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"Pathologic": Seuche aus Russland

Ein Jahr lang dauerte es, bis "Pathologic" - eine Mischung aus Ego-Shooter, Adventure und Simulation - es aus seiner Heimat Russland in den Rest der Welt geschafft hat. Leider hat sich das Warten nicht gelohnt.

Vielleicht liegt das Novum ja in der Ausgangssituation: Zur Abwechslung hat es keine Monsterschar auf den Spieler abgesehen, sondern eine tückische Seuche, die ihn und die Bewohner der namenlosen Stadt schleichend niederrafft. Die Mission Impossible: Durch Rercherche und Gespräche ein Heilmittel für die Krankheit finden. Ob es um die Einwohner so schade ist, sei allerdings dahin gestellt. Die Jahrhunderte der Einsamkeit haben die meisten Dörfler in Exzentriker oder Soziopathen verwandelt, die sich in einer Sprache unterhalten, auf die Shakespeare neidisch wäre. Das kann allerdings auch an der schlechten Übersetzung des Spiels liegen. Schade um die vielen prominenten Synchronsprecher ...

Verstärkt wird das seltsame Flair noch durch die recht atmosphärische Musik und das Handbuch, das "Pathologic" kurzerhand zum Überlebenssimulator erklärt und auch sonst nicht damit spart, dem Spieler die Dringlichkeit seiner Situation klarzumachen. Dafür verschweigt es einige wichtige Dinge - zum Beispiel die Tatsache, dass eine Uhr unerbittlich tickt und den Spielercharakter (Seher oder Mediziner) punkt Mitternacht eines jeden Tages umbringt, sofern er nicht die wichtigen Aufgaben, die ihm die Einwohner stellen, erledigt hat. So wird auch die anfängliche Freiheit, die man beim Durchwandern der Stadt verspürt, schnell zunichte gemacht. Jeder größere Ausflug mündet unweigerlich im eigenen Todesurteil, weil schlicht die Zeit fehlt, stundenlange Multiple-Choice-Gespräche mit den NSCs zu führen, um an dringend benötigte Informationen zu kommen. Darüber hinaus machen völlig überteuerte Medikamente und die vermurkste Kampf-Steuerung dem Spieler das Leben schwer. Für Gutmenschentum bleibt da freilich wenig Platz, selbst wenn das den Ruf des eigenen Charakters verbessern würde.

Pathologic

Hersteller/Vertrieb

Buka Entertainment/Frogster Interactive

Genre

Action-Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Entsprechend einfach ist die Diagnose: Finger weg! Das Gameplay siecht aufgrund diverser Schnitzer vor sich hin, die 3-D-Grafik wäre vor drei Jahren vielleicht noch ansehnlich gewesen. Allenfalls Trash-Fans dürften an dem rustikalen Charme von "Pathologic" Gefallen finden. Der Rest der Spielerwelt ist mit "Silent Hill", "Resident Evil 4" und Co. weitaus besser bedient.

Sebastian Geiger/Teleschau / TELESCHAU
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