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GESPERRT Geld leihen: Das 1x1 des Kredits

Neuer Fernseher, neues Auto, neues Haus - und alles auf Pump? Wie man richtig Schulden macht und sich dabei nicht ruiniert.

Von Frank Donovitz und Joachim Reuter

Das Konto nie überziehen!? Das schafft keiner. Eine Autoreparatur oder eine hohe Nebenkostenabrechnung können auch die sorgfältigste Kalkulation des Haushaltsbudgets über den Haufen werfen. Was ist zu tun?

Geld leihen im Alltag Dispositionskredit

Jedes Girokonto hat einen Sicherheitspuffer, der dafür sorgt, dass Geld auch dann noch fließt, wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Das ist der Dispositionskredit, auch Kontokorrentkredit genannt. Den räumt die Bank oder Sparkasse gewöhnlich jedem Kunden ohne besondere Formalitäten ein. Voraussetzung sind regelmäßige monatliche Einkünfte. Wie hoch der "Dispo" ist, richtet sich nach dem Gehaltseingang oder - bei Selbstständigen - den Nettoeinkünften. In der Regel darf der Kunde sein Girokonto bis zur Höhe von zwei bis drei Monatseinkommen überziehen.

So bequem das Angebot für die Kunden ist - die Banken handeln alles andere als uneigennützig. Sie lassen sich die Überziehung teuer bezahlen. Beispiel: Die Bank räumt beim Dispo eine Kreditlinie von 1800 Euro ein. Wird der Dispo jeweils zehn Tage im Monat ausgeschöpft, sind dafür bei einem Zinssatz von zwölf Prozent 72 Euro im Jahr fällig. Noch teurer wird das geliehene Geld, wenn der Dispo überzogen wird. Dann verlangt die Bank für jeden zusätzlich geliehenen Euro 17 Prozent

Überziehungszinsen

. Beispiel: Der Dispo von 1800 Euro wird jeweils zehn Tage im Monat um 500 Euro überschritten. Dann zahlt der Kunde 72 Euro (für den Dispo) plus 28,33 Euro (für die Überziehung). Summe der Zinslast pro Jahr: 100,33 Euro.

Deshalb gilt: Der Dispo taugt lediglich zur kurzfristigen Überbrückung eines kleineren Liquiditätsengpasses. Steht das Konto laufend im Minus, sollte man die Zinslast unbedingt reduzieren. Vielleicht liegt ja noch Geld auf einem schlecht verzinsten Sparbuch? Damit sollten die Schulden abgelöst werden. Merke: Kredite tilgen bringt die beste Rendite.

Ratenkredit

Eine andere Möglichkeit ist die Umschuldung. Man nimmt einen Ratenkredit auf, für den die Banken niedrigere Zinsen berechnen, und gleicht damit den teuren Dispo-Kredit aus. Beispiel: Das Girokonto wird drei Jahre lang durchschnittlich um 5000 Euro überzogen. Bei einem Dispo- Zinssatz von 11,99 Prozent beträgt die Zinslast 1798 Euro. Die Bank bietet einen Ratenkredit zu 6,89 Prozent an, dafür zahlt man 531 Euro Zinsen. Differenz: 1267 Euro.

Achtung: Wer nach der Umschuldung mittels Ratenkredit sein bereinigtes Girokonto erneut überzieht und den Dispo in Anspruch nimmt, macht den ersten Schritt in die Schuldenfalle! Um sich davor zu schützen, sollte man nach einer Umschuldung den Dispo reduzieren oder gleich ganz löschen lassen. Eine Alternative zum Dispo-Kredit auf dem Girokonto ist ein flexibler, zinsgünstiger Rahmenkredit, auch

Abrufkredit

genannt.

Kreditkarten

Schon lange haben sich die Verbraucher daran gewöhnt, nicht nur mit Bargeld, sondern auch mit der Plastikkarte zu bezahlen. Kommt die gewöhnliche EC-/Maestro-Karte zum Einsatz, ist das kein Kauf auf Kredit: Das Girokonto wird sofort belastet.

Anders sieht die Sache aus, wenn man zur Kreditkarte greift. Vor allem Direktbanken, bei denen der Kundenkontakt über Telefon oder Internet abläuft, bieten bei der Kontoeröffnung eine Kreditkarte kostenlos an. Bei Sparkassen und (Volks-) Banken kostet die

Master- oder Visa-Karte

20 bis 30 Euro im Jahr. Zahlt man mit dieser Karte, wird der Betrag nicht sofort, sondern jeweils am Monatsende vom Konto abgebucht. Die Kartenanbieter, wie Visa oder Mastercard, addieren sämtliche Zahlungen, und die Hausbank überweist den offenen Betrag vom Girokonto an die Kartenanbieter. Vorteil für den Verbraucher: Er bekommt für die Kartengebühr einen zinsfreien Kurzkredit.

Das spätere Bezahlen birgt zwei Fallstricke: Wer nicht mitrechnet, verliert schnell den Überblick über seine finanzielle Lage, da erst am Monatsende die Rechnung präsentiert wird. Zudem sind Kreditkartenschulden sehr teuer. Beispiel: Wer seinen Kreditkartensaldo nicht monatlich ausgleicht, sondern Monat für Monat drei Wochen lang 1500 Euro offen lässt, zahlt dafür 15 Prozent Zinsen - das sind 157,50 Euro im Jahr.

Prepaid-Kreditkarte

Es gibt auch eine Kreditkarte, die vor der Schuldenfalle schützt: die sogenannte Prepaid-Kreditkarte. Sie funktioniert wie die Prepaid-Karte beim Handy. Man zahlt erst ein Guthaben ein, dann kann mit der Karte bis zu dieser Höhe auch bezahlt werden. Streng genommen handelt es sich also nicht um eine "Kredit-", sondern um eine Guthaben-Karte.

Die Vorteile: Da man lediglich das ausgeben kann, was zuvor eingezahlt wurde, gerät man nicht ins Minus. Und weil damit kein Kredit verbunden ist, fragt die Bank beim Ausstellen der Karte auch nicht bei der Schufa wegen der Bonität des Kartenkundens an. Somit können auch Arbeitslose, Auszubildende oder Schüler diese besondere Form einer Kreditkarte erhalten - eine oft notwendige Zahlungsart vor allem im Internethandel.

Nachteil: Die Jahresgebühr ist mit 39 Euro bis 79 Euro höher als bei der herkömmlichen Kreditkarte. Tipp: Die LBBVisa Prepaid-Karte der Landesbank Berlin bietet eine jährliche Guthabenverzinsung von zwei Prozent für das eingezahlte Kartengeld.

Geld leihen zum Ausgeben

Die Versuchung ist groß: Unterhaltungselektronik in "10 Monatsraten", Autos mit "Nullkommanix-Finanzierung", Möbelgarnituren als "Finanzkauf ". Zu immer mehr Waren wird der "billige" Kredit gereicht. Nicht nur der Handel kurbelt so die Umsätze an. Auch Banken wollen gern "Wünsche erfüllen" - und daran verdienen. Die Werbung für Kredite folgt stets demselben Muster: Schulden machen leicht gemacht. Das ist nicht verboten. Doch wer nicht genau nachrechnet, ist schnell überschuldet.

Ratenkredite

Der Käufer unterschreibt den Vertrag und nimmt die Ware sofort mit. Zurückgezahlt wird häppchenweise Monat für Monat. Genau darin liegt oft das Problem: Die Summe aller Raten ist unterm Strich immer höher als der Preis bei Sofortzahlung. Wer einen Ratenkredit aufnimmt, muss nicht nur die Kreditsumme zurückzahlen (Fachwort: Tilgung), sondern auch die "Geldleihgebühr", die Kreditzinsen. Vorsicht ist geboten, wenn Verkäufer mit niedrigen Monatsraten den Preis ihrer Ware verlockend erschwinglich aussehen lassen. Denn je niedriger die Rate, desto teurer wird das Produkt - man muss länger zahlen, um den Kredit zu tilgen.

Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass ein und derselbe Kredit durch verschiedene

Laufzeiten

unterschiedlich viel kostet. So werben die Banken beim Ratenkredit gern mit niedrigen Zinssätzen, die es jedoch nur bei einer kurzen Laufzeiten von zwölf Monaten gibt. Die Postbank verlangt beispielsweise für ihren Onlinekredit nur 4,44 Prozent für diese Laufzeit. Wer einen

Kredit über 10.000 Euro aufnimmt und das Geld in zwölf Monaten zurückzahlen möchte, zahlt dafür nur 237,32 Euro Zinsen. Die monatliche Rate ist mit 853,11 jedoch so hoch, dass sich das kaum jemand leisten kann. Also schlägt die Bank eine Laufzeit von 36 Monaten (drei Jahre) vor. Dann beträgt die monatliche Belastung lediglich 321,44 Euro. Nachteil: Der Zins liegt nicht mehr bei 4,44 Prozent, sondern bei 8,09 Prozent. Insgesamt zahlt der Kunde 1247,84 Euro Zinsen.

Eine Unsitte haben die Kreditgeber auf Druck der Verbraucherschützer aufgegeben: Sie werben nicht mehr mit dem (günstigen) Nominalzins, sondern mit dem

Effektivzins

, der auch die Bearbeitungsgebühren umfasst. Aber auch hier lauern noch Fallen. Nicht eingerechnet wird die gern mitverkaufte teure

Restschuldversicherung

, mit der die Banken den Kredit gegen Arbeitslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder Tod des Kunden absichern wollen. Beispiel: Bei der Citibank zahlt ein Angestellter für einen Ratenkredit über 10.000 Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren einen Effektivzins von 4,97 Prozent. Das scheint günstig. Doch nun kommt die Restschuldversicherung hinzu. Ohne diese Absicherung erhält der Kunde den Kredit nach Untersuchungen der Verbraucherzeitschrift "Finanztest" und des unabhängigen Finanzportals biallo.de nicht. Hierfür zahlt er zusätzlich 1144 Euro. Rechnet man den Betrag in den Zins mit ein, kommt man auf einen Wert von 13,26 Prozent - viel mehr als das Lockangebot.

Ein weiterer beliebter Trick: Vor dem "supergünstigen Effekivzins" steht oft klein gedruckt das Wörtchen "ab". Hinter "ab" verbirgt sich, dass zunächst die Kreditwürdigkeit

(Bonität)

< des Kunden geprüft wird. Das Fachwort hierfür heißt Scoring. Bei diesem Verfahren werden dem Kunden Punkte (Scores) zugeteilt - zum Beispiel für seinen Verdienst oder die Region, in der er wohnt. Welche Daten einfließen und wofür es wie viele Punkte gibt, sagen die Banken dem Kunden aber nicht. Außerdem stellen die Banken vor der Kreditvergabe noch eine Anfrage bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa. Merke: Meist muss man mit deutlich höherem Zins rechnen, als in der Werbung versprochen. Verbraucher sollten gegenüber "Billig"-Konditionen skeptisch sein und nachfragen, ob das Angebot bonitätsabhängig ist.

Null-Zins-Kredite

Verführerisch sind auch Null-Zins-Kredite, die Warenhäuser wie Karstadt oder Media Markt und Saturn beim Kauf vor allem von technischen Geräten anbieten. Verbraucherschützer sehen hier die Tür zum Schuldenmachen weit geöffnet. Es werden gezielt Kunden angesprochen, die die Gesamtsumme nicht bezahlen können - Barzahler erhalten keinen Rabatt. Wie es um die Zahlungsfähigkeit dieser Kunden steht, ist nicht von Interesse.

Autokredite

Autokredite benutzen Händler und Hersteller zur Verkaufsförderung. Es sind gewöhnliche Ratenkredite. Die konzerneigenen Autobanken, beispielsweise von VW, BMW oder Daimler, locken mit günstigen Zinssätzen. Besonders attraktive Zinsen geben sie aber nicht immer für die gesamte Modellpalette, sondern oft für Fahrzeugtypen, die dringend verkauft werden sollen. Autokunden sollten sich nicht blenden lassen, sondern genau nachrechnen. Denn in der Regel finanzieren sie mit dem Kredit den Listenpreis des Fahrzeuges. Rabattverhandlungen sind kaum möglich. Wer dagegen als Barzahler kommt, kann einen Preisnachlass von mehr als zehn Prozent aushandeln. So kann es unterm Strich günstiger sein, sich für den teureren Hausbankkredit zu entscheiden und den Wagen mit Rabatt bar zu bezahlen.

Beispiel: Für einen Kredit über 36 Monate verlangt die Autobank 2,90 Prozent, die Hausbank 5,95 Prozent. Schon wer mehr als 4,31 Prozent Rabatt aushandelt, fährt mit der Hausbank besser. Entsprechende Rechner finden sich im Internet, wie unter www.fintext.de/hn/rechner. Beliebt ist bei den Autobanken auch eine Mischfinanzierung aus Kredit und Leasing, die sogenannte

Drei-Wege- Finanzierung

. Hier zahlt der Kunde zunächst - im Vergleich zum Ratenkredit - niedrige Monatsraten für die vertraglich festgelegte Nutzungszeit des Fahrzeuges, zum Beispiel vier Jahre. Am Ende stehen ihm drei Wege offen. Entweder löst er das Auto mit einer Schlussrate ab, und es geht in seinen Besitz über. Nachteil: Die Kehrseite der günstigen Raten ist eine hohe Schlusszahlung, sie beträgt etwa 40 Prozent des Kaufpreises. Oder der Kunde nimmt hierfür einen Folgekredit auf. Nachteil: In der Regel schnellt hierfür der Zinssatz in die Höhe. Als dritten Weg kann der Kunde den Wagen wie bei einem Leasingvertrag dem Händler zurückgeben. Risiko: Ist das Auto in einem schlechten Zustand oder hat der Kunde mehr Kilometer gefahren als vertraglich festgelegt, ist eine Nachzahlung fällig.

Abrufkredite

Diese Art Geld zu leihen eignet sich für Verbraucher, die immer mal wieder kurzfristig einen höheren Betrag brauchen. Dabei räumen Banken und Sparkassen dem Kunden eine Kreditlinie ein, meist zwischen 5000 und 25.000 Euro. Diese "Linie" kann bei Bedarf bis zum Limit in Anspruch genommen werden. Die Vorteile: Die Bereitstellung ist kostenlos, Zinsen fallen lediglich für den in Anspruch genommenen Betrag an. Zudem kann der Kunde, wenn er Geld übrig hat, den Kredit jederzeit im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten tilgen. Und: Die Zinsen für Abrufkredite liegen deutlich unter den Zinsen für Ratenkredite. Einen Haken gibt es: Die Abrufkreditzinsen sind oft variabel und können sich kurzfristig ändern. Hebt beispielsweise die Europäische Zentralbank die Leitzinsen an, können auch die Kosten für den Kredit steigen.

Policen-Darlehen

Hier handelt es sich um einen Vorschuss auf zukünftige Auszahlungen einer Lebensversicherung. Dabei erhält der Kreditnehmer Geld aus seinem Versicherungsguthaben, sei es aus der kapitalbildenden Lebens- oder einer privaten Rentenversicherung. In dem Fall braucht der Kunde keine Sicherheiten zu stellen, denn das Darlehen ist durch die Abtretung der Police an die Bank abgesichert. Es erfolgt kein Eintrag des Kredits bei der Schufa, ein Einkommensnachweis wird auch nicht verlangt. Die Rückzahlung des Darlehens - die Zinsen liegen zurzeit bei etwa sieben Prozent - ist jederzeit möglich. Diese Form des Geldleihens ist vor allem für Freiberufler interessant. Sie haben bei Banken oft Schwierigkeiten, einen Kredit zu erhalten. Zu bedenken ist aber: Neben den Zinsen für das Policen-Darlehen sind auch die Prämien für die Versicherung weiterzuzahlen.

Schufafreie Sofortkredite

Schufafreie Sofortkredite sind extrem heikel. Die Anbieter haben sich auf Kunden spezialisiert, die von seriösen Banken oder Sparkassen keinen Kredit (mehr) erhalten. Das Geschäft mit den "bonitätsschwachen" Kunden wird fast immer im Internet abgewickelt. Da heißt es zum Beispiel: "Ihr Kredit abgelehnt? Das muss nicht sein." Hier ist höchste Vorsicht geboten. Hinter den Lockangeboten stehen nach Beobachtung von Verbraucherschützern oft Kredithaie. Sie verlangen hohe Prüf- oder Vorabgebühren, die zu einem effektiven Jahreszins von 30 Prozent und mehr führen können. Ein Trick ist auch, die Gebühren zu kassieren, ohne den Kredit später zu bewilligen. Also: Finger weg von solchen Offerten!

Pfandbriefkredite

Pfandbriefkredite sind für kurzfristig Klamme immer häufiger zur letzten seriösen Möglichkeit geworden, an einen Kredit zu kommen. Das Pfandgeschäft ist unkompliziert und präzise geregelt. Da hier das Pfand, zum Beispiel Schmuck, beim Leihhaus als Sicherheit hinterlegt wird, ist weder ein Einkommensnachweis noch eine Anfrage bei der Schufa nötig. Geld gibt es dann sofort. Das Pfand wird allerdings nur bis zu einer Höhe von 50 Prozent des geschätzten Wertes beliehen. Es kann jederzeit ausgelöst werden.

Der - nicht günstige -

Pfandleihzins

ist gesetzlich festgelegt: Je angefangenem Monat wird ein Zinssatz von einem Prozent fällig plus monatliche Gebühren für Schätzung, Lagerung und Versicherung der Werte. Der Kredit sollte also schnell abgelöst werden. Beispiel: Ein Darlehen über 300 Euro kostet im Leihhaus monatlich 3 Euro Zinsen und 7,50 Euro Gebühren. Wer sein Pfand nach einem Monat einlöst, muss 310,50 Euro zahlen. Nach einem Jahr sind es schon 426 Euro - ein Effektivzins von 42 Prozent! Merke: Die Pfandleihe ist ein teurer Kredit. Er kann sich gleichwohl für Selbstständige eignen, die einen kurzfristigen Liquiditätsengpass überbrücken müssen.

Geld leihen für Haus und Hof

Geliehenes Geld hat verschiedene Preise - je nachdem wofür es eingesetzt wird. Zinsen für Immobiliendarlehen sind in aller Regel niedriger als jene für Dispooder Ratenkredite. Auch weil für einen Immobilienkredit das Gekaufte selbst als Sicherheit beziehungsweise Pfand hinterlegt werden kann, die sogenannte Hypothek (griechisch: "Unterpfand").

Hypothekendarlehen

sind der "Klassiker" der Immobilienfinanzierung. Bauherren oder Käufer bekommen Geld gegen Zahlung von Zins und Tilgung. Die finanzierende Bank oder Sparkasse erhält zusätzlich als Sicherheit einen Eintrag im Grundbuch, dem amtlichen Verzeichnis aller Grundstückseigentümer. Entgegen einer landläufigen Floskel "gehört" das Haus oder die Wohnung jedoch dann nicht "der Bank", sondern stets dem Darlehensnehmer. Nur wenn dieser den Zins und/ oder die Tilgung nicht mehr wie vereinbart zahlen kann, darf der Geldgeber die Hypothek "verwerten": Die Immobilie wird verkauft (oft versteigert), vom Erlös erhält die Bank oder Sparkasse die noch ausstehende Darlehenssumme zurück.

Generell empfehlenswert sind Hypothekendarlehen der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Beim

KfW-Wohneigentumsprogramm

können bis zu 100.000 Euro zur Finanzierung selbst genutzten Wohneigentums geliehen werden. Das kann - je nach Lage, Objekt und eigenen Ersparnissen - schon genügen, um sich den Traum der eigenen vier Wände zu verwirklichen. Die Abwicklung der KfW-Darlehen übernehmen Banken und Sparkassen. Die Konditionen der KfW zählen in aller Regel zu den günstigsten am Markt. Beispiel: Ein Darlehen über 100000 Euro (Laufzeit 20 Jahre) gab es zuletzt für 4,45 Prozent Nominalzins. Dieser Preis ist für die ersten zehn Jahre festgeschrieben (Fachwort:

Zinsbindung

). In den ersten drei Jahren muss sogar nur der Zins (effektiv 4,52 Prozent) gezahlt werden. Die KfW nennt sie "tilgungsfreie Anlaufjahre". In dieser Zeit kostet das Darlehen rund 370 Euro pro Monat.

Neben der gängigen zehnjährigen Zinsbindung bieten Geldhäuser auch Festpreise für 5, 15 oder 20 Jahre an. Dabei gilt: Je länger die vereinbarte Frist, desto höher der Zinssatz, also auch die monatliche Belastung. Im Gegenzug verschafft ein Festpreis für 15 oder gar 20 Jahre Kreditnehmern hohe finanzielle Planungssicherheit. Am Ende jeder Zinsbindungsfrist kann die Restschuld getilgt werden. Üblicher weise ist jedoch eine Anschlussfinanzierung erforderlich. Die muss keineswegs die bisherige Bank oder Sparkasse übernehmen. Ratsam ist vielmehr, wie zu Beginn einer Wohnfinanzierung, mehrere Angebote einzuholen.

Was viele nicht wissen: Immobilienfinanzierer dürfen Hypothekendarlehen verkaufen. So sind Tausende Eigenheimer bereits zu Kreditkunden von Finanzinvestoren, landläufig "Heuschrecken", geworden. Deren einziges Interesse: aus dem Kredit mehr für sich herauszuholen als der bisherige Geldverleiher. So drohen zum Ende jeder Zinsbindung radikale Zinserhöhungen oder die Darlehenskündigung mit sofortigem Zugriff auf die Immobilie. Immerhin: Volks- und Raiffeisenbanken versprechen Privatkunden, ihre Kredite nicht zu verkaufen, die KfW tut dies auch nicht. Die Sparkassen geloben, künftig davon abzulassen. Private Geschäftsbanken hingegen schließen den Darlehensverkauf nur gegen Preisaufschlag aus. Die Commerzbank zum Beispiel verlangt dafür bis zu 0,2 Prozent mehr Zins.

Bauspardarlehen

Wer einen Immobilienkredit will, muss zuvor sparen. Ein Bausparvertrag besteht daher aus zwei Teilen: einem Sparvertrag und einem möglichen, aber keineswegs zwingenden Darlehensvertrag. Die Zins-Mixturen von Bausparkassen heißen deshalb Tarife. Komplizierter zwar als ein Hypothekendarlehen, aber mit Vorteilen: Spar- und Darlehenszinsen stehen vom Tag der Unterschrift für die gesamte Laufzeit des Vertrages fest. Der eigentliche Clou: Die Darlehenszinsen sind je nach Tarif etwas niedriger als bei klassischen Hypothekenkrediten. Derzeit werden Bausparverträge mit rund zwei Prozent effektivem Darlehenszins angeboten. Wer beispielsweise 20.000 Euro Bausparsumme (zur Hälfte angespart, zur anderen Hälfte als Darlehen) in eine Immobilienfinanzierung einbringen möchte, hat bei einer tariflich festgelegten Rückzahlrate von 160 Euro pro Monat den Kredit in rund fünfeinhalb Jahren abbezahlt.

Die Nachteile: Niedrige Darlehenszinsen müssen meist durch sehr geringe Sparzinsen erkauft werden. So gibt es beispielsweise Darlehen bei Wüstenrot schon ab 1,6 Prozent Nominalzins. Ein solcher Vertrag bringt aber auch nur 0,5 Prozent Guthabenverzinsung. Zudem sind Bauspartarife vergleichsweise starr. Die Kassen beharren aus kalkulatorischen Gründen auf der Einhaltung der einmal abgeschlossenen Vertragsbedingungen. Darin enthalten sind auch Vermittlerprovisionen und der Abschluss einer Todesfall-Versicherung für den Kreditnehmer. Diese beiden Vertragsbestandteile sind aber durchaus individuell verhandelbar.

Fazit: Wer sich zum Modernisieren des Eigenheims einen sehr günstigen und gut kalkulierbaren Kredit sichern möchte, sollte bausparen - zum Beispiel mit vermögenswirksamen Leistungen. Wer eine Immobilie bauen oder kaufen will, hat das nötige Eigenkapital schneller mit anderen Sparmöglichkeiten beisammen, etwa mit Tagesgeld- oder Sparbriefanlagen. Und: Ein Hypothekendarlehen lässt sich häufig individueller, bedarfsgenauer gestalten.

Lebensversicherungen

Lebensversicherungen können auch zur Finanzierung der eigenen vier Wände genutzt werden. Bei der Policen-Abtretung wird nicht nur das bislang angesparte Versicherungsguthaben zum Kredit, sondern weit mehr. Beispiel: Ein 35-Jähriger hat eine Kapitallebensversicherung über 100.000 Euro garantierte Versicherungssumme abgeschlossen. Er zahlt dafür eine Jahresprämie von rund 3000 Euro, wofür er monatlich 250 Euro auf einem Tagesgeldkonto zurücklegt. Zu seinem 60. Geburtstag soll die Versicherung ausgezahlt werden. Nun möchte er ein Reihenhaus kaufen, Preis: 200.000 Euro. 50.000 Euro hat er selbst gespart, 100.000 Euro bekommt er als KfW-Darlehen. Die noch fehlenden 50.000 Euro leiht er sich bei seiner Hausbank - und tritt ihr dafür diese Summe aus seiner Versicherung ab. Bei 4,5 Prozent Festzins für die ersten zehn Jahre kostet dieser Kredit lediglich 187,50 Euro Zinsen pro Monat. Getilgt wird er erst am 60. Geburtstag des Immobilienkäufers. Dann erhält die Bank die 50.000 Euro zurück - von der Versicherung. Die Abtretung wieder aufheben, um die Summe anders zu finanzieren, kann der Hauskäufer zu jedem Zinsbindungsende, im Beispiel erstmals in zehn Jahren.

Positiver Nebeneffekt: Eine Lebensversicherung in dieser Höhe dürfte der Bank als Kreditsicherheit für den Todesfall des Reihenhauskäufers genügen. Es braucht keine zusätzlichen Sicherheiten. Damit das Geschäft sicher funktioniert, muss eine Regel eingehalten werden: der Bank niemals mehr als die garantierte (!) Versicherungssumme abtreten. Jetzt, liebe Leser, kennen Sie das Kreditgeschäft. Ob und wie viel Schulden Sie sich leisten können, verrät Ihnen der Kredittest auf dieser Seite. Einen Schuldenberater wie Peter Zwegat dürften Sie dann nie kennenlernen.

So funktioniert die Schufa

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung in Wiesbaden, kurz Schufa, sammelt Daten von Verbrauchern, die ihr Banken, Versicherungen, Kaufhäuser, Telekommunikationsunternehmen und der Versandhandel zur Verfügung stellen. Neben Angaben zur Person erhebt die Schufa Daten über Bank- und Mobilfunkkonten, Kreditkarten, Ratenzahlungsgeschäfte und Kredite. Sie speichert auch Negativmerkmale wie Zahlungsstörungen oder den Einzug der Kreditkarte sowie die Kontokündigung durch die Bank. Die Vertragspartner der Schufa (Banken usw.) können sich so ein Bild von der Kreditwürdigkeit ihrer Kunden machen.

Die Schufa wertet aber nicht nur persönliche Daten aus, sondern nutzt zudem ein Prognoseverfahren, indem sie für jeden Verbraucher einen Punktewert -

Score

genannt - anhand von Vergleichsgruppen mit ähnlichen Daten ermittelt. So erhalten beispielsweise 50-Jährige per se einen besseren Score als junge Verbraucher. Daten zur Wohngegend (gutes oder schlechtes Viertel) fließen in die Score-Berechnung nicht ein.

Wer einen Kredit aufnehmen will, muss in der Regel die sogenannte

Schufa-Klausel

unterzeichnen. Mit der Unterschrift erklärt man sich einverstanden, dass der Kreditgeber die Kundendaten an die Schufa weiterleiten darf und auch die bereits gesammelten Daten einsehen kann.

Von:

Joachim Reuter und Frank Donovitz