Ferrero bekommt eins auf die Nuss

29. August 2013, 18:10 Uhr

"Deutschland wählt weiß" - bei so einem Spruch denkt man an eine rassistische Partei. Aber falsch: Es geht um Schokolade. Nach massiver Kritik hat Ferrero den Schokowahlkampf abgeblasen. Von Gernot Kramper

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Ein neuer Werbespot sollte für Ferrero Küsschen werben, denn die Traditionspraline hatte eine Auffrischung nötig. Die bekannte Reklame, in der ein paar Berufsjugendliche ihre Freunde zu einem "Küsschen" einladen, ist mit den Jahren ranzig geworden. Auf der Produktseite besteht die Innovation darin, die braunen Schokopralinen nun mit weißer Schokolade zu überziehen. Die Werbung dazu lehnt sich an die Wahlkampagne von Barack Obama aus dem Jahr 2008 an. Auf einer Art Wahlkampfveranstaltung spricht statt des US-Präsidenten eine animierte Ferrero-Schachtel. Der Slogan lautet nun nicht "Yes we can", sondern "Yes weiß can" und "Deutschland wählt weiß".

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Das Problem: Außer Politprofis hat kaum jemand die Anspielung auf eine fünf Jahre alte US-Kampagne verstanden. Der normale TV-Zuschauer sah begeisterte, strahlende Menschen, die im Wahlkampf ununterbrochen etwas mit "Weiß" forderten.

Genau genommen lautet der launige Schoko-Slogan "Weiß Nuss bleiben" - man versteht aber eher "Weiß muss bleiben" und denkt dann nicht an zarten Schokoschmelz, sondern an ein ausländerfreies Deutschland.

Zur Klarstellung: Niemand wirft Ferrero vor, tatsächlich rassistisches Gedankengut fördern zu wollen. Das wäre bei einem internationalen Süßwarenkonzern auch wenig sinnvoll. Aber vielen geht das Spiel mit den rassistischen Klischees zu weit. Nicht lustig und geschmacklos, lautet das Urteil. Jean-Alexander Ntivyihabwa von der Media-Watch-Organisation "Der Braune Mob" sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Man kann ja nicht mal von Satire sprechen, wenn eine weiße Firma einen Spot inszeniert, in dem fast ausschließlich weiße Menschen weiße Schokolade mit dem Spruch 'Weiß Nuss bleiben' bejubeln."

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Wenigstens reagierte Ferrero auf die Kritik, der Spot wurde zur Überarbeitung zurückgezogen. Gegenüber dem Branchendienst "Horizont.net" sagte eine Ferrero-Sprecherin: "Ferrero nimmt die kritischen Stimmen ernst und hat sich daher für eine Überarbeitung der Werbung entschieden, um weiteren Missverständnissen vorzubeugen." Das Unternehmen bedauere es, "wenn es bei dieser Werbung zu Missverständnissen gekommen sei und die Produktbotschaft anders aufgefasst wurde".

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Bleibt die Frage: Wie naiv können Lebensmittelmanager sein? Dass die Farbe "Weiß" eine politische Bedeutung hat, dürfte seit dem Ku-Klux-Klan jedem klar sein. Eine unterschwellige Bedeutung, die durch die Komparsen noch verstärkt wurde.

Doch wenigstens hat Ferrero die Schoko weiß gefärbt. Noch schlimmer wäre ein Spot mit dem Slogan gewesen: ""Deutschland wählt braun." Dann hätte auch ein Ferrero-Manager gemerkt: Das ist ganz eindeutig schlechter Geschmack.

Der Spot bei Youtube

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