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"Superman Returns: Das Spiel": Über den Dächern der Stadt

Bonusmeilen bekommen Vielflieger in "Superman Returns" zwar nicht, dafür aber ein paar halbwegs unterhaltsame Stunden. Dennoch: Das EA-Game gliedert sich nahtlos in die Reihe der mittelmäßigen Filmumsetzungen ein ...

Der erste Eindruck zählt - ganz wie beim Flirten. Und der ist bei "Superman Returns" gar nicht mal übel: Der blaubestrumpfte Held schaut aus der Vogelperspektive auf ein mit 200 Quadratkilometern Fläche und mehr als 10.000 Gebäuden beeindruckendes Metropolis. Fußgänger wuseln wie Ameisen durch den Großstadt-Dschungel, Autos schlängeln sich durch die Straßen. Die Menschen reagieren auf Ereignisse, indem sie beispielsweise bei Gefahr panisch aus ihren Autos springen oder Fotos von dem Superhelden schießen, der über ihren Köpfen kreist.

Im Kampf gegen das Böse kann sich Superman wie der Activision-Kollege "Spider-Man" frei durch diese offene Spielwelt bewegen. Die Handlung ist entsprechend nicht-linear, die Missionen sind nahezu beliebig austauschbar: Markierungen auf der Karte und am Bildschirmrand zeigen die diversen akuten Problemzonen der Metropole: von Naturkatastrophen über Prügeleien bis zu Boss-Gegnern wie Metallo, Parasite und anderen Ekelpaketen, die man großzügig der Comic-Vorlage entnommen hat. Zu den superfiesen Gegenspielern des kostümierten Gutmenschen zählen deshalb neben Erzfeind Lex Luthor (im Kino verkörpert durch Kevin Spacey), auch sein geklontes Gegenstück Bizarro, der später auch mal selbst gesteuert werden darf.

Die eigenen Handlungen haben Konsequenzen auf den weiteren Verlauf. Da der Mann aus Stahl - abgesehen von seiner Kryptonit-Allergie - unkaputtbar ist, haben sich die Programmierer einen "Trick" einfallen lassen, um den Spielverlauf trotzdem spannend zu halten: Metropolis ist im Gegensatz zu ihrem Beschützer angreifbar. Jeder Schaden, den die Stadt nimmt, schränkt Supermans Spielraum im doppelten Wortsinn ein. Geht zu viel zu Bruch, heißt es "Game over" für den König der Lüfte. Daher steht der Spieler immer wieder vor der Wahl, einen Superschurken weiter zu verfolgen oder die Jagd abzubrechen, um die Stadt vor Bedrohungen wie Horden von durchgeknallten Robotern oder einem Tornado zu schützen.

Schnell wie ein Wirbelwind ist auch Superman selbst, denn was die Reisegeschwindigkeit angeht, steht dem Mann mit dem roten Cape neben dem adlermäßig majestätischem Schweben auch eine katapultartige Bewegung zur Wahl, mit der er sich schneller als eine Pistolenkugel auf Feinde oder zum Dach eines Wolkenkratzers zubewegen kann. Im schönsten "Matrix"-Stil verschwimmt hierbei die Umgebung.

Manchmal muss aber selbst ein Superman auf den Boden der Tatsachen zurückkehren. Um seinen Widersachern in den Straßen der Stadt Herr zu werden, schwingt Clark Kent seine stahlharten Fäuste oder aktiviert Superkräfte wie Hitzeblick oder Sturm- und Eis-Atem. Mit seinem mächtigen Gebläse vermag Superman sogar Feuer zu bekämpfen. Darüber hinaus kann der blaue Titan sämtliche Mobilien der Stadt zu Wurfgeschossen umfunktionieren ...

Trotz wagnereskem Orchester-Soundtrack und Spaß am Fliegen hat das Game jede Menge Mängel. Dass sich die Gegner in der Regel mit wahllosem Button-Mashing bezwingen lassen, schmeckte den gemeinen Zocker schon bei "Eragon" ebenso wenig wie die monotonen Prügeleien. Noch ärgerlicher ist jedoch, dass dem Blaumann bei allen Super-Kräften eine recht gewöhnliche Fähigkeit fehlt: Er kann nicht springen. Selbst um an einem schienbeinhohen Hindernis vorbei zu kommen, muss er fliegen. Der größte Haken aber ist die Kamera-Führung, denn die "Lock-on"-Funktion wird ihrem Namen nicht immer gerecht. Kaum droht der Gegner, den Bildschirm zu verlassen oder bewegt sich schnell, versagt die Zielautomatik und der böse Bube muss mit der zähen Kamerasteuerung manuell wieder eingefangen werden. Last but not least: Metropolis ist nur aus der Ferne schön. Je näher man dem Boden kommt, desto auffälliger werden die teils matschigen Texturen.

Superman Returns: Das Spiel

Hersteller/Vertrieb

Tiburon/EA

Genre

Action-Adventure

Plattform

PS2, GB Advance, Nintendo DS, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Nicht super, aber auch nicht schlecht wie Lex Luthor - die Rückkehr des Stählernen ist wohl irgendwo dazwischen anzusiedeln. Immerhin: Xbox-360-User werden für wenige Stunden mit satten 1.000 Gamerpoints belohnt ...

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU