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Interview

"Tatort"-Kommissar : #allesdichtmachen: Hans-Jochen Wagner warnt vor "öffentlichen Hinrichtungen"

Der Schauspieler Hans-Jochen Wagner wurde 1968 in Tübingen geboren. Zu seinen bekanntesten Rollen zählt der Kommissar Hendrik Verhoeven in der Krimireihe "Kommissarin Heller". Seit 2017 ist er an der Seite von Eva Löbau im Schwarzwald-"Tatort" zu sehen.
Foto: Nicole Kubelka/Geisler-Fotopress/ / Picture Alliance
Von: Carsten Heidböhmer
Er gehörte zu den ersten Schauspielern, die öffentlich der von Kollegen initiierten Aktion #allesdichtmachen widersprochen haben. Mittlerweile ruft Hans-Jochen Wagner zur Mäßigung auf - und warnt vor moralischen Eiferern, die Berufsverbote fordern. 

Herr Wagner, haben Sie im Vorfeld mitbekommen, dass sich Schauspieler unter dem Hashtag #allesdichtmachen zu einer Aktion zusammenschließen, in der sie die -Maßnahmen kommentieren?

Nein, ich habe nichts gewusst und wurde auch nicht gefragt. Ich habe davon erst gestern durch einen Kollegen erfahren.

Was war Ihre erste Reaktion?

Ich habe es erstmal nicht verstanden, weil Kollegen dabei sind, die ich für intelligent und integer halte. Jemand wie Volker Bruch, der sich für Geflüchtete eingesetzt hat. Darum war ich sehr überrascht und auch verstört, weil sich mir nicht erschlossen hat, an wen sie sich wenden und gegen was.

Haben Sie schon mit an der Aktion Beteiligten sprechen können?

Ja, ich habe mit mehreren Kollegen geredet. Die sind zum Teil am Boden zerstört, weil sie einen unglaublichen Shitstorm über sich ergehen lassen müssen. Ich kann nicht für alle sprechen, aber bei einigen sind das gar nicht ihre eigenen Texte – die hat der Regisseur Dietrich Brüggemann geschrieben. Und der hat das auch inszeniert. Jetzt verstehe ich stückweise, wie das zustande gekommen ist: Die sind unglücklich in eine Situation reingeraten.

Das heißt, die Videos waren nicht spontan und selbst ausgedacht, sondern inszeniert?

Ich weiß von einigen, dass ihnen Skripte zugeschickt wurden. An der aufwendigen Art, wie die Videos gemacht wurden, sehe ich, dass sie nicht spontan entstanden sind. Sie wurden eingeübt. Es ist ein Problem, dass man nicht erkennen kann: Sind das die eigenen Worte oder spielt jemand eine Rolle?
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Sie haben – ähnlich wie Ihre Kollegen Elyas M’Barek und Sandra Hüller – auf Instagram Stellung bezogen und sofort vehement widersprochen. Was waren Ihre Beweggründe?

Meine Fassungslosigkeit. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es sich bei den Videos um eine spontane Äußerung von Frustration handelt - was ich hätte verstehen können. Sondern eine wohlinszenierte, mühsam erarbeitete Form, die aber vollkommen unverständlich ist. Wären mir die Leute egal, hätte ich ja nichts gesagt. Aber das sind viele Kollegen, die ich schätze. Deswegen habe ich mich direkt an sie gewandt und gefragt: Wisst Ihr, was Ihr da macht? Aber das ist inzwischen klar, deswegen kann man das ja wieder begraben.

Befürchten Sie, dass diese Aktion einen Flurschaden in Ihrer Branche hinterlässt?

Nein, jetzt regt man sich noch wahnsinnig auf. Aber das ist morgen hoffentlich vergessen. Durch den kurzen Aufmerksamkeits-Flash wird das jetzt hochgekocht, aber auch schnell wieder vergessen. Ich glaube nicht, dass ein langfristiger Schaden entsteht.

Kritik an Coronamaßnahmen

#allesdichtmachen: Die Videos der fragwürdigen Aktion von Jan Josef Liefers & Co

Könnte es ein Problem geben, wenn Sie irgendwann Jan Josef Liefers oder einen anderen Beteiligten am Set treffen?

Für mich ist das dann vergessen. Wir können uns nur dann wieder in die Augen gucken, wenn jetzt keine öffentlichen Hinrichtungen stattfinden. Wenn nicht die moralischen Eiferer aus der anderen Ecke sagen: Die müssen gekreuzigt werden und dürfen nie wieder arbeiten. Das ist totaler Quatsch. Die haben jetzt auf die Nase gekriegt, und damit ist gut. Wenn Herr Liefers bei der nächsten Begegnung nicht mich angreift, ist die Sache für mich erledigt.
Hans-Jochen Wagner ist am Sonntagabend um 20.15 Uhr im neuen Schwarzwald-"Tatort" zu sehen.