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Wie Hauskäufer von der Euro-Krise profitieren

Geht es überhaupt noch billiger? Die Zinsen für Immobilienkredite sind auf einem historischen Tief. Günstige Konditionen lassen sich sogar für 30 Jahre sichern. Möglich macht das ausgerechnet die Schuldenkrise. Worauf Käufer und Bauherren jetzt achten müssen. Von Martin Hintze

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Gute Zeiten für Bauherren: Die Zinsen sind historisch niedrig. Wer kann, sollte eine hohe Tilgungsrate vereinbaren

Was auf den Straßen Athens die Gewalt eskalieren lässt, verzückt indirekt die Häuslebauer in der Bundesrepublik. Die Euro-Schuldenkrise beschert den Deutschen historisch niedrige Zinsen für Baudarlehen. Die Unsicherheit auf den Finanzmärkten sorgt dafür, dass Bundeswertpapiere bei Investoren sehr gefragt sind. Das spült Finanzminister Wolfgang Schäuble nicht nur billiges Geld in die Kassen, die niedrige Rendite der Staatsanleihen lässt auch die Zinsen der Hypotheken purzeln.

Ein weiterer Grund für die extrem billigen Kredite: Auch die Hypothekenbanken in Deutschland profitieren von der Flucht in die Sicherheit. Investoren reißen ihnen sogenannte Pfandbriefe - also Anleihen, die durch deutsche Immobilien besichert sind und deswegen als sehr sicher gelten – aus der Hand. Die Banken zahlen also für frisches Geld niedrige Zinsen und geben diesen Vorteil an ihre Kunden weiter. Hinzu kommt: "Auf dem deutschen Markt herrscht ein harter Wettbewerb. Die Margen bei Baukredite sind relativ gering", sagt der Münchener Bankenprofessor Klaus Fleischer.

Das Resultat: Zehnjährige Darlehen sind derzeit im Durchschnitt für knapp drei Prozent Zinsen zu haben, 15 Jahre Laufzeit kosten 3,5 Prozent. „Das ist schon fast unverschämt“, sagt Max Herbst von der Frankfurter Finanzberatung FMH. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lagen die Zinsen im Schnitt fast doppelt so hoch. Selbst vor einem halben Jahr mussten Immobilienkäufer noch 20 Prozent mehr für klassische Annuitätendarlehen berappen als heute. Diese Kredite gelten als die typische Baufinanzierung in Deutschland. Über die Dauer der Zinsbindung ist die monatliche Belastung bei dieser Darlehensform immer gleich.

Auch Hypotheken mit Laufzeiten von 20 oder gar 30 Jahren sind derzeit günstig. Für relativ geringe Zinsaufschläge gegenüber den klassischen Zehn-Jahres-Darlehen können sich Hauskäufer damit gegen eine Zinserhöhung wappnen. Beispielsweise bietet die Debeka Bausparkasse ein 100.000 Euro-Darlehen über 20 Jahre für 3,48 Prozent Effektivzins an. Und falls die Zinsen in ferner Zukunft doch niedriger als heute sein sollten, kann der Kreditnehmer nach Ablauf von zehn Jahren mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten aus dem Vertrag aussteigen und einen neuen Kredit aufnehmen oder Sondertilgungen leisten. Die Bank dagegen darf keine Vorfälligkeitsentschädigung verlagen und ihrerseits nicht kündigen.

Schnell runter von den Schulden

Finanzexperte Herbst empfiehlt, bei den derzeitigen Niedrig-Zinsen eine höhere Tilgungsrate zu wählen, um den Schuldenberg schneller abzutragen „Wer seinen Lebensstandard für die zusätzliche finanzielle Belastung nicht einschränken muss, sollte zwei bis drei Prozent Tilgung vereinbaren.“ Der Unterschied ist gewaltig: Ein Zehn-Jahres-Darlehen über 100.000 Euro bei einem Effektivzins von 2,82 Prozent schlägt mit einer monatlichen Rate bei 315 Euro zu Buche. Nach Ablauf der Zinsbindungsfrist beträgt die Restschuld noch stattliche 88.487 Euro. Bei einer Tilgung von drei Prozent werden zwar 481,67 Euro im Monat fällig, dafür bleiben nach Ablauf von zehn Jahren nur noch 65.461 Euro Schulden übrig – ein Unterschied von 23.000 Euro. Kreditnehmer sollten darauf achten, Sondertilgungsrechte zu vereinbaren.

Wer wirklich die Top-Konditionen von seiner Bank bekommen will, sollte genügend Erspartes mitbringen. Denn welchen Zins der Hauskäufer am Ende tatsächlich zahlt, hängt hauptsächlich von der Höhe des Eigenkapitals ab. Wer bereits die Hälfte des Kaufpreises auf der hohen Kante hat, zahlt zum Beispiel bei der ING Diba für 100.000 Euro über zehn Jahre 3,14 Prozent effektiv. Hat der Interessent lediglich 20 Prozent angespart, werden für den gleichen Kredit bereits 3,35 Prozent Zinsen verlangt. Sind es nur zehn Prozent Eigenkapital, schnellt der Zins laut FMH-Datenbank auf 3,66 Prozent hoch.

Sollten sich potenzielle Bauherren beeilen, um die Mini-Zinsen für ihre eigenen vier Wände zu sichern? Berater Herbst sieht keinen Grund zur Hektik: „Ein Viertel Prozent nach oben oder unten, mehr wird sich in den kommenden sechs Monaten nicht tun.“ Hinzu kommt: Je tiefer die Zinsen bereits sind, desto niedriger fällt die Ersparnis aus, die eine weitere Zinssenkung brächte.

Von Martin Hintze
 
 
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