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Autorabatte: Jetzt wird der Golf verramscht

In Deutschland gilt der Golf als Institution. Kein Konkurrent konnte ihm im Heimatmarkt etwas anhaben. Trotzdem gibt es die Auto-Ikone zum Billigpreis: 20 Prozent Rabatt sind beim Klassenprimus drin. Die Folge: Die anderen Hersteller müssen den Golf beim Rabatt noch überbieten.

Von Gernot Kramper

20 Prozent Rabatt gibt es beim Golf VI

20 Prozent Rabatt gibt es beim Golf VI

Die deutsche Autoindustrie sonnt sich im Glanz eines unerhörten Aufschwungs. Die Exporte boomen und selbst die Luxusklasse, der schon das baldige Ende prophezeit wurde, verkauft sich sehr gut. Zumindest weltweit, in Deutschland ist der Aufschwung bislang nicht bei den Autokäufern angekommen. Der Absatz von Nutzfahrzeugen und Dienstwagen hat sich gefangen, aber wer Autos an Privatkunden verkauft will, muss mit massiven Rabatten werben.

Die aktuelle Preisstudie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen zeigt, dass eine neue Rabattrunde im deutschen Automarkt begonnen hat. Alarmierend ist dabei, dass der Preisrutsch vom VW Golf VI losgetreten wurde. Der Klassenprimus wird bei Internetvermittlern derzeit mit bis zu 20 Prozent Rabatt angeboten. Bislang hält Volkswagen sich mit "offiziellen" Rabattaktionen zurück, um die Restwerte gebrauchter Volkswagen stabil zu halten. Die Internetvermittler offenbaren die versteckten Spielräume der Händler. Bei ihnen gibt es die massiven Rabatte nicht nur für einige ausgesuchte Ausstattungen, sondern für alle Golf-Varianten. 20 Prozent sind ein Spitzenwert, im Durschnitt sind es 18 Prozent. Bei einem willkürlich konfigurierten Spitzenmodell (Golf Highline, 2.0 TDI, 103 kW 6-Gang-DSG, weitere Extras) ließen sich auf Anhieb 15 Prozent erzielen. Bei diesem Beispiel waren es über 6000 Euro Ersparnis. Fahrer einer Fremdmarke, die von der VW-Eroberungsprämie profitieren, hätten über 17 Prozent Nachlass erhalten.

Im deutschen Automarkt ist der Golf so stark, dass sein Preisverfall alle Wagen der Kompaktklasse massiv unter Druck setzt. Selbst Premiummarken können sich dem Abwärtssog nicht entgegenstellen. Bei Audi darf man sich auf 15 Prozent Nachlass beim Vermittler freuen. Bei BMW ist der Preisverfall noch massiver: Bei der 1er- und 3er-Reihe gibt es fast 20 Prozent. Ebenso viel kann ein Käufer beim noblen BMW 5er GT erwarten. Diese Angebote findet man bei Internetvermittlern" wie www.price-optimizer.de, www.autohaus24.de, www.netcar.de oder www.meinauto.de. Wer auf Probefahrt und Beratung verzichtet, kann sich online ein Angebot für seinen Wunschwagen zusammenstellen.

Listenpreise nur noch Makulatur

Auf für Käufer mit kleinem Budget gibt es beim niedergelassenen Handel echte Schnäppchen. Der Golf-Konkurrent Peugeot 308 überbietet das Golf-Rabattniveau mit 29,8 Prozent Nachlass. Den futuristischen Kompakten Honda Civic gibt es 27,2 Prozent billiger als in der Liste. Um junge Familien mit großem Platzbedarf werben Citroën Berlingo mit 25,1 Prozent Rabatt und der Peugeot Partner mit 30,7 Prozent. Wenn es nicht so groß sein soll, sollten Interessenten den grundsoliden Toyota Yaris ansehen. Im "Herbstdeal" bei Inzahlungnahme eines Gebrauchtwagens gewährt Toyota einen Rabatt von fast 25 Prozent. Mit spitzem Bleistift wurde auch das Angebot für den Micra gerechnet. Beim Rabatt-Spitzenreiter gibt es 32,1 Prozent. In der stern.de-Datenbank finden Sie die Konditionen von allen Rabattaktionen.

Statt komplizierter Service- und Versicherungspakete setzen die Hersteller auf leicht verständliche direkte Rabatte und Extra-Prämien für in Zahlung gegebene Gebrauchtwagen. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer warnt vor den langfristigen Auswirkungen der direkten Rabatte. "Bei direkten Rabatten hat der Kunde ein Elefantengedächtnis", sagt Dudenhöffer. Die Nachlässe prägten das Bewusstsein der Käufer nachhaltig und erschwerten die Rückkehr zu den alten Konditionen. Normal war das Preisniveau in Deutschland allerdings noch nie. Deutschland gehört zu den Ländern mit besonders hohen Autopreisen. Inzwischen lassen sich diese Deutschland-Aufschläge nicht mehr beim Kunden durchsetzen.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.