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"Ich sehe schwarz und habe noch nie GEZahlt"

Mahnschreiben und Besuche von GEZ-Kontrolleuren konnten es nicht ändern: Unser Autor hat noch nie den Rundfunkbeitrag bezahlt. Ein Bekenntnis eines Verweigerers.

GEZ-Rebell-zahlt-keine-gebuehren

Nichts sagen, nicht hören, nichts sehen: Der Autor hat noch nie GEZ gezahlt - obwohl er nichts gegen die Gebühren hat.

Es hätte nicht soweit kommen müssen zwischen dir und mir, liebe GEZ. Aber weißt du nicht, dass es der erste Eindruck ist, der zählt? Und der erste Eindruck von dir war katastrophal. Der Kleister an den Tapeten unserer WG war noch nicht trocken, da flatterte schon der erste Brief von dir ins Haus. Du hieltest dich nicht mit Freundlichkeiten auf. Viel Fettgedrucktes stand darin und unverhohlene Drohungen. Grausame Strafzahlungen beschworst du herauf, sollte ich nicht stante pede Radio und Fernsehgerät anmelden. Und dass ich Radio und Fernsehgerät besitze, liebe GEZ, da warst du dir hundertprozentig sicher, obwohl wir noch nie Bett oder Kaffee geteilt hatten.

Es stimmte ja. Aber wie du da auf dicke Hose machtest, das machte mich wütend und bockig. Und noch viel wütender machte mich, was mir ältere Kommilitonen von deinem angeheuerten Spionageheer erzählten. Eine Kommilitonin, die tatsächlich weder Radio noch Fernsehgerät besaß, meldete sogar ein fiktives Radio an, damit die Flut der immer drohender klingenden Briefe endlich ein Ende nahm. Denkste: "Sie haben ihr Radio angemeldet. Dann haben sie doch sicher auch ein Fernsehgerät", hieß es im nächsten Schreiben. Sie wurde dich einfach nicht los.

Solche Methoden und Psychospielchen hatte ich von Drückerkolonnen erwartet, aber nicht von Menschen, die im Auftrag einer halbwegs staatlichen Institution agierten. In diesem Moment taten meine Mitbewohner und ich einen feierlichen Schwur: Niemals würden wir solchen Menschen auch nur einen Heller in den Rachen werfen!

Bloß nicht reinlassen

Der Krieg war eröffnet. Ich machte mich im Netz schlau, fragte bei meinen Jura-Kommilitonen nach, wieviel Bluff in deinen Drohungen lag. Ziemlich viel, musste ich feststellen: Einfach so in unser Zuhause platzen, es gar durchsuchen, durftest du nicht. Mit der GEZ, lernte ich, ist es wie mit Vampiren: Nur wer dumm genug ist, sie in die Wohnung zu lassen, hat verspielt.

Deine ersten Salven schossen ins Nichts: Die Briefe, die mit zunehmender Frequenz unseren Briefkasten beglückten, landeten ungelesen im Müll. Eines Tages klingelte es dann, ein Mann mittleren Alters stand von der Tür. "Ich führe für den Westdeutschen Rundfunk eine Umfrage zum Fernsehverhalten durch", lächelte er mich an. Ob er einmal hereinkommen dürfe? "Ach, Sie sind von der GEZ!" lächelte ich zurück. Seine Mundwinkel klappten nach unten.

Ich ließ ihn im Hausflur stehen, verneinte die üblichen Fragen und tappte auch nicht in die Computerfalle, die er als vermeintliches As im Ärmel hatte. Der Besitz eines Computers war erst kurz zuvor als empfangsbereites Gerät deklariert worden, da die Öffentlich-Rechtlichen jetzt auch streamten. "Ich bin ein armer Student, ich arbeite im Computerraum unserer Uni" log ich ihn an – und fühlte mich kein bisschen schlecht dabei. "Aber Sie haben ein Auto?" – "Ja!" – "Dann haben Sie sicher auch ein Autoradio!" – "Ja!" Der Triumph blitzte schon in seinen Augen auf, bis ich freundlich nachsetzte: "Aber das ist auf meinen Vater angemeldet – und der zahlt schon GEZ."  Grummelnd zog der Mann von dannen – nicht, ohne seinen eigenen Schwur zu hinterlassen: "Ich komme wieder!"

Mutig - und unvorsichtig

Ich weiß nicht, ob es derselbe Mann war, dem mein Mitbewohner einige Monate später öffnete: "Messungen" hätten ergeben, dass sich in diesem Haus noch unangemeldete Geräte befänden. Spannend, wie misst man denn so etwas? Wusste er leider auch nicht. Es folgten: Dieselben Fragen, dieselben Antworten. Nein. Nein. Nein. Aber das muss jetzt jeder Überprüfung standhalten, grollte er und legte nach: "Nicht, dass später die Tränchen fließen!" - "Nö. Und kennen Sie eigentlich § 123 Strafgesetzbuch? Genau, Hausfriedensbruch, wäre schön, wenn Sie jetzt gehen, danke!"

Es wurde zu einem Spiel - und wir immer mutiger und unvorsichtiger. "Da läuft doch ganz klar ein Radio in der Küche!" befand der -Mann einmal völlig zurecht. "Ach, wirklich? Dabei haben wir gar keins. Hören Sie etwa Stimmen?"  Eines Tages saßen wir gerade mit ein paar Freunden in der Küche und schickten einen Kumpel an die Tür. Er bejahte alles – Fernsehgerät, Computer, Radio. Besitz schon seit vier Jahren. "Das wird aber teuer", mahnte der Mann mit strenger Stimme. "Das glaube ich nicht", sagte unser Freund. "Ich wohne doch gar nicht hier." - "Aber wo wohnen Sie denn?" - "Das sage ich Ihnen doch nicht!" Als lautes Gelächter aus der Küche drang, wusste er, dass er verloren hatte.

Miese Masche der GEZ

Wir waren Arschlöcher, wir fickten das System – und es tat gut. Jedes Mal, wenn ich zweifelte, wenn ich dachte, wir wären zu weit gegangen, hörte ich eine neue Geschichte, die meinen Hass auf die GEZ neu entfachte. Wie eine Bekannte sich als Studentin von der GEZ-Gebühr hatte befreien lassen und plötzlich doch zahlen musste. Wie GEZ-Spitzel ihren Fuß in den Türspalt verunsicherter Erstsemester gestellt hatten. Wie mehrere Wohnheime der GEZ pauschal Hausverbot erteilt hatten, weil sie unwissende Auslandsstudenten ausgetrickst hatten.

Die Jahre zogen ins Land, mein Studium neigte sich dem Ende zu – und irgendwann wurdest du uns wohl leid, liebe GEZ. Deine Briefe bleiben aus, die Besuche ebenfalls. Ich zog um in eine andere Stadt, zwei Monate Zwischenmiete hier, zwei Monate Zwischenmiete da. Natürlich zahlte ich nichts.

Dann plötzlich der Paukenschlag, die Nachricht, auf die ich jahrelang gewartet hatte: Die GEZ wird abgeschafft und durch einen Pauschalbeitrag für jeden Haushalt ersetzt.

Fand ich gut. Denn es war ja dieses Spitzelsystem, das ich so schrecklich fand, nicht die Rundfunkgebühr selbst. Ja, über Höhe und Einsatz der Gelder sollte und muss man diskutieren, aber unsere Medienlandschaft komplett dem Markt zu überlassen, halte ich für keine gute Idee. Wie viele Dokus über abseitige Themen würden dann wohl noch entstehen? Wie viel Geld in längere Recherchen gesteckt werden?

Durch das Raster gefallen

Sobald eine Zahlungsforderung bei mir eingehen würde, wollte ich zahlen. Ich hatte meinen Schwur erfüllt. Das System, gegen das ich mich auflehnen wollte, existierte nicht mehr. Aber die Zahlungsaufforderung kam nie, bis heute. Ich hatte schlicht vergessen, mich rechtzeitig in meinem neuen Wohnort anzumelden, befürchtete nun Strafzahlungen und traute mich nicht mehr zum Amt. Einen offiziellen Wohnort habe ich natürlich trotzdem: Via Erstwohnsitz bin in meinem Geburtsort gemeldet, und weil meine Eltern brav ihre Rundfunkgebühren bezahlen, bin ich wohl irgendwie durch das Raster gefallen.

Und so zahle ich weiter keine Rundfunkgebühren - und hoffe, dass ich  damit weiter durchkomme. Denn so schwer, dass ich mich persönlich anschwärzen würde, wiegt mein schlechtes Gewissen dann doch nicht. Aber vielleicht schicke ich den Öffentlich-Rechtlichen mal eine Spende. Anonym natürlich.


Dieser Beitrag wurde anonym verfasst. Die Identität des Autors ist dem stern bekannt. 

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Kommentare (19)

  • Default Author
    Stern-Moderation

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  • stern-Moderation
    Vielen Dank für Ihre Beiträge - wir beenden unsere Debatten nach etwa zwei Tagen. Sie können die bis hier abgegebenen Kommentare unten nachlesen. Bei Fragen wenden Sie sich gern an sterncommunity@stern.de. (kr)
  • Annisa
    Annisa
    Ich habe mich extra für diesen Artikel registriert, der gleichzeitig meinen Abschied vom Stern bedeutet. Über Jahre war ich offensichtlich so dumm, für journalistische Arbeit jede Woche zu zahlen. Was monatlich gar nicht viel weniger als GEZ ergibt. Aber offensichtlich ist umsonst okay. Ich lerne gerne. Ja, mir gefällt nicht alles im ÖR. Mir gefällt auch nicht alles im Stern. Nur ging ich bisher davon aus, dass man für anderer Leute Arbeit auch zahlen sollte. Mensch, wie jeck ist das denn?! Da Umsonst okay ist, habe ich letzte Woche die letzte Ausgabe vom Stern, VIEW und sonstigem gekauft und nutze nur noch online, wenn überhaupt. Denn das ist ja wohl für Sie okay. Danke, dass Sie mich auf meine Naivität, für Ihre Bemühungen zu zahlen, aufmerksam gemacht haben. Das nenn ich mal selbstlos!
  • Rahnschießt!
    Rahnschießt!
    An Volker Keiner.
    Sie sind vom STERN und beleidigen Ihre Leser? Was geht hier vor?
    "Im Bundestag sind auch Parteien, die mir nicht gefallen, und ich muß sie unterstützen", schreiben Sie. Wie das? Spenden Sie? Mal 'n bißchen halblang mit Ihrem dummen Geschwätz, ja?
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Mit jeden Artikel den ich kaufe, zahle ich, über den Umweg der Werbungskosten der Unternehmen, den Programmmist den die Privatsender anbieten.
  • Patrick M. Sanchez
    Patrick M. Sanchez
    Leider liegen sie hier vollkommen falsch und richtig! Wieso?
    Entweder kaufen sie das teure Krombacher was vor, in und nach Formel 1 beworben wird oder das gute alte oettinger oder Billig Bier.

    Was fällt ihnen auf? RICHTIG! Sie dürfen frei wählen! Schonmal daran gedacht das es Menschen gibt, die sich ihre News aus Zeitungen her holen? Ich glaub nicht. commentImage0
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