stern.de für unterwegs
. .
Geld & Finanzen
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

 
11. Dezember 2008, 16:56 Uhr

Kurz vor Schluss abkassiert

Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hat deutsche Anleger um mindestens eine Milliarde Euro gebracht. Nach einem Bericht des stern hegen Finanzexperten jetzt einen ungeheuren Verdacht: Wurden die Sparer mithilfe der Citibank von Lehman regelrecht angezapft? Von Rolf-Herbert Peters

Zoom
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Lehman, Zertifikate, Lehman Brothers

Richard Fuld, letzter Chef der pleitegegangenen US-Bank Lehman Brothers, wird auf den Stufen des Capitols in Washington von Demonstranten beschimpft© Jonathan Ernst/Reuters

Nach den Erkenntnissen der Ottweiler Wirtschaftsdetektei Fuchsgruber geriet die Investmentbank Lehman Brothers schon vor gut zwei Jahren in massive Schwierigkeiten. Die Citibank, so die Erkenntnisse der Detektei, habe spätestens ab dieser Zeit als führender Vertriebspartner den Verkauf von Lehman-Zertifikaten massiv vorangetrieben. Laut Konkursakte war die Citibank (neben der Bank of New York Mellon) Lehmans größter Gläubiger: Sie verwaltete treuhändlerisch für ihre Kunden Verbindlichkeiten gegenüber Lehman von fast 110 Milliarden Euro. Eine Pleite der Investmentbank, so die Finanzexperten, hätte die Citibank deshalb selbst in eine tiefe Krise stürzen können.

Seit Ende 2006 hatten einige Geldinstitute in Deutschland im großen Stil Zertifikate der Investmentbank Lehman auf den Markt gebracht. Als Folge der Finanzkrise ging Lehman dann Mitte September pleite. Das Geld auch der deutschen Anleger war damit verloren, denn die Lehman-Zertifikate sind nicht von der deutschen Einlagensicherung geschützt.

Teil des Geldes sei nie zur Rückzahlung vorgesehen gewesen

Fuchsgruber-Partner Professor Klaus F. Bröker, Anwalt und ausgewiesener Experte für Börsen- und Kapitalmarktrecht in Göttingen, geht davon aus, dass ein Teil des Geldes, das Lehman über die Zertifikate eingesammelt hat, von vornherein nie zur Rückzahlung vorgesehen war. Vielmehr sei es über einen Bilanztrick als Eigenkapital der klammen Lehman-Holding zugeflossen. Bröker im stern: "Die Zertifikate waren so ausgelegt, dass am Ende immer nur einer gewinnt: Lehman Brothers."

Ein ehemaliger Anlageberater der Citibank bestätigt den Verdacht. Er erhebt im stern schwere Vorwürfe gegen das Institut. Die Kundenberater seien über erhöhte Provisionen subtil unter Druck gesetzt worden, Lehman-Zertifikaten zu verkaufen. Der Arbeitgeber habe sie viel zu sicher eingestuft und die Mitarbeiter über die zweifelhafte Bonität des Emittenten nicht informiert. Der Zeuge selbst verkaufte noch kurz vor der Lehman-Pleite Lehman-Schrottanleihen an seinen Vater und seine Schwiegermutter, die das gesamte Geld verloren.

Entschädigung bleibt weitgehend aus

Warum die Abzocke gerade in Deutschland so gut funktionierte, erklärt der Anlegeranwalt Peter Mattil im stern: "Weil solche Zockerpapiere fast nur hier erlaubt sind. Die Deutschen werden als gierig und gutgläubig gegenüber den Banken eingeschätzt und haben jede Menge Geld auf der hohen Kante."

Bislang verweigern deutsche Partnerbanken die Entschädigung betroffener Anleger auf breiter Front. Eine Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg unter fast 400 geschädigten Kunden ergab, dass nur acht Prozent der untersuchten Fälle Entschädigungsangebote erhalten hätten. Geld hätten bislang nur Kunden der Hamburger Sparkasse bekommen. "Alle anderen Geldinstitute verweigern eine Entschädigung", sagte Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale.

Klage empfohlen

Die Verbraucherzentrale rät betroffenen Kunden zur Klage, falls die Banken nicht freiwillig entschädigen. "Anfang 2009 werden wir die ersten Prozesse sehen", sagte Hörmann. Ein Urteil des Landgerichts Frankfurt, das einem Lehman-Anleger eine Entschädigung verweigert hatte, ist nach Ansicht von Hörmann nicht wegweisend.

Wer hilft? Eine Hilfestellung bei der Suche nach der richtigen Anlageform bieten die Beratungsstellen der Verbraucherzentralen. Gegen Gebühr wird hier ein unabhängiges Anlageprofil erstellt. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat zudem eine kostenlose Telefonhotline für Betroffene geschaltet. Unabhängigen Rat können Bankkunden auch bei der Stiftung Warentest einholen.

Mehr zum Thema...

Mehr zum Thema... ... lesen Sie im neuen stern. Darin schildert Reporter Rolf-Herbert Peters, wie die Nachforschungen von Finanzexperten den Verdacht nähren, deutsche Sparer seien systematisch angezapft worden.

mit hil/mbo/AP
KOMMENTARE (10 von 11)
 
jaru (12.12.2008, 08:47 Uhr)
"Beraterbanken"???
Dass diese sog. "Finanzberater" über Provisionen bezahlt werden, habe ich schon immer für sehr bedenklich gehalten. Wie soll man Kunden objektiv beraten, wenn man ständig darauf achten muss, dass man dabei auch selbst genug zum Ernähren der Familie verdient? Und dann noch die Zielvorgaben des Arbeitgebers: Verkaufe x-mal Produkt A und y-mal Produkt B pro Monat!!! Dazu kommt auch noch, dass Du Produkte zum Teil so kompliziert sind, dass z.T. nicht mal die Finanzberater diese richtig verstehen.
gmathol (12.12.2008, 02:11 Uhr)
Deswegen werden deutsche Investmentbanker doch von den US Experten so belaechelt.
Die deutschen Banker koennen sich allenfalls im Bereich der Kleinkriminalitaet bereichern.
Die europaeischen Banken haben die "Gewinne" der letzten 25 Jahre nun komplett egalisiert und werden wohl noch mehr draufzahlen muessen.
Wuerden europaeische Banken in den USA so handeln wuerden die Manager verhaftet sowie die Mittel beschlagnahmt.
Freut uns ungemein das es Dumm-Anleger in Deutschland gab - wir bekommen naemlich ggf. unser Geld durch Klage gegen deutsche Banken erstattet.
Lach, lach und immer schoen den Ami lieben.
Halodri73 (11.12.2008, 19:53 Uhr)
zumal
niemand die Ratingagenturen prüft. Kein Bafin, keine Kontrollinstanzen... nix! Die dürfen Raten, wie sie wollen.
Aber da kommt ja jetzt bald was.
Salzsteuer (11.12.2008, 19:47 Uhr)
AAA-rating
Dieser ganze Rating-Müll, für welchen Körperteil ist der??, - bestenfalls für die Füße, Hirn muß man selber haben.
Ich kaufe nur dt. Aktien, nach eigenem Ermessen und habe bisher alle Papier mit gutem Gewinn wieder verkauft.
Derzeit verkaufe ich allerdings nichts, sondern kaufe völlig unterbewertete Aktien.
Halodri73 (11.12.2008, 19:28 Uhr)
@bernie und lisa
Nun, es gibt inzwischen klare Regeln für die Vermittlung von Finanzprodukten. Nicht immer strikt gennug, aber das wird langsam besser.
Sveto hat in der Sache Recht, wer Produkte kauft, die er nicht versteht ist letztlich selbst Schuld, wenn er dem Berater quittiert, DAß er alles verstanden hat.
Und vor Garantiezertifikaten haben seriöse Berater eh stets gewarnt, zumindest nicht als einzige Anlage. Aber in einer Verkaufsmaschine Bank ist der Kunde eben nicht zu beraten sondern zu überreden. Schön, daß ach so saubere Banker endlich die Quittung für Fehlberatungen bekommen. Denn einigen kann man es nachweisen!!
;-)
LisaT (11.12.2008, 19:18 Uhr)
AAA-Rating
Sveto - ziemlich arrogant, Ihre Einstellung. Die betroffenen Produkte hatten nicht nur ein AAA-Rating, sondern ihr "Inhalt" war auf der "Verpackung" so beschrieben, dass kein Laie ohne bankspezifische Ausbildung auf die Idee kommen konnte, dass sich darin reines "Gift" befand. Selbst professionelle Großanleger, die sich tagaus, tagein mit nichts anderem als Anlagen beschäftigen, sind reihenweise auf die schöne Verpackung hereingefallen. Dass Sie persönlich es nicht sind, haben Sie wohl eher entweder einer glücklichen Fügung zu verdanken oder dem Umstand, dass Sie gar keine Kröten besitzen, die Sie anlegen könnten. Ihre Kaltherzigkeit ersparen Sie uns bitte.
bernie-abg (11.12.2008, 19:04 Uhr)
@Sveto...
...einen Wagen kannst du aber zurückgeben wenn er nicht hält was der Verkäufer versprach.
Die Banken haben sich von der Politik einen großartigen Persilschein ausstellen lassen.
Sveto (11.12.2008, 18:58 Uhr)
Man sollte halt nur
kaufen, was man versteht. Ein bei einer Bank angestellter Finanzproduktenverkäufer ist eben genausowenig "Berater" wie ein Gebrauchtwagenhändler.
Corazito3333 (11.12.2008, 18:24 Uhr)
das beste für den Kunden???
Banken verkaufen daß, was Ihnen am meisten bringt. Die Berater bekommen ja Provision, also werden sie auf ihr Einkommen schauen und nicht auf die optimale Beratung für den Kunden.
....es war einmal..........
tarpan8 (11.12.2008, 17:46 Uhr)
Keinem...
Ich befürchte man kann niemanden,
zumindest in offiziellen Funktionen,
mehr trauen.
Noch schlimmer ist das keiner der
Herren, höchstens ein Baueropfer,
zur Verantwortung gezogen wird.
Und wenn man dann im Stern lesen muss
das Verfolgungsbehörden, Steuerabteilung V in Frankfurt, von oben stillgelegt werden, weil sie die "Falschen=Großen" verfolgen,
kann man nur noch schreiend gegen die
Wand laufen.
MEHR ZUM ARTIKEL
Lehman-Pleite Verbraucherschützer drohen mit Klagewelle

Deutsche Partner der insolventen Investmentbank Lehman Brothers verweigern bisher deutschen Anlegern Entschädigungen. Lediglich ein Institut hat mit den Geschädigten Verhandlungen aufgenommen. Verbraucherschützen raten Betroffenen zur Klage auf Entschädigung, da Bankberater in vielen Fällen Fehler gemacht hätten. mehr...

Millionenpanne KfW-Bank feuert Vorstände

Die staatliche KfW-Bank entlässt zwei ihrer Vorstandsmitglieder fristlos. Die Kündigungen erfolgen wegen der Überweisungspanne im Zusammenhang mit der insolventen amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers. mehr...

Wissenstest Sind Sie krisenfest?

Die Finanzkrise hält die ganze Welt in Atem. Blicken Sie da noch durch? Testen Sie Ihr Wissen zur Finanzkrise. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Parnerangebot Zinsen — der große Unterschied Zinsen — der große Unterschied Bank ist nicht gleich Bank

Wollen Sie Ihrer Bank Geld schenken? Oder lieber die besten Zinsen sichern? mehr

 
 
 
stern.de in Social Networks
 
Mobil
 
Widgets
 
 
Adobe Flash Player