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Monterey Car Week 2019: Pebble Beach - die Automesse der Neuzeit

Während bei der Monterey Car Week und den zahlreihen Events von Pebble Beach Champagner geschlürft und Autos bestaunt werden, kämpft die Frankfurter IAA kämpft ebenso wie viele andere große Automessen ums Überleben - unterschiedlicher können die Autogalaxien nicht sein.

Concours de Lemons 2019

Concours de Lemons 2019

Automessen sind out - speziell in Europa interessiert sich für die einst so glanzvollen Leistungsschauen der Vorzeigeindustrie kaum noch jemand. Medial spielen die millionenschweren Großveranstaltungen ebenso wenig eine nennenswerte Rolle wie in Sachen Imagebildung oder Kaufbegleitung. Kein Wunder, dass die Autofirmen seit Jahren abwandern und sich andere, kleinere, günstigere und deutlich feinere Formate suchen. Der Aufwand, die gigantischen Messestände einer Messe wie der Frankfurter IAA im kommenden Monat art- und sachgerecht zu bespielen, steht in keinem Verhältnis zum ohnehin nur allzu schwer messbaren Realertrag. Derartige Probleme kennt man in Pebble Beach, der schicken Luxusenklave am kalifornischen Pazifik nicht. Hier hat sich die Monterey Car Week mit ihren zahllosen kleinen und mittleren Events längst zu viel mehr als einer Klassikveranstaltung gemausert.

Pebble Beach - die Automesse der Neuzeit
Concours de Lemons 2019

Concours de Lemons 2019

Wer in der Automobilbranche etwas auf sich hält, sollte sich tunlichst in der dritten Augustwoche nichts anderes vornehmen und, seine besten Leute nach Pebble Beach, Monterey, Seaside und Laguna Seca schicken. Eineinhalb Stunden südlich des Silicon Valley spielt rund eine Woche die liebliche Automobilmusik, hier schlägt längst das zugegeben betont elitäre Herz der Autoindustrie. Da wundert es nicht, dass Lamborghini gerade hier seinen neuen Supersportwagen Aventador SVJ 63 Roadster präsentiert, Automobili Pininfarina potenzielle Kunden an seinem fast 2.000 PS starken Battista schnuppern lässt und Audi hier das Tuch von seinem neuen R8 GT2 zieht. Bentley zeigt bei dem Luxusevent von The Quail nur ein paar Meter weiter seine Zukunftsstudie EXP 100 GT und den neuen Panamera-Gegner Flying Spur, während Bugatti mit dem Centodieci potenzielle Kunden von einem Acht-Millionen-Euro-Hypersportler mit 1.600 PS träumen lässt. Alles vergeblich - die geplanten zehn Autos sind längst verkauft. Hinter verschlossenen Türen von Villas und eleganten Pavillons gibt es für geneigte Bestandskunden noch mehr zu sehen. So zeigt Mercedes hier und nicht in Frankfurt erstmals seinen Maybach GLS, Aston Martin seinen Power-SUV DBX und Hyundai-Ableger Genesis lässt keinen Zweifel daran, dass man mit neuen Modellen bald auch in Europa das Premiumterzett aus Audi, BMW und Mercedes angreifen will.

Fraglos haben die Veranstaltungen der Monterey Car Week ihren Ursprung im Luxus und der Welt der automobilen Klassiker. Wer das prall gefüllte Programm in dem kalifornischen Dreieck von Pebble Beach, Seaside und der grandiosen Rennstrecke von Laguna Seca jedoch auf ein reines Nobelspektakel in abgeschirmten Refugien reduziert, irrt. Denn neben Luxus hier und Schampus da, eilig übertünchten Operationsnarben und den zahllosen Versteigerungen bei Mecum, RM Sotheby\'s oder Goodings gibt es in der Monterey Car Week viel mehr als das. Volkswagen lässt seine neue Elektrofamilie mit dem ID. Buggy ebenso glänzen wie seine Historie mit einem waschechten Meyers Manx Dune Racer. Der chinesische Autobauer bietet ebenso Testfahrten mit seinen neuen Modellen wie nahezu jeder andere Autohersteller. Lexus, Cadillac, BMW, Mercedes, Audi, Porsche oder Mazda präsentieren sich ebenso volksnah wie Jaguar Land Rover, Lotus, Dodge oder Chrysler. Kommen, sehen, anfassen, plaudern und fahren - das zieht. Ob Elektro, Hybrid, Verbrenner, SUV, Limousine oder kompromissloser Hypersportler - hier bekommt jeder seinen Raum zum Strahlen.

Auch wenn der einst so abgefahrene Concours d\'Lemons als Gegenveranstaltung zum abschließenden Concours d\'Elegance als eigentlichem Höhepunkt der Autowoche nicht mehr ganz so skurril ist, wie vor ein paar Jahren, kommen Fans deutscher Automobile aus jeder Preisliga bei Legends of Autobahn ebenso auf ihre Kosten wie Italienliebhaber beim entspannten Concorso Italiano. Kunterbunt und wild sind die Autos derweil bei Exotics of Broadway, wo jedermann seinen liebsten Untersatz der Öffentlichkeit präsentieren kann. Darüber hinaus sind die tausenden von Fahrzeuge, die während der Autowoche links und rechts am Straßenrand stehen, eine Schau für sich, die keinen Eintritt kostet und nicht nur Kinder mit offenen Mündern ihre Kamerahandys zücken lässt. Auch das zeigt, dass die Monterey Car Week längst die Stelle einer Automesse eingenommen hat. So etwas sollte doch auch in Europa hinzubekommen sein, oder?

Wie kaum eine andere Veranstaltung hat es die Monterey Car Week geschafft, alt und neu, exklusiv und bodenständig, Fans und Experten, jung und alt unter einen automobilen Hut zu bringen, der jedermann zu passen scheint. Hier darf selbst der Motorsport noch sein, was er einmal war, während die Marken ihre neuesten Modelle in kleinen Zeltstädten zur Schau stellen und die Finessen des neuesten Hybridmoduls erklären oder zeigen, wie entspannt es sich im Fond eines Rolls-Rolls Cullinan reisen lässt.

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