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Mercedes SLC der Baureihe C 107 Der Lamellenkönig

Mercedes SLC der Baureihe C 107
Mercedes SLC der Baureihe C 107
© press-inform - das Pressebuero
Vor 50 Jahren feierte nicht nur der Mercedes SL der Generation R 107 seine Weltpremiere. Den offenen Beau gab es vor fünf Jahrzehnten auch als besonders elegante Coupéversion. Nicht nur die seitlichen Lamellen an der Fensterflanke sind eine wahre Schau.

Der offene Mercedes SL ist für viele Klassikfans seit Jahrzehnten ein echter Traumroadster. Der geschlossene Mercedes SLC der Generation C 107 - vorgestellt auf dem Pariser Salon 1971 - ist dagegen ein verkappter Geheimtipp. Die Stückzahlen sind mit knapp 63.000 produzierten Fahrzeugen überschaubar und die Ausstattung ist luxuriöser denn je. Die Technik des SLC ist dabei mit der des offenen SL nahezu identisch. Dabei ist speziell die Flanke des Bremer Zweisitzers eine Schau, denn im Vergleich zum offenen Erstgeborenen hat der SLC einen um stattliche 36 Zentimeter verlängerten Radstand für mehr Platz im Fond. Optisch wurde dies mit besonders sehenswerten Kunststofflamellen kaschiert, die der Seitenlinie des C 107 eine einzigartige Note geben.

Bekannt wurde der 4,75 Meter lange SLC nach seiner Premiere in 1971 nicht nur als Luxuscoupé, sondern auch durch seine Erfolge im Rallyesport. Zunächst waren die Rallyepiloten mit dem Mercedes SLC mit langem Radstand des Serienmodells unterwegs, um sich dann im Jahre 1980 für den wendigeren und agileren Mercedes 500 SL zu entscheiden, der dann kurzfristig doch von der Rallye-Weltmeisterschaft zurückgezogen wurde. Dafür wurde das Hardtop fest mit der Karosserie verbunden. Darüber hinaus gab es eine spürbare Modifikation gab es für den fünf Liter großen V8-Einspitzer, der statt der üblichen 240 PS im Rallyetrimm 221 kW / 300 PS leistete. Der davor verwandte 450er SLC brachte es gar nur auf 227 PS. Zu den Erfolgen der SLC-Modelle zählen Siege bei der Rallye Afrika oder Südamerika in den Jahren 1978 bis 1980. So siegten die Stuttgarter bei der 29.000 Kilometer langen Südamerika-Rallye "Vuelta a la América del Sud" oder bei der 11. Bandama Rallye durch Hannu Mikkola / Arne Hertz auf einem Mercedes 450 SLC 5.0. Für den Rallyeeinsatz war das Gewicht trotz Zusatzausstattung wie Scheinwerfer, Überrollkäfig und Renntank um 230 Kilogramm reduziert worden. Dafür war es mit der Höchstgeschwindigkeit nicht weit her. Je nach Übersetzung der Hinterachse, die auf die entsprechende Rallyestrecke abgestimmt war, reduzierte sich das normale Maximaltempo von gut 240 auf kaum mehr als 180 km/h.

Die schnittigen Serienmodelle waren nicht nur schneller, sondern auch luxuriöser. Die meisten SLC-Modelle sind mit leistungsstarken Achtzylinder-Triebwerken unterwegs. Der 147 kW / 200 PS starke 350 SLC - identisch mit dem V8 des offenen SL - stammt an sich aus der Baureihe W 108 / 109 / 111. Erst 1973 kamen zunächst der besonders beliebte 450 SLC mit seinen 225 PS starken Achtzylinder sowie 1974 das Einstiegsmodell des soliden 280 SLC mit seinem 185 PS starken Sechszylinder nach. Beim Mercedes SL der Baureihe C 107 löste der 218 PS starke 380 SL den 350er ab und der 500 SL mit seinen 177 kW / 240 PS wurde statt des 450 SL zum neuen Topmodell. Der damals neue 500 SL erhielt zudem den Leichtmetall-Kofferraumdeckel mit polarisierendem schwarzen Kunststoff-Heckspoiler des SLC-Coupés mit Fünfliter-Motor. Auch den SLC gab es in kleinen Stückzahlen ab dem Sommer 1980 als SLC 380 und schließlich sogar als 500 SLC, der den 1977 eingeführten SLC 450 5.0 ablöste. Die geschlossene Coupévariante des C 107 hatte im Gegensatz zum offenen SL bereits Anfang 1981 ausgedient und wurde vom deutlich größeren Nachfolger der neuen S-Klasse (Baureihe C 126) ersetzt. Der Roadster wurde bis 1989 weitergebaut.

Im Vergleich zu den offenen Versionen ist das elegantere Coupé zumeist besser ausgestattet. Ledersitze sind vergleichsweise selten; dafür sind die Modelle oftmals mit den damals besonders edlen Flockvelourssitzen ausgestattet. Das elektrische Schiebedach ist zumeist gesetzt und viele Modelle sind ergänzend mit der amerikanischen Klimaautomatik unterwegs. Ungewöhnlich aber dennoch anzutreffen: C 107 mit manuellen Fenstern. Kurbeln hinten und vorn - wenig standesgemäß für ein Luxusmodell, aber nicht selten. Immerhin gibt es eine oftmals eine Getriebeautomatik - je nach Modell mit drei oder vier Gängen - und Metallicfarben, die heute Zeichen ihrer Zeit sind: Champagnergold, Distelgrün oder Astralsilber.

Mit der Qualität der Baureihen R 107 / C 107 ist es trotz des noblen Daimler-Anspruchs nicht immer zum Besten bestellt. Die Motoren nebst Getriebe und Fahrwerk gelten als solide und auch die Elektrik macht wenig Mucken. Anders sieht es mit der Rostvorsorge aus, denn sowohl R 107 als auch C 107 sind mit zunehmendem Lebensalter sehr rostanfällig. Das gilt nicht nur für die sichtbaren Karosseriekanten an Front, Heck und Flanke, sondern auch die Schweller und der Unterboden bereiten vielen Klassikfans Kopfzerbrechen. Die Ersatzteilversorgung ist gut, doch das ein oder andere Teil ist mittlerweile schwerer als erwartet zu bekommen und sehr teuer. Ändert nichts daran, dass der Mercedes SLC ein ebenso seltener wie begehrter Klassiker ist. Gute Modelle mit kompletter Historie und einer Laufleistung bis 150.000 Kilometern kosten kaum mehr als 30.000 Euro - selbst komplett ausstaffierte 500er-Topmodelle liegen immerhin noch unter 50.000 Euro.

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