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"Evolution GT": Die etwas andere Fahrschule

Mit "S.C.A.R." haben die Entwickler von Milestone bewiesen, dass das Potenzial von Rennspielen noch lange nicht ausgeschöpft ist, und sich immer wieder neue Ideen finden und integrieren lassen. Auch der Nachfolger "Evolution GT" vertraut auf die bewährte Mischung aus Renn- und Rollenspiel.

Rollenspiel und Rennsimulation geben sich das Lenkrad in die Hand? Wie soll das funktionieren? Ganz einfach: Anstatt Siege und stilistisch einwandfreies Fahren ("Project Gotham Racing" und Co. lassen grüßen) mit einem Haufen Kohle zu vergolden, darf der Spieler nach und nach die Eigenschaften seines Bildschirmcharakters verbessern. Hat der PC- und PS2-Racer etwa Probleme beim Einbremsen vor scharfen Kurven, nutzt er seine gewonnenen Punkte, um dieses Manko zu beheben. Klappt es mit dem Sliden nicht so gut, merzt er eben diese Schwachstelle aus. Eine ausgezeichnete Idee, die die Motivation über einen längeren Zeitraum auf hohem Niveau hält und bei vielen Spielern zum gefürchteten "nur noch ein Rennen, dann höre ich für heute auf"-Effekt führen wird.

Spaßiges und zugleich für mehr Realismus sorgendes Detail: der Stress-Faktor. Wie im Vorgänger kann der Fahrer seine Gegner durch nahes Auffahren nervös machen und so zu Fehlern verleiten. Aber Vorsicht: Andersherum funktioniert das auch! Dann schlägt dem Spieler sein virtuelles Herz bis zum Hals, und irgendwann stellt sich als Panik-Reaktion so etwas wie ein verschwommener Tunnelblick ein.

Erschwerend kommt hinzu, dass die cleveren Computer-Fahrer extrem aggressiv zu Werke gehen. Fiese Rempler sind an der Tagesordnung. Da hilft selbst der "Tiger-Effekt", mit dem sich das Geschehen um wenige Sekunden zurückspulen lässt, nicht sonderlich weiter. Einsteiger müssen viel Zeit investieren, um zumindest halbwegs mithalten zu können.

Alte Simulations-Hasen dürfen sich indes auf eine gute Mischung aus Realismus und Fiktion freuen. Während etwa die Autos allesamt ihren realen Vorbildern entsprechen, entspringen einige Rennstrecken der Fantasie der Entwickler. Spaß macht das Gas geben aber allemal, da sich der Spieler in die engen Cockpits von rund 30 Boliden unterschiedlichster Herkunft zwängen darf. Golf V GTI, Renault Clio V6 und Opel Astra GTC Sport sind ebenso am Start wie Audi A6, Corvette Z06 und SL 55 AMG. Neben den Rundenrennen muss der Gamer seine Qualitäten auch in speziellen, als "Challenges" bezeichneten Herausforderungen unter Beweis stellen. Schwach: Der Multiplayer-Modus beschränkt sich auf eine Zwei-Spieler-Variante, die per Split-Screen-Darstellung realisiert wird. Das ist definitiv zu wenig.

Evolution GT

Hersteller/Vertrieb

Milestone/CDV

Genre

Rennspiel

Plattform

PlayStation2, PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Optisch gibt es nur wenig auszusetzen. Schicke Reflexionen zieren die detaillierten Automodelle. Dafür sind die rund zwei Dutzend Rennstrecken ein wenig einfallslos. Vor allem der Verzicht auf jegliche Streckenobjekte, beispielsweise Zuschauer, wirkt sich negativ auf die Atmosphäre aus. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Spieler einen Rundkurs wie Hockenheim und Laguna Seca bearbeitet oder das Straßennetz von Berlin, London und Mailand unsicher macht. Sind die Leute denn alle bei der WM?

Artur Hoffmann/Teleschau / TELESCHAU
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