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"Far Cry 2": Das Spiel mit dem Feuer

Schwelender Bürgerkrieg, riesige Buschfeuer, verbrannte Erde: Der Shooter "Far Cry 2" setzt in erster Linie auf seine spektakuläre Inszenierung.

Die erste Begegnung mit dem Schakal verläuft relativ unspektakulär: Dahingerafft von der Malaria ist der Spieler zum bloßen Zuhören verdonnert. Und ehe er dem skurpellosen Waffenhändler wieder gegenübersteht, werden viele Stunden vergehen, die mit intensiven Feuergefechten und gewaltigen Explosionen, langen Autofahrten und viel virtuellem Leben gefüllt sind.

"Far Cry 2" ist ein sogenanntes Open-World-Spiel, das möglichst große Handlungsfreiheit gewähren soll. Abseits der Rahmenhandlung können deshalb für die Bürgerkriegsparteien UFLL und APR zahllose Aufträge erledigt werden, die den Spieler kreuz und quer durch das riesige Gelände scheuchen. Da sollen Gewächshäuser gesprengt, Zielpersonen ins Jenseits von Afrika geschickt, Waffenlager vernichtet werden. Das ist anfangs noch spannend, am Ende aufgrund des dicken Kontostandes (bezahlt wird hier mit Blutdiamanten) überflüssig - und zwischenzeitlich ziemlich albern, wenn etwa ein Konvoi, den man überfallen soll, brav seine Runden dreht. Theoretisch müsste man nur am Straßenrand warten und die Bazooka hochhalten .... Übrigens: Wer ständig nur für eine Bürgerkriegspartei arbeitet, muss keine Konsequenzen fürchten. Es schießt ohnehin fast jeder auf den Spieler.

Während man also die Nebenmissionen irgendwann links liegen lassen kann, wird die regelmäßige Beschaffung von Malaria-Medikamenten jedoch zur lästigen Pflicht - zumal sich die Aufträge, um an das Mittel zu kommen, ziemlich ähneln. Eine weitere bittere Pille, die der Spieler schlucken muss: Mühselig leergeräumte Wachtposten, die überall auf der Karte verteilt sind, werden in Windeseile neu besetzt, was einzelne Missionen spürbar in die Länge zieht und auf Dauer schlicht nervt.

Und dennoch ist "Far Cry 2" ein außergewöhnliches Game. Warum? Weil es neben seiner aufwendigen Inszenierung und dem brachialen Krawallfaktor auch auf innovative Ideen und große Handlungsfreiheit setzt. So lassen sich mit Molotov-Cocktails und explosiven Geschossen verheerende Buschbrände entfachen, die sich je nach Windrichtung unkontrolliert ausbreiten und ganz neue Tatktiken ermöglichen. Derart drastische Maßnahmen sind auch bitter nötig, um mit den clever agierenden Computer-Gegnern fertig zu werden. Die gehen bei Beschuss in Deckung, rufen sich gegenseitig Befehle zu, durchforsten systematisch das Unterholz auf der Suche nach dem Spieler. Der kauert womöglich gerade hinter einem Baum und ärgert sich darüber, dass er schon beim Aufheben eines herumliegenden Gewehrs hätte erkennen müssen, dass es an Ladehemmung leidet. Der Zustand von Waffen, Autos und Booten spiegelt sich bei "Far Cry 2" in ihrem Äußeren wider.

Far Cry 2

Hersteller/Vertrieb

Ubisoft/Ubisoft

Genre

Action

Plattform

PC, PlayStation3, Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Wird eine Situation arg brenzlig, tauchen mit etwas Glück Söldner-Kameraden auf, mit denen man sich zuvor gut stellte. Eingefangene Kugeln werden in rabiaten Doktorspielchen entfernt, die schon beim Zusehen schmerzen. Wer dennoch tapfer bleibt, wird mit einer spannenden Geschichte belohnt, die für etwa 30 Stunden an den Bildschirm fesselt. Und wer dann noch nicht genug vom ewigen Katz- und Mausspiel hat, darf im Multiplayer gegen bis zu 15 Gegner antreten oder mithilfe des Editors eine friedlichere Version von Afrika erschaffen, in der nur Tiere grasen ...

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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