Deutschlands Autofahrer-Lobby so stark wie nie

19. Juni 2013, 15:17 Uhr

Der ADAC zählt 2012 so viele Mitglieder wie noch nie - und will seinen Einfluss im Bundestagswahlkampf nutzen. Trotz der Rekordeinnahmen steigen ab 2014 die Beiträge.

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ADAC-Hubschrauber: 2012 stiegt die Zahl der Panneneinsätze auf den zweithöchsten Wert der Geschichte.©

In der deutschen Politik gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Wer sich mit den Autofahrern anlegt, kann nur verlieren. So erging es auch SPD-Chef Sigmar Gabriel, der im Mai für ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen plädierte. Der Widerspruch kam prompt - aus der Regierung wie aus den eigenen Reihen. Und natürlich auch vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC): Entgegen Gabriels Äußerungen werde sich die Verkehrssicherheit durch eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung nicht verbessern, erklärte ADAC-Vizepräsident Ulrich Becker. Das zeigten die Unfallstatistiken anderer Länder mit einem ähnlichen Tempolimit. Becker wusste laut Umfragen drei Viertel der Deutschen hinter sich.

Fast jeder Vierte ist ADAC-Mitglied

Wenn es um die Interessen der Autofahrer geht, wird der ADAC künftig mit noch mehr Macht der Politik entgegentreten können - denn der Automobilclub vereint so viele Deutsche hinter sich wie nie zuvor: Wie der Verein auf seiner Jahrespressekonferenz in München bekannt gab, wuchs die Zahl der Mitglieder 2012 um über eine halbe Million auf 18,42 Millionen. Das ist fast jeder vierte Deutsche und ein neuer Rekord. Alleine in den vergangenen zehn Jahren gewann der Verein vier Millionen Autofahrer - ein Plus von über 20 Prozent.

Verbunden mit steigenden Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge, die ebenfalls auf ein Rekordniveau von über eine Milliarde Euro stiegen, bedeutet das noch mehr Einfluss als ohnehin schon. Selbst im globalen Vergleich ist die Lobbymacht des ADAC gewaltig: Mit der American Automobil Association zählt nur ein Autoclub auf der Welt noch mehr Mitglieder.

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Starker Zuwachs: Seit Jahren steigen die Mitgliederzahlen des ADAC.©

Nein zur PKW-Maut, ja für bessere Straßen

Das weiß der ADAC zu nutzen: In München forderte er mit Blick auf die Bundestagswahlen ein umfassendes Paket von Maßnahmen von den Politik: ein klares Nein zur Pkw-Maut, mehr Investitionen in den Straßenbau und mehr Wettbewerb auf dem Spritmarkt. Anlass genug sieht der ADAC in den zu Ferienbeginn gestiegenen Spritpreisen, die er als überhöht kritisierte. Schließlich stehe der Euro mit einem Kurs von 1,34 gegenüber dem Dollar so hoch wie lange nicht mehr - und Rohöl wird in Dollar gehandelt. Ein Liter Super E10 kostet nach ADAC-Angaben derzeit durchschnittlich 1,565 Euro oder 1,9 Cent mehr als in der Vorwoche; Diesel verteuerte sich um 1,4 Cent auf 1,408 Euro.

Auch im Straßennetz sieht ADAC-Präsident Peter Meyer Mängel. Früher habe man sich im Urlaub über die Straßen in Süd- oder Osteuropa geärgert. "Diese Zeiten sind vorbei. Um unsere Straßen und Brücken beneidet uns niemand mehr", sagte er. Deutschland sei voller "Rüttelrouten" und "Bröselbrücken", die die Verkehrssicherheit und den Wirtschaftsstandort gefährdeten.

ADAC-Beiträge steigen erstmals seit 2004

Für den Beistand des ADAC müssen die Mitglieder allerdings von 2014 an höhere Beiträge zahlen - erstmals seit zehn Jahren. Für eine normale Mitgliedschaft werden dann statt 44,50 Euro im Jahr 49 Euro fällig. Andernfalls könne man bei steigenden Preisen die Leistungen nicht mehr kostendeckend anbieten, so Meyer. Alleine für die 1700 Fahrzeuge habe der Verein 2012 für 8,3 Millionen Euro getankt, 2004 hätten noch 5,5 Millionen Euro gereicht. Die Zahl der Panneneinsätze sei zudem auf über 4,1 Millionen gewachsen.

Allerdings braucht der Verein auch Geld für Investitionen: Gemeinsam mit der Deutschen Post will der ADAC im November in den Markt für Fernbusse einsteigen und laut Meyer vom geschätzten Marktvolumen von 400 Millionen Euro langfristig ein Drittel abgreifen. Die Erlaubnis vom Kartellamt liege nun vor. Das indes würde den ADAC noch mächtiger machen. Sigmar Gabriel jedenfalls ruderte mit seinem Vorschlag für ein Tempolimit schnell zurück. "Sicherheit braucht Vorfahrt", verlautete er kleinlaut, "mehr wollte ich nicht sagen."

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