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Archäologie 7000 Jahre altes Massengrab in der Slowakei entdeckt – alle Skelette waren kopflos

Das entdeckte Massengrab in Vráble-Ve'lke Lehemby
Das entdeckte Massengrab in Vráble-Ve'lke Lehemby
© Universität Kiel
Was passierte hier? Wissenschaftler:innen der Universitäten von Kiel und Nitra (Slowakei) untersuchen ein ungewöhnliches Massengrab in einer Siedlung aus der Jungsteinzeit.

Wie lebten – und starben – die Menschen vor 7000 Jahren? Das erforschen derzeit Wissenschaftler:innen der Uni Kiel und der slowakischen Akademie der Wissenschaften an einem besonderen Ort. In der Nähe von Vráble, im Südwesten der Slowakei, liegt ein bedeutender vorgeschichtlicher Fundort: Bewohnt war das Areal von etwa 5250 bis 4950 v.Chr. Hier standen einst drei Dörfer dicht beieinander, eines davon sorgfältig mit Palisaden und einem Graben eingegerenzt, mit insgesamt 330 Häusern. Das bedeutet für diese Periode der Jungsteinzeit eine erstaunlich hohe Bevölkerungsdichte.

Vráble-Ve'lke Lehemby war also damals vermutlich ein wichtiger Ort für die Menschen der Region. Warum sie sich diese Gegend in Zentraleuropa aussuchten und wie sie hier lebten, wird schon seit längerer Zeit von den Forscher:innen aus Kiel und Nitra untersucht. Recht überraschend wurden sie aber nun vielmehr damit konfrontiert, wie die einstigen Bewohner gestorben sind. Denn bei der Untersuchung eines Grabens stießen die Archäolog:innen auf ein Massengrab.

Skelette ohne Kopf in Massengrab gefunden

38 Skelette wurden gefunden. Und alle von ihnen – außer einem sehr jungen Baby – waren ohne Kopf. "Es könnte sich aufdrängen, hier an ein Massaker mit Menschenopfern zu denken", sagt Dr. Maria Wunderlich von der Uni Kiel. "Vielleicht gar in Verbindung mit magischen oder religiösen Vorstellungen. Kriegerische Auseinandersetzungen könnten auch infrage kommen, beispielsweise Konflikte zwischen Dorfgemeinschaften, oder sogar innerhalb dieser großen Siedlung. Wurden diese Leute Opfer von Kopfjägern?" Doch die Forscher:innen wollen sich nicht mit der erstbesten Erklärung zufriedengeben und ziehen auch andere Möglichkeiten in Betracht: "Es gibt viele Möglichkeiten und es ist wichtig, offen für neue Erkenntnisse und Ideen zu bleiben." 

So sahen die drei Dörfer von Vráble-Ve'lke Lehemby einst aus
So sahen die drei Dörfer von Vráble-Ve'lke Lehemby einst aus
© Karin Winter / Universität Kiel

Denn einige Hinweise deuten darauf hin, dass es sich womöglich nicht um ein großes Massaker handelte: Die Begrabenen scheinen nämlich nicht alle gleichzeitig verstorben zu sein. "Es ist möglich, dass bereits skelettierte Körper in die Mitte der Grube geschoben wurden, um Platz für neue Tote zu machen", sagt die Anthropologin Dr. Katharina Fuchs. So wäre es möglich, dass das Massengrab eben einfach der Ort war, an dem die Bevölkerung ihre Toten bestattete. Dafür spräche auch, dass die Köpfe offenbar sehr behutsam abgetrennt wurden: "Bei mehreren Skeletten wurde der erste Nackenwirbel erhalten, was auf eine vorsichtige Entfernung des Kopfes hindeutet, nicht auf eine brutale, achtlose Enthauptung." Somit stelle sich die Frage: "Haben die Dorfbewohner einen speziellen Totenkult praktiziert, der nichts mit Gewalt zu tun hatte?"

Gemetzel oder eigentümlicher Totenkult?

Auch, wenn es uns heute schaurig vorkommt: Noch heute sind für manche Stämme die Köpfe ihrer Ahnen etwas, dass sie bei sich behalten und verehren. Auch bei den Kelten waren Köpfe – allerdings zumeist eher die ihrer getöteten Feinde – etwas Bedeutendes, das mitgenommen und sogar manchmal vergoldet wurde. Es ist also durchaus möglich, dass das Entfernen der Köpfe der Toten kein Akt der Herabwürdigung war, sondern ganz im Gegenteil die Art und Weise, wie die Menschen aus Vráble-Ve'lke Lehemby ihren Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen.

Um diesem Mysterium aber auf die Spur zu kommen, werden die Wissenschaftler:innen aus Kiel und Nitra nun weitere Untersuchungen anstellen. So wollen sie etwa per DNA-Analyse feststellen, ob die Toten miteinander verwandt waren, und mit anderen Methoden, ob sie alle aus derselben Region stammten, was sie aßen, ob ihre Knochen Spuren von Gewalt aufweisen – und wann sie starben. All das wird womöglich in den nächsten Monaten bekanntwerden.

Quelle:   Universität Kiel

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