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Neuwagen-Vermittler: Autokauf per Schnäppchenjäger

Die besten Rabatte für Autos bekommt der, der sich im Markt am besten auskennt und der geschickt verhandeln kann. Diejenigen, denen das Feilschen nicht im Blut liegt, können sich einen professionellen Pfennigfuchser als Makler zulegen.

Von Susanne Kilimann

Das Internet wird zum Autoverkaufsplatz Nummer eins. Portale wie "autoscout24" oder "mobile.de" boomen seit Jahren, vor allem auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Ein neuer Service expandiert im Netz besonders stark: die so genannten "Neuwagenvermittler". Sie haben weder Showroom noch Werkstatt, und mit den Unterschieden der einzelnen Modelle kennen sie sich höchstens aus Zufall aus. Ihr einziger Daseinsgrund besteht darin, den neuen Wagen billiger heranzuschaffen, als ihn der lokale Händler anbietet. Der Schnäppchenjäger erledigt die leidige Recherche und das unangenehme Runterhandeln, der Kunde muss nur noch den Vertrag unterschreiben und kann dennoch stattliche Rabatte einstreichen.

"Während der klassische Autohandel schwere Zeiten durchlebt, fahren wir auf Wachstumskurs", sagt Internetunternehmer Alexander Bugge, der seinen Neuwagen-Vermittlungsservice www.meinauto.de vor drei Jahren an den Start gebracht hat. Etwa 10.000 bis 15.000 Kunden pro Jahr finden ihr neues Fahrzeug mithilfe von Bugges Firma, die inzwischen deutschlandweit zu den größten der jungen Branche gehört.

Das Prinzip der Vermittler ist immer gleich. Kunden, die die Webseiten der Neuwagenvermittler besuchen, werden dort aufgefordert, zunächst einmal ihr Wunschauto zu konfigurieren. Sind Modell, Motorisierung und Ausstattungsdetails gewählt, erscheint umgehend eine Liste mit den besten Angeboten aus auf dem Bildschirm. Wenn eine Offerte gefällt, kann der Interessent telefonisch Kontakt mit dem Vermittler aufnehmen. Ein Verkaufsberater am anderen Ende der Leitung soll eventuelle Fragen rund ums Fahrzeug klären und bei Bedarf Leasing- oder Finanzierungsmodalitäten mit dem Autokäufer in spe besprechen.

Schritt für Schritt zum Neuwagen

Für den Kunden ist der Service kostenlos. Bleibt er bei der Stange, schickt ihm der Vermittler einen Vermittlungsvertrag, der unterschrieben an den Absender zurückgesendet werden muss. Erst dann kommt der eigentliche Autoverkäufer ins Spiel. Er schickt dem Kaufinteressenten den Kaufvertrag und erst wenn dieser unterschrieben im Briefkasten steckt, wird die Sache ernst. Dann ist das Fahrzeug bestellt und kann in der Regel ein paar Wochen später direkt beim Händler oder in andern Fällen ab Werk in Empfang genommen werden. Da der Händler durchaus in Niederbayern oder an der dänischen Grenze sitzen kann, während der Kunde zum Beispiel in Frankfurt/Oder oder Wanne-Eickel zu Hause ist, bieten die Vermittler auch einen Lieferservice an.

Obwohl der Vermittler an dem Geschäft verdient, lohnt sich das Modell. In den meisten Fällen sparen Kunden, die per Online-Schnäppchenjagd zum neuen Fahrzeug kommen, 15 bis 20 Prozent im Vergleich zum Hersteller-Listenpreis. "Das sind Größenordnungen, die man durchaus selbst durch geschicktes Verhandeln im Autohaus erzielen kann", sagt Albrecht Trautzburg vom Automobilclub von Deutschland (AvD). "Aber Verhandlungsgeschick ist nun einmal nicht jedermanns Sache. Da können solche Vermittlungsdienste für den Kunden durchaus hilfreich sein." Dabei muss man die Vermittlerrabatte grundsätzlich anders bewerten, als die Rabatt-Aktionen in Prospekten. Wenn geworben wird, bezieht sich der ausgegebene Rabatt stets auf das günstigste Angebot – zum Beispiel das Basismodell einer Baureihe. Ohnehin werden die höchsten Rabatte für Wagen ausgeworfen, die sich zu regulären Preisen nur schwer verkaufen lassen. Beim Vermittler hat dagegen der Käufer die freie Wahl, hier werden in aller Regel die Autos verkauft, die auch sonst die Verkaufsliste anführen. Ohnehin beziehen sich die 15 bis 20 Prozent auf einen tatsächlichen Verkaufspreis. Bei Rabattaktionen hingegen werden gern großzügig "Preisvorteile" für verbilligte Extrapakete mit in den Rabatt hineingerechnet.

Richtig ist aber auch, dass sich bei freier Wahl und Wunschkonfiguration nicht immer die höchsten Nachlässe erzielen lassen. Wer beim Vermittler ausgerechnet ein fast ausverkauftes Sportmodell ordern will, wird kaum einen Nachlass bekommen. Eine gewisse Flexibilität in der Wahl von Modell und Ausstattung dagegen wird den Rabatt optimieren.

Rechtlich keine Nachteile

Rein rechtlich haben die Neuwagen-Schnäppchenjäger, die das Objekt ihrer Begierde über den Neuwagenvermittler finden, keine Nachteile zu erwarten, betont der AvD-Mann. "Es handelt sich ja um den gleichen Kaufvertrag, den man auch beim Vertragsabschluss im Autohaus unterzeichnen würde. In punkto Garantie, Reparaturen und Inspektionen gelten exakt die gleichen Bedingungen." Anders als bei Importen muss sich der Kunde keine Gedanken um Vertragsbedingungen und Ausstattung machen. Ein Import-Fahrzeug muss beim Wiederverkauf zudem als solches gekennzeichnet werden und erzielt dann einen geringeren Preis. Der Auftrag an den Vermittler bleibt dagegen unerwähnt.

Lukrativ ist die Schnäppchenjagd mittels Internet nicht nur für den Kunden. Auch für die Vermittler springt etwas raus. "An jedem Auto verdienen wir im Schnitt zwar deutlich weniger als 1000 Euro", sagt Neuwagenvermittler Bugge. "Aber wir leben ja vom Volumen. Die Menge macht’s " Weit über 100 große Händlergruppen in ganz Deutschland haben sich dem von Bugge mitgegründetem Neuwagenvermittlungs-Service bereits angeschlossen und geben ihre Tiefstpreisangebote in die Datenbank der Internet-Profis ein. "In der Anfangszeit mussten wir auf die Autohändler zugehen und sie von unserem Geschäftsmodell überzeugen", so Bugge. "Inzwischen ist es umgekehrt."

Mit dem Vorwurf, Neuwagenvermittler würden den Druck auf den Autohandel in ohnehin schwierigen Zeiten weiter erhöhen und damit Händlerexistenzen noch weiter gefährden als es die der harte Wettbewerb ohnehin schon tut, wird der junge Unternehmer immer wieder konfrontiert. Gelten lassen will Bugge den Vorwurf nicht. "Das Internet mit all seinen Möglichkeiten hat ganz einfach zu einer höheren Preissensibilität beim Verbraucher geführt. Dass Kunden Preise heute intensiver vergleichen als noch vor zehn oder 15 Jahren, das haben wir ja nicht erfunden. Wir bedienen nur einen Trend, der sich in allen Konsumbereichen durchgesetzt hat."

Der Rabatthunger nimmt zu

Seien Neuwagenkäufer vor ein paar Jahren noch mit Rabatten von elf oder zwölf Prozent zufrieden gewesen, müsste der Preisnachlass heute deutlich größer sein, damit der Kunde glücklich ist, sagt Bugge. "Auf unseren Seiten werden Autos gelegentlich sogar 30 oder 40 Prozent unter dem Listenpreis angeboten. Und selbst bei diesen Rabattgrößenordnungen verdient der Händler ja immer noch." Ohnehin biete das Geschäftsmodell der Neuwagenvermittlung auch den angeschlossenen Händlern Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind, ist der Kölner Internetprofi überzeugt. "Autohäuser können ihren Aktionsradius mit unserer Hilfe beträchtlich steigern und so ihre Verkaufszahlen in die Höhe treiben. Und mit höheren Absatzzahlen sicheren sie sich ihrerseits bessere Hersteller-Rabatte." Außerdem nehmen die Vermittler den Autohäusern einen Teil der Beratungsarbeit ab, meint Bugge. "Denn Geschäfte, die über uns ins Rollen kommen, wickelt der Händler ja mit minimalem Zeitaufwand ab."

Wer das Nachsehen hat, ist der Autohändler vor Ort. Von dem haben sich Kunden in aller Regel schon intensiv über Fahrzeug und Ausstattungsvarianten beraten lassen, bevor sie sich gut informiert auf den Internetseiten der Vermittler ans Konfigurieren macht. Und auch die Probefahrt wurde dort gemacht, wo hinterher nicht unbedingt Geld und Ware den Besitzer wechseln.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.