Forscher finden Brunnen aus Jungsteinzeit

19. Dezember 2012, 23:20 Uhr

Sie waren wohl die ersten Zimmerleute Europas – und sie waren gut. Der Fund von vier Holzbrunnen bei Leipzig zeigt: Vor 7000 Jahren waren die Menschen vermutlich geschickter als bislang angenommen.

Jungsteinzeit, Brunnen, Archäologie, 7000 Jahre, Leipzig

Zerbrochene Tongefäße, Scherben und Geröll: Auf dem Grund der 7000 Jahre alten Holzbrunnen entdeckten die Forscher Relikte aus der Jungsteinzeit.©

Sie fällten Eichen, spalteten die Stämme und fügten die Bretter zu aufwendigen Schächten zusammen: Frühe Siedler aus der Jungsteinzeit haben Brunnen gebaut, um sich mit Wasser zu versorgen. Mehr als 7000 Jahre schlummerten vier dieser Holzstollen im Erdreich bei Leipzig, ehe Wissenschaftler sie entdeckten. Das Team um den Archäologen Willy Tegel von der Universität Freiburg stellt den Fund im Journal "Plos One" vor. Die Brunnen könnten zeigen, dass der Lebensstandard damals insgesamt höher war als bislang gedacht.

Nach Angaben der Forscher gehören die Brunnen zu den ältesten erhaltenen Holzbauwerken weltweit. Sie legten die vier Schächte in den vergangenen Jahren im Großraum Leipzig frei. Bis zu sieben Meter tief waren die mit Holz ausgekleideten Stollen, berichtet Tegel. Um diese Tiefe zu erreichen, verwendeten die Steinzeitmenschen eine ausgefeilte Bauart: Sie fügten die Bretter mit Eckverbindungen zu kastenförmigen Schächten zusammen. "Diese Technik war eine große Überraschung."

Fund erweist sich als Glücksfall

Dass die Kultur in Mitteleuropa vor gut 7000 Jahren blühte, wussten die Archäologen bereits. Ehemalige Jäger und Sammler ließen sich nieder, Verbände gründeten sich und Dörfer entstanden. Doch von den Holzhäusern jener Zeit ist nur selten etwas erhalten geblieben. Deshalb konnten die Forscher bislang nur mutmaßen, wie das Leben damals ausgesehen haben könnte.

Umso wichtiger sei der Fund der vier Holzbrunnen, betont Archäologe Tegel. Die Stollen erweisen sich als wahrer Glücksfall: Weil die Holzbretter unterhalb des Wasserspiegels und abgeschlossen von Sauerstoff lagen, haben sie die Zeit unter der Erde gut überstanden. Anhand der Jahresringe bestimmten die Forscher auf das Jahr genau, wann die Bäume gefällt wurden: zwischen 5206 und 5098 vor Christus.

Verräterisches Ringmuster

Die Forscher machten sich dabei eine Besonderheit der Bäume zunutze: Je nach Wetterlage wachsen sie jedes Jahr anders. In feuchten, warmen Zeiten lagern sie eine dickere Zellschicht an ihrem Stamm an - in trockenen und kalten Jahren dagegen eine dünne. So entwickeln Bäume aus der gleichen Region alle ein identisches Jahresringmuster, das die Infos für einen Jahresringkalender liefert. Er reicht Jahrtausende zurück. Der Vergleich des Brunnenholzes mit diesem Kalender half den Archäologen bei der Datierung der Schächte.

Nach dem Fund der Brunnen müsse das Bild unserer Vorfahren nun überdacht werden, betont Tegel und fügt hinzu: "In sämtlichen Rekonstruktionen könnten Gebäude aus dieser Zeit und die Infrastruktur unterschätzt worden sein."

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