"Die Siedler 6" Das kleine eigene Königreich


Dörfer bauen, Güter produzieren und handeln: Nirgends sind Aufbauspiele für den Computer so beliebt wie in Deutschland. Nun wird die erfolgreichste Serie "Die Siedler" fortgesetzt.
Von Nina Ernst

Aufruhr auf dem Marktplatz: Die Bürger streiken. Sie wollen nicht mehr im Dreck leben und verlangen nach Besen. Währenddessen steht der Besenmacher gelangweilt vor seinem Geschäft. Ihm fehlt Holz, weil niemand Bäume fällt. Solche Probleme müssen Spieler von Aufbaustrategiespielen wie "Die Siedler" oder "Anno" bewältigen, denn der Holzfäller arbeitet nur auf ihr Geheiß. Ohne den Spieler bewegt sich in der Computerspielwelt nichts, er baut und hält die Wirtschaft in Gang und damit die Bewohner bei Laune.

Was sich für manche anhört wie Arbeit und Stress in der Freizeit, ist Deutschlands erfolgreichste PC-Spieleserie. "Die Siedler" haben sich weltweit sechs Millionen Mal verkauft, gerade ist der "Aufstieg eines Königreichs" erschienen, der neue Teil der Reihe. Was sind die Gründe für diesen Erfolg? "Das Besondere an den 'Siedlern' ist, dass man etwas erschaffen muss, anstatt etwas kaputtzumachen", versucht Produzent Benedikt Grindel die Faszination der 14 Jahre alten Reihe zu erklären, "das hinterlässt beim Spieler ein gutes Gefühl."

Ein metaphorisches Königreich

"Der Spieler baut sich am PC auf metaphorischer Ebene ein kleines Königreich des eigenen Lebens", erklärt Jürgen Fritz vom Forschungsschwerpunkt "Wirkung virtueller Welten" der FH Köln. Wer am Rechner seine Siedlung zur Handelsmetropole ausbaut, denke unterbewusst an den Einzug in die erste, eigene Wohnung oder den Sprung auf der Karriereleiter. Je nachdem, was in seinem Leben gerade eine Rolle spielt. "Deswegen spricht das Spiel auch Menschen und Berufsgruppen an, die etwas aufbauen: kaufmännische Angestellte, Manager in unteren Ebenen, Schüler, die kurz vor dem Abschluss stehen" - und mehr Frauen als andere Spielegattungen. Die rauschenden Wasserfälle und detailreichen Holzhütten auf dem Monitor seien nur eine hübsche Verpackung, damit der Spieler sich in das Geschehen einfindet.

"Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs"

Hersteller/Vertrieb

Blue Byte/Ubisoft

Genre

Aufbaustrategie

Plattform

PC

Preis

40 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

"Die Siedler" ziehen außerdem Spieler an, die Spaß an komplexen Abläufen haben: aus Baum mach Holz mach Besen. "Im Mittelpunkt stehen die Regeln, auf denen das Spiel basiert. Wer die versteht und beherrscht, bekommt Erfolg", sagt Jürgen Fritz. Und stelle sich im Spiel Erfolg ein, ermutige das die Menschen sogar dazu, ihre eigene, reale Lebenswelt auszuweiten.

Was ist der perfekte Platz?

In Berthold Zumbrinks Forum Siedler-Portal.de diskutieren rund 3000 Spieler über den perfekten Platz für eine Schmiede oder darüber, wie man Wirtschaftskreisläufe perfektioniert. Wie vielen anderen hat es auch dem Ingenieur vor allem das bunte Treiben auf dem Bildschirm angetan, das ständig präsent ist, während der Spieler über seiner Taktik grübelt. Zumbrink schaut gerne zu, wie Steinmetze Fels abbauen, Jäger Wild erlegen und der Bauer sein Korn erntet. Was er sieht, ist jedoch nicht nur eine optische Belohnung für den Spieler - es ist auch ein wuseliger Beleg dafür, dass gerade alles funktioniert.

"Es gibt Leute, die gucken sich einfach das Wuseln an. Schauen zu, was jeder einzelne Siedler macht", sagt Zumbrink. Das Wort "Wuselfaktor" ist zum Synonym für die Reihe geworden. Produzent Benedikt Grindel hat bereits versucht, den Ausdruck zu übersetzen. Vergeblich. So kennen sogar französische und englische Mitarbeiter des Herstellers den Satz "It´s wuselig".

Das neue Spiel

Wer jetzt mit dem Siedeln beginnen will, dem macht es das Spiel so leicht wie möglich: Im neuen Teil der Serie ist das Planen und Organisieren der Städte einfacher geworden - etwas, das Ur-Siedler kritisieren. Der Hersteller jedoch will mit dem sechsten Teil der Reihe den Durchbruch im internationalen Massenmarkt schaffen. Die Verkaufszahlen werden zeigen, ob bald zum Beispiel auch die Action-verliebten Amerikaner dem Siedlerfieber verfallen - oder ob vielleicht doch etwas Tieferes im Deutschen steckt, dass ihn seine Städte gerne wieder aufbauen lässt.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker