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"Half-Life 2: Episode 1": Der Anfang vom Ende

Das war's? Und nun? - Gedanken, die garantiert jedem PC-Spieler beim Abspann von "Half-Life 2" durch den Kopf schossen. Die Stand-Alone-Erweiterung "Episode 1" liefert zwar ein paar Antworten, ist aber erst der Anfang vom Ende.

Rund 20 Euro müssen auf den Tisch gelegt werden, um zu erfahren, wie Hersteller Valve die Story um Gordon Freeman, Alyx, die Alien-Invasion und den mysteriösen G-Man fortspinnt. Ein Ende oder zumindest der Wille zur Besserung ist allerdings auch diesmal nicht abzusehen. Im Gegenteil: In den nächsten Monaten und Jahren soll die Cash-Cow "Half-Life 2" in bester George-Lucas-Manier noch weiter kräftig gemolken werden. An weiteren Add-ons, die jeweils einen bestimmten Schwerpunkt haben sollen, wird bereits fleißig gearbeitet.

Ein kurzes Vergnügen

"Episode 1" bietet im Grunde nicht viel fürs Geld: Nach spätestens sechs Stunden ist alles vorbei, die Flucht aus der gewaltigen, kurz vor der Kernschmelze stehenden Zitadelle und der in Anarchie verfallenen City 17 ist geglückt. Einen spannenden Cliffhanger hielt man jedoch offenbar für ebenso überflüssig wie neue Waffen, Grafiksets oder Gegner. Ein "Zombine" - halb Zombie, halb Combine-Soldat - ist das Höchste feindseliger Gefühle. Buggy- und Bootsausflüge wurden ebenfalls von der Shooter-Tagesordnung gestrichen - genau wie manche Waffen aus Gordons Arsenal. Selbst seine geliebte Brechstange bekommt der Physiker erst nach der Hälfte des Games in die Hand gedrückt ...

Selbst ist die Frau

Dafür bringt Valve die schöne Alyx mehr ins Spiel. Ohne das Babe, das ausgefeilter denn je ihre Stirn in Falten legt, lächelt oder Held Gordon verängstigt in die Augen blickt, geht gar nichts. Das Mädel mit der sagenhaften Mimik hält uns den Rücken frei, während wir in stockdunklen Gängen per Taschenlampe - "Doom 3" lässt grüßen - den Weg weisen. Auch beim Stopfen von Antilion-Tunneln, der Beseitigung von Scharfschützen, der Manipulation von Computerkonsolen und Rollminen leistet Alyx gute Dienste. Babysitter-Sorgen muss sich der Spieler dabei nicht machen. Alyx ist clever und weitaus wehrhafter, als es ihre zierliche Figur vermuten lässt.

Half-Life 2: Episode 1

Hersteller/Vertrieb

Valve/Electronic Arts

Genre

Action

Plattform

PC

Preis

ca. 20 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Keine Aha-Erlebnisse mehr

Wer seinen Blick von der Schönen einmal abwenden kann, erkennt, dass Valve der "Source" getauften Grafik-Engine nur den Feinschliff verpasst hat. Dank "High Dynamic Range Rendering" (HDRR) leuchten nun die Trümmer von City 17 realistischer denn. Blinzelt Gordon in die virtuelle Sonne und betritt anschließend einen dunklen Raum, sieht er erst einmal gar nichts mehr. Gewiss, ein toller Effekt. Allerdings merkt man, dass mittlerweile Spektakuläreres das Licht der PC-Welt erblickt hat. Valve täte also gut daran, die restliche Episoden von "Half-Life 2" schnell nachzuliefern und dem Game endlich ein würdiges Ende zu bescheren - oder gleich an einem vollwertigen Nachfolger zu arbeiten.

Ach ja - dieselbe Sache und alte Leid: Gleich, ob im Laden oder über die Internet-Plattform "Steam" gekauft, muss "Episode 1" online registriert werden. Wer also keinen Zugang zum Netz hat, kann sich die 20 Euro sparen...

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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