"Terminator: Die Erlösung" Digitaler Appetithappen


Drei "Terminator"-Filme und eine - inzwischen leider wieder eingestellte - TV-Serie haben es gezeigt: John Connor hat es nicht leicht. Von Maschinen aus der Zukunft gejagt, von seiner Mutter als Messias verehrt und von sich selbst gar nicht überzeugt, versucht er, das Richtige zu tun. Im rechtzeitig vor dem Kinostart des vierten Teils auf dem Markt kommenden PC- und Konsolen-Game "Terminator: Die Erlösung" schlägt John Connor zurück.

Dass die "Terminator"-Reihe auch ohne Arnold Schwarzenegger funktioniert, haben die zahlreichen, teils enthusiastischen Kinokritiken belegt. Beim zeitlich vor den Filmereignissen angesiedelten Spiel wechseln sich indes wenig Licht und viel Schatten ab. Das mit Abstand größte Manko der Umsetzung ist der geringe Umfang. "Akschn"-erprobten Gamern gelingt nach nur fünf bis sechs Stunden der Brückenschlag zum Film. Und da das Gameplay linear ist und Freiheitskämpfer John Connor vorgegebenen Pfaden folgen muss, gibt es nicht den geringsten Grund, noch einmal Jagd auf die Maschinen zu machen. "I'll be back"? Von wegen.

Trotz des Verzichts auf einen digitalen Christian Bale hat sich die Filmlizenz gelohnt. Allein schon die dynamische "Terminator"-Titelmusik lässt die Herzen aller Fans aufgehen. In Kombination der zumindest streckenweise gelungenen Darstellung der postapokalyptischen Metropole Los Angeles ergibt sich ein recht hübsch anzusehendes Grafikspektakel.

Die zahlreichen Zwischensequenzen können diesen Standard allerdings nicht halten und wirken in ihrer niedrigen Auflösung teilweise ebenso lieblos wie die unspektakulären Explosionen. Auf eine vollständige Lokalisierung wurde verzichtet. Die englischen Dialoge wurden nur untertitelt. Bei den Konsolen-Versionen dürften zudem die elendslangen Ladezeiten selbst die Nerven geduldiger Spieler über Gebühr strapazieren. Selbst wenn der Protagonist nur wenige Augenblicke nach einem Checkpoint ins Gras beißt, dauert das Laden eine gefühlte Ewigkeit.

Das Gameplay setzt in erster Linie auf Wiederholung: Begleitet von computergesteuerten Rebellenkumpanen bahnt sich der Spieler seinen eng gesteckten Weg durch die Ruinen von L.A. und ballert auf alles, was stechend rote Augen hat. Dabei greift John Connor auf Genre-erprobte Hilfsmittel zurück, kann aber immer nur zwei Schießprügel gleichzeitig tragen. Der eigentliche Kick im Kampf gegen das durchgeknallte Computersystem Skynet ist das intuitive Deckungssystem. Connor ist in der Lage, sich an eine Deckung zu schmiegen und per Knopfdruck die Position zu wechseln. Auf diese Weise kann er unbeschadet die Flanke seiner Feinde erreichen und ihre Schwachstellen beharken. Das macht anfangs Spaß, wird später jedoch zur lästigen und leider auch einzigen Aufgabe.

Um etwas Abwechslung ins vorhersehbare Spielgeschehen zu bringen, kann sich Connor gelegentlich hinter ein stationäres Geschütz klemmen oder mit dem Bordgeschütz eines Jeeps hartnäckige Verfolger abwehren. Aber selbst die Duelle mit sogenannten Hunter Killern, riesigen Flugmaschinen, sind viel zu leicht ausgefallen.

Einen Online-Multiplayer-Modus sparten sich die Entwickler. Dafür dürfen zwei Spieler gemeinsam im Split-Screen-Modus auf Maschinenjagd gehen. Ist der Fernseher groß genug, macht diese Variante sogar wirklich Spaß. Aber eben auch nur für kurze Zeit.

Terminator: Die Erlösung

Hersteller/Vertrieb

Grin/Evolved/Warner Interactive

Genre

Action

Plattform

PC, PlayStation3, Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Fazit: Die Terminator-Abwrackprämie in Höhe von 60 Euro ist schlicht zu hoch für das Gebotene. Von Schrott zu sprechen, wäre trotz schwammiger Steuerung und doofer Künstlicher Intelligenz aber auch zu viel des Schlechten. "Terminator: Die Erlösung" ist ein solider Action-Titel - weniger spannend als der Kinostreifen, besser als so manch andere Filmumsetzung.

Artur Hoffmann/Teleschau TELESCHAU

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker