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the nu company versus Bahlsen Grünes Startup macht Stunk gegen die Lebensmittelindustrie – und bekommt ein überraschendes Angebot

Reinheitsgebot für Schokkoriegel gefordert
Schokoriegel sollen nachhaltiger werden. Ist ein Reinheitsgebot der Weg?
© ag_cz / Getty Images
Ein grünes Startup stichelt gegen die Branchenriesen der Food-Industrie, provoziert mit toughen Aussagen und großen Forderungen. Ein Konzern hat nun reagiert – aber ganz anders als erwartet.

Ein junges Unternehmen macht Stunk. Stunk gegen die großen Player der Branche. Es geht um keine Kleinigkeit: ein Umdenken in der Lebensmittelindustrie. Das Startup hat sich nichts Geringeres auf die Fahnen geschrieben, als die Welt zu verbessern. Im vergangenen Jahr hat das grüne Food Startup the nu company daher einen offenen Brief veröffentlicht, Großstädte damit plakatiert und Konzerne wie Nestlé, Ferrero und Storck der Lebensmittelindustrie an den Pranger gestellt. Dabei ging es um Zuckerkonsum, um Plastikverschmutzung, um Klimabilanz und fairen Handel. Jetzt geht der Eklat in die zweite Runde – mit einer überraschenden Wendung.

Es war hartes Geschütz mit dem die Leipziger the nu company 2020 aufwartete. Öffentlich klagten sie die Konzerne an, wirtschaftliche Interessen über das Wohl von Menschen und Planeten zu stellen. Von Lobbyismus und Profitgier war die Rede. In dem offenen Brief, gerichtet an Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, und die Großkonzerne fragten die Unternehmer: "Glaubt ihr eigentlich noch, dass ihr Teil der Lösung seid?"

Reinheitsgebot für Schokoriegel

Nun meldet sich der nachhaltige Schokoriegelhersteller neuerlich zu Wort, wieder laut, wieder mit einer dicken, breitangelegten Kampagne. Denn getan habe sich seither nichts. Daher wolle man nun einen neuen Weg gehen, es mit Dialog versuchen. Im Raum steht eine Einladung zur Diskussion – und eine Forderung. Denn das Unternehmen will ein Reinheitsgebot für Schokoriegel. 

Bis 2030 sollen sechs Regeln, die nu Rules, umgesetzt werden: durchschnittliche Reduzierung des Zuckergehaltes um 30 Prozent, Einweg-Plastikverpackungen sollen komplett durch nachhaltige Lösungen ersetzt werden, tierische Zutaten sollen um die Hälfte reduziert und mit pflanzlichen Alternativen ersetzt werden, Kinderarbeit bei Kakaolieferanten abgeschafft werden, Klimaneutralität oder -positivität erreicht werden und die Zutatenliste komplett transparent gemacht werden.

Bahlsen zieht mit

Während sich andere Konzerne auffällig unauffällig verhalten, wagt sich ein Konzern nun aus der Deckung: Bahlsen. Das Familienunternehmen ist Deutschlands erfolgreichster Gebäckhersteller, zum Sortiment gehört unter anderem Leibniz Butterkeks oder Keksriegel Pick up!. "Wir finden euch großartig, und würden total gerne mit euch an einer besseren Lebensmittelindustrie arbeiten", heißt es in einem Post, den Verena Bahlsen heute auf Linkedin veröffentlichte. Und: Das entsprechende Angebot liefert sie gleich mit.

"Habt Ihr Lust mit uns ein Produkt zu machen? Vielleicht können wir gemeinsam mehr erreichen", schreibt sie. Gern wolle man sich zusammensetzen und erarbeiten, wie die Forderungen für nu Rules in einem gemeinsamen Produkt in die Tat umgesetzt werden können. Statt lang und breit zu diskutieren, sollen Fakten geschaffen werden. Die Einladung sei verschickt. Nun ist die the nu company am Zuge.

tpo

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