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Designer Gerry McGovern Kein Auto-Narr

Gerry McGovern
Gerry McGovern
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Gerry McGovern ist der oberste Formengeber von Jaguar Land Rover. Der selbstbewusste Designer liebt die schlichten Formen und hält wenig von Retro-Anleihen.

Als Land Rover mit dem angesehenen Londoner Maßschneider Henry Poole & Co eine Kooperation einging, ist Gerry McGovern vermutlich das Herz aufgegangen. Der oberste Formgeber der Land Rover Modelle hat ein Faible für edle Stoffe. Schließlich tritt er selbst immer im feinsten Zwirn auf. Natürlich hat sich Gerry McGovern eines der 50 Jackets gesichert, die anlässlich des 50. Geburtstag des Range Rovers geschneidert wurden. Der Stoff schlägt die Brücke zwischen Vergangenheit und ist in einem klassischen Hahnentrittmuster gehalten. Die Farben Tuscan Blue, Bahama Gold und Davos White sind die der Lacke des Range Rover Premierenjahres 1970.

Der im Herzen Englands (Coventry) geborene Designer ist nicht der typische Car Guy, der Öl schwitzt und Benzin trinkt. Er sammelt weder Autos noch besitzt er private Fahrzeuge, Gerry McGovern nutzt die Firmenfahrzeuge. Die Kollektion des Briten besteht aus moderner Kunst und klassisch-sowie moderne Möbel, darunter auch Lampen und Spiegel. "Wenn Sie Ihr Leben lang in einer Schokoladenfabrik gearbeitet haben, können Sie doch auch keine Schokolade mehr sehen, oder? Ich bin Autos noch nicht überdrüssig, aber ich designe sie jetzt seit circa 40 Jahren. Ich kann nach Hause kommen und nicht mehr an Autos denken", bekannte McGovern einmal im Interview mit "auto motor sport". Dennoch ist der Designer der ausgetüftelten Mechanik der Schweizer Luxus Uhren der Marken Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet verfallen und teilt dieses Hobby mit einigen seiner Kollegen.

Wenn man sich McGoverns Kreationen so anschaut, dann wünscht man so manchem automobilen Formgeber, dass er weniger vernarrt in die Objekte wäre, die er kreiert. Gerade die aktuellen Range Rover-Modelle oder Autos wie der ansehnliche Evoque gelten als sehr gelungene Designs. Für die meisten Automobil-Experten ist klar, dass die Ehe zwischen Gerry McGovern und dem britischen Autobauer eine Verbindung ist, die einfach passt. Manche bezeichnen sie sogar als Match made in Heaven. Die Ernennung des Designers, der mittlerweile auch einen Professorentitel trägt, zum obersten Formgeber des Jaguar Land Rover-Konzerns und die darauffolgende Berufung in den Vorstand der Gesamtunternehmen sind ein sichtbares Zeugnis der Wertschätzung. Auch die Queen findet Gefallen an den Werken des selbstbewussten Automobilkünstlers, der durchaus klare Worte findet, um seine Meinung kundzutun und ernennt ihn 2020 zum "Officer of the British Empire". Rule Britannia.

Großbritannien mag herrschen, aber es war nicht Gerrys erste Liebe. Nach seinem Abschluss samt Spezialisierung im "Automotive Design" am renommierten Royal College of Art in London zog es Gerry McGovern zunächst mehr in die neue Welt. Zumal Chrysler sein Studium finanziell unterstützt hatte. Durchlief McGovern zunächst verschiedene Stationen beim US-Autobauer, ehe er in seine Heimat zurückkehrte. Aus seiner Feder stammen Autos wie der Rover MG-F oder der Land Rover Freelander, der sieben Jahre lang das bestverkaufte Kompakt-SUV in Europa war. Aufgrund seines Weges durch die Studios der verschiedenen Autobauer manifestierte McGovern seinen Ruf als fähiger und kreativer Kopf. Bei seiner Aufgabe, die Automarke Lincoln-Mercury neues Leben einzuhauchen, bekam er weitreichende Kompetenzen, die McGovern auch weidlich nutze: Einer der ersten, der in sein neues Designstudio nach Kalifornien lotste, war Marek Reichman, der mittlerweile Chefdesigner bei Aston Martin ist.

Nach seiner Ägide bei Ford schloss sich McGovern 2004 seiner alten Liebe Land Rover als "Director Advanced Design" an. Für den Vize-Präsident des Ford-Designs J Mays die richtige Wahl: "Gerry perfekt Weise für diesen Job geeignet. Er hat bereits bewiesen, dass er die DNA von Land Rover vollständig versteht." Diese Eloge kam nicht von ungefähr, denn Land Rover war damals Teil von Fords Premier Automotive Group, ehe der Autobauer 2008 an die indische Tata-Gruppe verkauft wurde.

Die Besitzer wechselten, eine Konstante blieb: Gerry McGovern. Die gelungene Auffrischung und Neugestaltung der Modellpalette ist nicht zuletzt sein Verdienst. Die heikelste Aufgabe musste er unlängst meistern, nämlich die Neuauflage des Land Rover Defenders. Ein Fehlschlag hätte die letzten Seiten von McGoverns Biographie mit Eselsohren versehen. Gerry McGovern war sich der Tragweite dieser Herausforderung bewusst und er ließ sich Zeit mit seiner Kreation. Immer wieder wurde die sehnsüchtig erwartete Präsentation de Defenders verschoben. Als endlich das Tuch von dem Geländewagen gezogen wurde, war sofort klar, dass Retro-Design nicht in Gerrys Sinne ist. Anders als etwa Mercedes mit der G-Klasse entschied sich der Formgeber für eine vollständige Neuinterpretation der Linien. "Außer der Silhouette gibt es keinerlei Übrigbleibsel", sagte Gerry McGovern. Das Aussehen polarisiert, doch der Erfolg gibt McGovern recht. Denn der Defender bekam den Titel des "World Car Design of the Year" des Jahres 2021 verliehen.

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