Droht klassischen Einkaufsläden das Aus?

10. Dezember 2012, 11:57 Uhr

Schuhe, Klamotten und Geschenke per Mausklick zu Hause ordern: Was den Kunden freut, treibt den klassischen Einzelhändlern Sorgenfalten ins Gesicht.

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Überfülltes Kaufhaus am Alexanderplatz in Berlin: Warum sich den Stress antun, wenn Shopping am Computer schneller und bequemer ist?©

Weihnachten steht vor der Tür und damit der alljährliche Einkaufsstress. Doch anstatt sich durch überfüllte Innenstädte zu kämpfen, gibt es eine Alternative: Auf Geschenkesuche durchs Online-Kaufhaus surfen. Immer mehr entscheiden sich in Deutschland für den bequemen Weg und gehen lieber zu Hause am Computer auf Shopping-Tour - und das nicht nur zu Weihnachten. Im Einzelhandel vollzieht sich durch das Internet momentan ein rasanter Wandel. In einigen Innenstädten ist das schon sichtbar: Große Buchhandlungen oder Schuhgeschäfte in attraktiven Citylagen mit teuren Mieten mussten bereits schließen. Auch für einige Textilgeschäfte könnte es eng werden.

"Allein im abgelaufenen Jahr haben zahlreiche ehemals starke Handelsunternehmen nachhaltig die Gunst der Kunden verloren", beobachtet Christian Ziegfeld von der Unternehmensberatung OC&C in Düsseldorf. Schlecker und Praktiker seien da nur die offensichtlichsten Beispiele. Auch Mediamarkt, Görtz, Esprit oder S'Oliver spürten den Marktwandel. Junge Online-Unternehmen wie Zalando, Asos oder Mirapodo stünden für Modemarken zu bezahlbaren Preisen und wildern bei den alteingesessenen Anbietern. Viele fühlten sich im Internet immer besser aufgehoben als im stationären Handel. Das hätten jüngste Studien ergeben. Bei den Online-Angeboten sei die Auswahl größer, der Service besser und der Preisvergleich transparenter.

Mit rund 27,5 Milliarden Euro Umsatz rechnet der Bundesverband des Versandhandels in diesem Jahr im E-Commerce - allein im Weihnachtsgeschäft dürften es mehr als 7 Milliarden Euro werden. Übers Jahr gesehen könnten die Onlinehändler ihren Umsatz dann um mehr als 26 Prozent im Vergleich zu 2011 steigern. Ursprünglich war die Branche lediglich von 16 Prozent Wachstum ausgegangen. Innerhalb der vergangenen vier Jahre habe sich das Umsatzvolumen damit mehr als verdoppelt.

Erfolgsrezept Cross-Channel?

Im Internet werden gerne Bücher, Unterhaltungselektronik und Computer gekauft. Aber auch Spielwaren, Freizeitartikel, Tierbedarf sowie Uhren und Schmuck verzeichnen hohe, teils zweistellig Zuwächse. Am gesamten Einzelhandel habe der sogenannte interaktive Handel zwar noch einen Anteil von knapp 9 Prozent. Aber der Trend geht weiter nach oben.

Verwerfungen im Einzelhandel prognostiziert auch Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms. Da der Gesamtumsatz im Einzelhandel auch in diesem Jahr nur leicht wachsen dürfte, geht der Boom der Online-Unternehmen zulasten der stationären Geschäfte. Das könnte weitere Marktbereinigungen und gar Firmenpleiten zur Folge haben, "wenn bestehende Anbieter nicht so schnell ihre Konzepte anpassen". Viele Einzelhandelsbetriebe hätten schon in den vergangenen Jahren ihre Kosten gesenkt. "Wenn jetzt die Umsätze weiter wegbrechen, kann das von der Kostenseite kaum noch aufgefangen werden."

Künftig dürften vor allem die Anbieter erfolgreich sein, die auf verschiedenen Vertriebskanälen (Cross-Channel) aktiv sind. "Die da mitmischen, werden überleben", schätzt auch Peter Cyganek vom Handelsinstitut EHI ein. Problem sei, dass derzeit zwar viele klassische Einzelhändler auch im Internet aktiv seien, aber lange nicht so erfolgreich wie die reinen E-commerce-Unternehmen.

Kaffee, Prosecco und soziale Kontakte

Von einer Online-Bedrohung will der Textileinzelhandel aktuell noch nicht sprechen. "Aber mittelfristig dürfte das ein Problem werden", sagt Verbandsgeschäftsführer Jürgen Dax. Derzeit entspreche der Internet-Marktanteil ungefähr dem Anteil, was über die Kataloge wie von Quelle weggebrochen sei.

Die stationären Läden hätten aber noch Vorteile gegenüber dem Angebot im Netz. Das Einkaufserlebnis stehe im Vordergrund: "Hier können die Kunden die Ware anfassen und anprobieren", betont Dax. Ähnlich wie der Buchhandel, der Alternativangeboten mehr Kunden zu locken versucht, müssten die Modegeschäfte davon wegkommen, nur Ware zu verkaufen. "Da muss die Sehnsucht nach sozialen Kontakten bedient werden - zum Beispiel durch eine Kaffee-Ecke oder ein Glas Prosecco."

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