Bis zum 30. November können Autobesitzer ihre Kfz-Versicherung wechseln - die Anbieter unterbieten sich schon seit Wochen. Was gern verschwiegen wird: Für Billigtarife gibt's meist auch weniger Leistung. Von Karin Spitra

Im Preiskampf der Versicherungen könnte der Kunde auf der Strecke bleiben© Martin Meissner/AP
Wer eine Kfz-Versicherung hat, erwartet von ihr eigentlich etwas ganz simples: Wenn's knallt, soll die Versicherung einspringen - und die Beiträge sollten bitte auch recht günstig sein. An diese Sparsamkeit appellieren derzeit die Anbieter, einige haben in den vergangenen Wochen ihre Tarife gesenkt. Denn zum 30. November können die Versicherten wechseln.
Noch sind Versicherungen billig
Über hundert Anbieter machen sich derzeit Konkurrenz, selten konnten Kunden bei einem Wechsel so viel sparen. Der Gedanke, ein der für viele verockend ist - schließlich wird das Benzin nicht billiger und die Erhöhung der Versicherungs- und Mehrwertsteuer wird die Brieftasche im kommenden Jahr zusätzlich belasten.
Doch nur auf den billigsten Versicherungstarif zu schauen, könnte im Schadenfall zu Problemen führen: Denn es zählt nicht nur der Preis, sondern auch, was man dafür bekommt. Schließlich wirtschaften Versicherungen auch nicht anders, als andere Branchen: Die angebotenen Billigpreise werden mit Leistungskürzungen erkauft. Und diese werden gerne im unübersichtlichen "Kleingedruckten" versteckt.
Zu wenig Beratung
"Die Versicherungslandschaft ist vielfältig, der Abschluss einer Police ist nicht so simpel, wie ein Einkauf im Supermarkt," warnt Sven Janssen, Pressesprecher des Automobilclub von Deutschland (AvD). Er bedauert, dass bei der momentanen Preissschlacht die Beratung in den Hintergrund gedrängt wird, obwohl seiner Meinung nach vor einem Abschluss viel geklärt werden muss. "Erst muss ich überlegen, was für mich gilt: fahre ich nur 5000 km im Jahr? Sitzt auch der Partner am Steuer, fahren auch junge Leute mit dem Wagen, und vieles andere mehr. Erst wenn ich dies alles weiß, dann erst kann ich mich daran machen, die Angebote zu vergleichen," so Janssen.
Das bestätigt auch Karl-Heinz Reimer, Vorstand des unabhängigen Versicherungsanalysten Fss-Online: "Der Verbraucher muss schon auch wissen, was mit seiner Versicherung alles abgedeckt ist - und was nicht." Eine zu geringe Deckungssumme oder der Ausschluss von Versicherungsleistungen bei grober Fahrlässigkeit können zum Beispiel zu großen Problemen führen, wenn's wirklich kracht. "Auch kleine Entscheidungen haben große Folgen," erklärt Reimer. "Es macht sehr wohl einen Unterscheid, ob man nur gegen Marderbiss, oder auch gegen dessen Folgeschäden versichert ist."
Ziel ist die "maßgeschneiderte" Police "Dann ist es auch nicht schlimm, wenn man für seine Versicherung 20, 30 oder 40 Euro mehr zahlt, als die billigste Variante," findet Janssen, "denn dafür hat man dann eine auf die eigenen Bedürfnisse maßgeschneiderte Versicherung, und das soll ja das eigentliche Ziel sein." Wer also nicht nur eine günstige Versicherung sucht, sondern für sein Geld auch eine entsprechende Leistung erwartet, sollte die Angebote auch nach bestimmten Mindestanforderungen durchsuchen. stern.de hat dafür mit den Versicherungsexperten von AvD und Fss-Online eine Checkliste zusammengestellt.