten in den USA. Die Interviewer ordneten anhand einer Skala von eins bis zehn die Hautfarbe der Probanden ein.

Das Ergebnis: Sehr hellhäutige Immigranten verdienen durchschnittlich acht bis 15 Prozent mehr als diejenigen mit einer sehr dunklen Hautfarbe - selbst unter Berücksichtigung von relevanten Fähigkeiten wie Englischkenntnissen, Arbeitserfahrung und Ausbildung. Der Effekt trat selbst unter Angehörigen der gleichen Ethnie und aus demselben Heimatland auf. Eine auf der Skala um eine Stufe hellere Haut führte demnach zu einem Lohnplus, dass dem einer um ein Jahr längeren Ausbildung entsprach.

Besseren Lebenslauf, schlechteren Job

Auch bei der Jobsuche spielt die Hautfarbe eine Rolle: Wissenschaftler der Universität Georgia untersuchten die Einstellungschancen von Afroamerikanern mit hellerer und dunklerer Haut anhand von 240 Freiwilligen. "Ein hellhäutiger Farbiger mit einem Bachelor und typischer Arbeitserfahrung wird in der Regel einem dunkelhäutigeren Mitbewerber mit einem MBA und Management-Erfahrung vorgezogen", sagt Matthew Harrison, der die Studie durchführte. Arbeitgeber trauten dem hellhäutigen Bewerber einfach mehr zu und würden sich weniger bedroht fühlen. Für Hersch blieb bei der Interpretation der Ergebnisse keine andere Möglichkeit, als sie rassistischen Vorurteilen zuzuschreiben. "Ich habe zunächst verschiedene Gründe für die Unterschiede in Betracht gezogen", so Hersch. Die Möglichkeit, dass nicht die dunkle Haut zu schlechterer Bezahlung, sondern schlecht bezahlte Arbeit unter freiem Himmel zu dunklerer Haut führt, habe sie aber ebenso ausschließen können wie frühere Diskriminierung im Herkunftsland der Immigranten oder Voreingenommenheit der Interviewer.

Schließlich sei für sie rassistische Diskriminierung als überzeugendste Begründung übrig geblieben. "Ich war überrascht und geschockt, wie stark und dauerhaft der Effekt war, so Hersch. Es ist aber nicht nur die Hautfarbe, die einen Unterschied macht: Ebenfalls eine Einfluss auf die Bezahlung hat ihrer Studie zufolge auch die Körpergröße: So mache ein Inch (2,54 Zentimeter) mehr im Schnitt auch ein Prozent mehr an Lohn aus.

FTD
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