20. September 2012, 06:01 Uhr

Forscher entdecken uralte Zahnfüllung aus Bienenwachs

Wem der Karies am Zahn nagt, der bekommt eine Füllung. Auch die jungsteinzeitlichen Menschen wollten sich offenbar so vor Schmerzen schützen - und nutzten Bienenwachs.

uralte Zahnfüllung, Bienenwachs Zahnfüllung, Fossile Zahnfüllung

In der Jungsteinzeit nutzten die Menschen Bienenwachs als Füllmaterial. Die gelben Linien umrahmen die Füllung des Zahns.©

Wer heutzutage mit einem Loch im Zahn zum Zahnarzt geht, der bekommt eine Füllung. Meist aus Kunststoff, Amalgam oder Gold. Auch in der Jungsteinzeit vor rund 6500 Jahren bekamen Menschen Zahnfüllungen - vermutlich um Schmerzen zu lindern. Das zeigt ein Kieferknochen inklusive einem Zahn mit Bienenwachsfüllung, den Forscher in Slowenien gefunden haben.

"Diese Entdeckung ist vielleicht das älteste Beweisstück für vorgeschichtliche Zahnmedizin in Europa und das früheste bekannte Beispiel für eine therapeutisch-schmerzlindernde Zahnfüllung", sagte Teamleiter Federico Bernardini vom Internationalen Zentrum für Theoretische Physik in Triest. Er präsentiert den Fund in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Plos One".

Das Bienenwachs könne kurz vor oder kurz nach dem Tod des Menschen in den Zahn eingearbeitet worden sein, schreiben die Wissenschaftler. Wann genau, wissen sie aber nicht. Sollte der zahnmedizinische Eingriff erfolgt sein, bevor der Patient starb, habe die Füllung wohl einen ganz einfachen Zweck gehabt: Schmerzen lindern und einen empfindlichen Riss im Zahnschmelz schützen.

Erste Zahnbohrungen wurden bereits vor 9000 Jahren gemacht

Das Team untersuchte das Fundstück mit verschiedenen analytischen Methoden wie der Mikro-Computertomographie oder der Infrarotspektroskopie. Angesichts der wenigen derartigen Nachweise könne die Füllung helfen, eine bessere Vorstellung von urgeschichtlicher Zahnmedizin zu bekommen, heißt es in einer Mitteilung des Journals.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass bereits vor 9000 Jahren Zahnärzte im heutigen Pakistan den Bohrer ansetzten. Im Gräberfeld von Mehrgarh in Belutschistan hatte ein internationales Team um Roberto Macchiarelli von der französischen Universität Poitiers Backenzähne mit eindeutigen Bohrlöchern gefunden. Sie wurden 2006 im britischen Magazin "Nature" (Bd. 440, S. 755) vorgestellt. Zahnfüllungen waren nach der langen Zeit nicht nachweisbar, wurden aber nicht ausgeschlossen.

as/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Karies Sauer macht löchrig

Karies entsteht oft durch mangelnde Mundhygiene, zu viel Süßes und Bakterien. Das zerstört die Zähne, schlimmstenfalls bis ins Mark. Wer sein Gebiss regelmäßig und gründlich pflegt, kann seine Zähne vor schwarzen Löchern bewahren.

Implantate Zahnersatz mit Schraubverschluss

Implantate sind künstliche Zähne, die im Kiefer verschraubt werden. Sie fühlen sich an wie die echten und können ein Leben lang halten. Doch die High-Tech-Beißer kosten im Schnitt 2000 Euro und sind nicht für jeden geeignet.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?