HOME

Haus mit Poltergeist-Wohnung angeboten - und das Internet spielt verrückt

Eine Anzeige sprach von einer Wohnung, die der Käufer unter gar keinen Umständen betreten dürfe - und im Internet tobten die Spekulationen über das "Nightmare House". Nun kam heraus: Weder Serienmörder noch Zombies hausen dort.

So sieht das Haus noch ganz manierlich aus.

So sieht das Haus noch ganz manierlich aus.

Ganz Amerika interessiert sich für die Immobilien-Anzeige eines Spukhauses. Das "Nightmare on South Carolina Street"- soll für 130.000 Dollar verkauft werden. Für Aufregung sorgte die Anzeige auf dem Immobilen-Portal Zillow. Da wurde das Haus mit den üblichen, einen Käufer zur Vorsicht mahnenden, Vokabeln angepriesen. Bei dem schmucken Haus handle es sich um einen "Rohdiamanten" hieß es etwa. Was nichts anderes bedeutet, als dass den neuen Besitzer eine Menge Arbeit erwartet. Aber weder dieses Bekenntnis noch die erschreckend ehrlichen Bilder von der vermüllten Baustelle können die Aufregung erklären.

Dieser Tweet löste den Sturm im Internet aus.

Dieser Tweet löste den Sturm im Internet aus.

Dafür sorgten die weiteren Informationen. Denn das Haus umfasst auch eine Einliegerwohnung im Dachgeschoss. Dieses "Appartement kann leider unter gar keinen Umständen gezeigt werden". Denn dort haust ein mysteriöser Mieter, der noch nie Miete gezahlt hat und auch nicht rausgeworfen werden kann.

Normalerweise würde man zumindest den groben Dreck beseitigen, wenn man ein Haus zum Verkauf anbietet. 

Normalerweise würde man zumindest den groben Dreck beseitigen, wenn man ein Haus zum Verkauf anbietet. 


An den Unbekannten gebunden

"Der neue Besitzer übernimmt die Pflichten aus dem Monat-zu-Monat-Mietvertrag für die Wohnung im Obergeschoss. Der Mieter hat noch nie etwas  bezahlt, und auch keine Kaution gestellt, aber es ist ein Mietvertrag vorhanden. (Ja, das macht alles keinen Sinn. Aber bitte fragt nicht warum!)" 

Kaum online, führte das Inserat online zu den wildesten Theorien. Dass es sich um ein Mörderhaus handeln müsse und die fürchterlichsten Taten im Obergeschoss geschehen seien, gehört noch zu den realistischeren Annahmen. Natürlich wurde auch ein Befall von Gespenstern oder Zombies nicht ausgeschlossen. Innerhalb kurzer Zeit wurde das Haus zu der meistgeklickten und meistgeteilten Anzeige bei Zillow.

Auf web.archive.org kann man die auf Zillow inzwischen gelöschte Anzeige noch finden.

Auf web.archive.org kann man die auf Zillow inzwischen gelöschte Anzeige noch finden.

Künstler statt Zombie

Nun haben ansässige Reporter von "The State" das Geheimnis gelüftet. Bei dem vermeintlichen Poltergeist handelt es sich um Randall McKissick. Der 70-Jährige war früher Soldat und später Künstler. Leben konnte er davon nicht, aber der Vorbesitzer des Gebäudes, sein Schulfreund Mike Schumpert nahm ihn auf.  "Er hat mich nie nach Geld gefragt", sagte  McKissick. "Ich hätte ihm gern etwas gezahlt, aber ich habe ja nichts." Anderseits besitzt McKissick eine unbezahlbare Custom-Harley-Davidson, die vom legendären Jesse James umgebaut wurde. Den meisten Menschen ist Jesse James bekannt, weil er Sandra Bullock mit einem vollbusigen Tattoo-Model betrogen hat.

Hinter dem Haus befindet sich ein Cottage und eine Menge Müll.

Hinter dem Haus befindet sich ein Cottage und eine Menge Müll.

Kein zupackender Gast

Randall McKissick sieht sich selbst als umgänglichen Typen, mit dem gut auszukommen ist. Er schwärmt für Kunst und Musik. Aber auch, wenn er mietfrei lebt, sieht er sich nicht in der Verantwortung, den Rasen zu mähen oder das Gerümpel auf dem Gelände zum Müll zu bringen. "Ich bin ja nicht der Gärtner oder der Hausmeister", erklärte er rundheraus. Früher war McKissik ein bekannter Künstler mit weltweiten Ausstellungen. Eine Scheidung und schwere psychische Probleme haben ihn jedoch aus der Bahn geworfen. "Ich bin gar keine 70", sagt er. "In meinem Kopf bin ich 18. Und ich weine wie ein Baby."

Verkauf wegen Notfall

Nun sind sein Freund Schumpert und auch dessen Frau beide schwer krank und müssen von ihren Kindern gepflegt werden. "Wir haben keine Wahl. Wir müssen das Haus verkaufen, meine Eltern brauchen das Geld", erklärte der Sohn "The State." "Es ist sehr lange im Besitz der Familie, wir trennen uns nur ungern davon. Und wir wollen, dass Randy weiter dort leben kann." Der Familie ist offenbar nicht ganz klar, dass ein Haus mit einem "Mieter für lau" auf Lebenszeit kaum zu verkaufen ist und falls doch, nur mit einem extremen Preisabschlag.

Vielleicht entdeckt der neue Besitzer Schätze unter dem Müll.

Vielleicht entdeckt der neue Besitzer Schätze unter dem Müll.

Makler war ahnungslos

Der Makler Randal Longo wusste nicht, welche Welle das Inserat lostreten würde. "Mein Telefon ist explodiert", klagte Longo der Zeitung "The Post and Courier". "Das ganze Internet brach über uns herein. Das hat mich total überrascht." Er selbst sei nicht für die ungeschickte Wortwahl der Anzeige verantwortlich und könne auch keine Auskünfte über die Liegenschaft geben, sagt Longo. Die Familie vermarkte das Haus selbst, seine Firma biete solchen Kunden nur eine preisgünstige Möglichkeit ihre Inserate in mehreren Portalen zu schalten. Nachdem der Makler aber vom Immobiliendienst Zillow angeschrieben wurden, weil er unter den Verdacht geriet, eine Jux-Anzeige online gebracht zu haben, löschte er das Inserat. Das Nightmare-House ist jedoch noch zu haben, zumindest soll sich das Verkaufsschild noch vor dem Haus befinden.

Container-Home: Pärchen baut Luxus-Haus aus Containern
Weitere Themen

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren