Es ist gar nicht so schwer: Der stern erklärt, was jeder tun kann, damit die Rente später einmal stimmt. Ein Vorsorgeplan in sechs Schritten - und eine Anleitung zum Selberrechnen. Von Frank Donovitz, Joachim Reuter

Es ist gar nicht so schwer: Der stern erklärt, was jeder tun kann, damit die Rente später einmal stimmt. Ein Vorsorgeplan in sechs Schritten - und eine Anleitung zum Selberrechnen© Josephine Warfelmann
1. Die gesetzliche Rente richtig einschätzen
Es passiert ganz automatisch: Jeder abhängig Beschäftigte zahlt in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Den Beitrag von derzeit 19,5 Prozent des Bruttoeinkommens (bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 5250 Euro in den alten bzw. 4400 Euro in den neuen Bundesländern) teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Versicherungspflichtige Selbstständige und freiwillig Versicherte zahlen ihre Beiträge allein. Im Jahr kommen so rund 168 Milliarden Euro zusammen.
Wer aber glaubt, dass die staatliche Rente wie ein privater Sparvertrag funktioniert, irrt gewaltig. Das Monat für Monat eingezahlte Geld wird keineswegs angespart, um es mit Verzinsung im Rentenalter wieder auszahlen zu können. Das 1957 eingeführte System funktioniert nach dem Umlageverfahren. Das bedeutet: Die aktuell eingenommenen Beiträge werden sofort wieder an die heutigen Rentner ausgezahlt. Die Deutsche Rentenversicherung hat gerade mal Geld für einen Tag in der Kasse (siehe auch "Wie funktioniert É" auf Seite 20).
Einzahler müssen darauf hoffen, dass die folgende Generation in der Lage ist, ihre Rente zu bezahlen. Dieses stille Abkommen heißt deshalb "Generationenvertrag".

Generationenvertrag: Junge Arbeitnehmer zahlen mit ihren Beiträgen die Renten der Alten© Josephine Warfelmann
Doch schon heute genügen die Gelder der Jungen nicht mehr, um den Bedarf der Alten zu decken. Die Staatskasse und damit der Steuerzahler schießt zu. Wie hoch die Rente für die heute Beschäftigten in Zukunft sein wird, ist deshalb kaum kalkulierbar. Eine ungefähre Vorstellung verschafft die Renteninformation. Millionen Arbeitnehmer haben sie bereits von der Deutschen Rentenversicherung erhalten. Aktuell ist der Versand allerdings gestoppt, weil Teile neu berechnet werden.
Die entscheidenden drei Zahlen finden Sie in einem kleinen Kasten (siehe Ausriss): Die oberste Summe zeigt, wie hoch Ihre monatliche Rente im Falle der Berufsunfähigkeit ist. Darunter steht die Höhe Ihrer Rente ab dem 65. Lebensjahr, gemessen an den gezahlten Beiträgen. Das ist Ihr bislang erworbener Rentenanspruch, den Sie auf jeden Fall erhalten, auch wenn Sie ab sofort nicht weiter in die Rentenkasse einzahlen sollten. Die unterste Ziffer zeigt, wie hoch Ihre Rente bei fortlaufender Beitragszahlung bis zum 65. Geburtstag ist, falls es während dieses Zeitraums keinerlei Rentenerhöhung mehr geben sollte. Diese dritte Ziffer ist eine zurückhaltende Schätzung Ihrer künftigen Rente und damit die wichtigste Zahl auf dem Blatt. Rechnen Sie nur mit diesem Wert.
Unter der Überschrift "Rentenanpassung" stehen optimistischere Varianten: Die eine Rentensumme geht von einer jährlichen Steigerung in Höhe von 1,5 Prozent, die andere sogar von 2,5 Prozent aus. Aber vergessen Sie die angegebenen Zahlen lieber. Rechnen Sie mit Nullrunden. Beschlossen sind sie bereits heute bis ins Jahr 2012. Ebenfalls fest steht, dass das Rentenniveau deutlich sinkt. Die Bundesregierung rechnet bis zum Jahr 2030 mit einem Absacken von heute ungefähr 48 Prozent des Bruttoeinkommens auf unter 40 Prozent. Zumindest diese Lücke muss man schließen, wenn man Leben will wie ein heutiger Rentner.
Noch nicht eingerechnet ist dabei die Geldentwertung (Inflation). Von einer heute in Aussicht gestellten Rente in Höhe von 800 Euro bleiben bei der aktuellen Inflationsrate von rund zwei Prozent nach zehn Jahren noch 653 Euro an Kaufkraft übrig, nach 20 Jahren kann man nur noch Waren im heutigen Wert von 534 Euro kaufen.
Das ist zwar auch Geld, aber sicher zu wenig, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu erhalten. Um den zu erreichen, sind mindestens zwei weitere Schritte nötig.

2. Eine Betriebsrente sichern
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat einen rechtlichen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge. Das bedeutet aber nicht, dass jedes Unternehmen eine Betriebsrente (Fachausdruck: Direktzusage) zahlen muss, wie es bei größeren Firmen viele Jahre üblich war. Im Gegenteil: Betriebsrenten, die allein das Unternehmen für seine Mitarbeiter finanziert, sind ein Auslaufmodell.
Aber Firmen sind gesetzlich verpflichtet, ihren Beschäftigten mindestens einen externen Finanzierer von Betriebsrenten zu vermitteln. Dazu zählen Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen sowie (Direkt-)Versicherungen. In diese Einrichtungen können Arbeitnehmer und Arbeitgeber flexibel einzahlen. Ein wesentlicher Vorteil: Die Kosten für solche betrieblich organisierten Sparverträge sind in aller Regel niedriger als beim privaten Abschluss, die Rendite ist deshalb höher.

Beruhigendes Gefühl: In den eigenen vier Wänden lebt man im Alter mietfrei© Josephine Warfelmann
Und so wird gespart: Meist wird ein Teil des Jahresgehaltes (etwa Urlaubs-, Weihnachtsgeld oder Sonderzahlungen) in die betriebliche Vorsorge "umgewandelt". Beispiel: Ein 40-jähriger Arbeitnehmer wandelt jährlich 1500 Euro in eine Pensionskasse um. Dort wird das Geld überwiegend in Zinspapieren und zu einem geringeren Teil in Aktien angelegt. Mit 65 bekommt er garantiert 51 000 Euro ausbezahlt - konkurssicher und unabhängig von Arbeitsplatzwechseln. Bei einer marktüblichen Rendite von vier bis sechs Prozent werden daraus mehr als 67 000 Euro - oder 300 Euro monatliche Zusatzrente. Wichtig: Bei Firmen- oder Branchenwechsel kann der einmal geschlossene Sparvertrag weitergeführt werden.
Fragen Sie Ihren Chef, nerven Sie die Personalabteilung oder den Betriebsrat: Die betrieblich organisierte Altersvorsorge ist unbedingt empfehlenswert!
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 22/2006