"Paradise" Auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit


Das Retro-Adventure "Paradise" des Comic-Künstlers Benoit Sokal überzeugt mit detailverliebter Optik und einer guten Story. Zum echten Hit reicht es dennoch nicht. Dafür ist das Spiel schlicht zu altmodisch...

Mit "Paradise" erfüllt Benoit Sokal sich und dem Publikum ein lange gegebenes Versprechen. Schon in den Interviews zu "Syberia II" deutete der belgische Comic- und Spieleautor an, dass ihn eines seiner nächsten Projekte nach Afrika ziehen würde. Jetzt ist die Katze - oder in diesem Fall der Panther - aus dem Sack.

Amnesie - eigentlich ein Anfang zum Vergessen, doch in "Paradise" ist der Gedächtnisschwund ein wunderbares Mittel zum Zweck: Ohne Erinnerung erwacht die junge Ann inmitten des von einem fürchterlichen Bürgerkrieg heimgesuchten Landes Mauranien. Doch was hat sie eigentlich in dem gespaltenen Staat verloren? Und warum scheint sie jeder hier zu kennen? Für den Spieler wird dieses Rätsel schon bei der Lektüre der Spielanleitung gelöst. Ann Smith ist die Tochter des Diktators von Mauranien, dem todkranken Rodon. Selbst aber hat die junge Frau (zunächst) keine Ahnung von ihrer Identität. Dafür weiß sie eines: Sie will raus aus dem Krisengebiet und zurück in eine Welt ohne Krieg und Gewalt.

Auf dem Weg zur Selbsterkenntnis

Da "Paradise" kein Actionspiel, sondern ein klassisches Point&Click-Adventure ist, warten einige rätsellastige Stunden auf den Spieler, bis Ann die Wahrheit über ihre Herkunft und den seltsamen Panther erfährt, der das ganze Spiel nicht von ihrer Seite weicht.

Auch wenn die Figuren aus groben Polygonen bestehen - die Hintergründe sind, obwohl recht statisch gehalten, wunderschön gezeichnet. Ann bewegt sich durch farbenfrohe Paläste, die grüne Hölle des Dschungels und vom Krieg gezeichnete Dörfer. Die Entwürfe für die Kulissen stammen allesamt aus der Feder von Benoit Sokal, der jahrelang Comiczeichner war, ehe er Spieledesigner wurde und letztlich mit White Birds Production seine eigene Firma gründete. "Paradise" ist das erste Werk der Softwareschmiede.

Handwerkliche Mängel

Die gestellten Rätselaufgaben sind im Grunde mit etwas Kombinationsgabe leicht zu lösen. Nur in manchen Fällen gerieten sie unnötig kompliziert. Zudem sind einige der zu suchenden Gegenstände im atmosphärisch dunklen Hintergrund nur nach einigem recht frustrierenden Geklicke auszumachen. Selbst eingefleischte Adventure-Fans werden deshalb an "Paradise" nicht immer ihre Freude haben und früher oder später zu einer Standard-Abenteurer-Taktik greifen: Ohne tieferen Sinn werden alle im Inventar verfügbaren Gegenstände auf alle Möglichkeiten am Bildschrim angewendet - egal, wie unlogisch sie auch erscheinen mögen. Alles in der Hoffnung, die nächste kleine Filmeinspielung auszulösen, die die Story weitertreibt.

Paradise

Hersteller/Vertrieb

White Bird/dtp

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

In denen geht es, ganz nach Sokals Intention, ein "Psychodrama" schaffen zu wollen, ziemlich dunkel zu. Auch im Hinblick auf die Charaktere, die nicht ganz so sympatisch und rund wirken wie Kate Walker und Konsorten aus den "Syberia"-Teilen. Das stört aber nur am Rande, denn die faszinierende Geschichte rund um Mauranien und den tiefen Konflikt zwischen Ann und ihrem Vater schlägt denoch schnell in ihren Bann - und das ist nach wie vor die Hauptsache bei jedem Adventure. Freunde des Genres werden also knapp einen Monat nach dem Release von "Dreamfall" eine weitere Spielwiese vorfinden. An den indirekten Vorgänger "Syberia 2" kommt "Paradise" allerdings nicht heran.

Sebastian Geiger/Teleschau TELESCHAU

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