Mainstream schluckt Schlager

15. Februar 2002, 00:00 Uhr

Der Musikkonzern Universal Music setzt nach seinem Koch-Einstieg in die Volks- und Schlagermusik künftig auch in diesem Bereich auf den Vertrieb über das Internet.

Franz Koch (l) und Tim Renner, Universal©

Die beginnende Internetära in der Musikbranche treibt selbst so unterschiedliche Firmen wie den auf Volksmusik und Schlager spezialisierten Musikverlag Koch International und den Musikkonzern Universal Music zusammen. Der Firmengründer von Koch International (München), Franz Koch, sieht das so: »Das Internet steht vor der Tür, und darauf können nur große Konzerne reagieren.« Das europäische Geschäft von Koch gehört künftig zum Musikkonzern Universal Music International. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Stillschweigen.

Klares Beschaffungsproblem

»Je mehr sich Online-Dienste bei den über 30-Jährigen durchsetzen, desto mehr erreicht man ein Publikum, das heutzutage ein Beschaffungsproblem hat«, so der Chef von Universal Music Deutschland, Tim Renner. Die meisten Schallplattenläden richten sich auf eine sehr junge Käuferschaft aus. »Ältere Kunden - zumal noch mit Interesse an Schlagern und Volksmusik - werden dort wenig oder gar nicht bedient.« Diese Musik gibt es eher in den großen Elektromärkten, wo es aber an Beratung mangelt. Diese Käufergruppe hat also Schwierigkeiten, ihre Produkte zu finden.

Spektrum klug erweitert

Der Konzern Universal Music, bei dem Popstars wie Elton John, Rockgruppen wie U2 und Klassikkünstler wie Anne-Sophie Mutter unter Vertrag sind, will sein Repertoire in Europa um Volks- und Schlagermusik erweitern. Mit diesem Ziel übernimmt Universal das europäische Musik- und Musikverlagsgeschäft des unabhängigen Unternehmens Koch International. Mit volkstümlichen Gruppen wie den Kastelruther Spatzen und Schlagersängern wie G.G. Anderson setzt Koch jährlich 80 bis 100 Millionen Euro um.

Expansion in Nischenmärkte

Gerade in Nischenmärkten wie der Volks- und Unterhaltungsmusik sieht Renner ein großes Expansionspotenzial im Internet. Das Web ist für die Informationsvermittlung und die Beratung über Kataloge ideal, meint Renner. Musikclubs mit Volks- und Schlagermusik sind schon jetzt sehr erfolgreich, weil die Kunden dort informiert werden und direkt bestellen können. »In einer Idealform hat der Kunde die Ware sofort und in einer nicht-physischen Form«, fügte Renner mit Blick auf das Herunterladen digitalisierter Musikstücke hinzu.

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