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E-Learning Das Lernen der Zukunft


Digitale Technik kann im Unterricht beim Lernen helfen, wenn sie sinnvoll eingesetzt wird. In Berlin diskutieren Experten über aktuelle Entwicklungen im E-Learning. stern.de erklärt fünf Trends des elektronisch unterstützten Lernens.
Von Lutz Steinbrück

Auf Lernende kommt einiges zu: In der globalisierten Wissensgesellschaft, prophezeit der Soziologe Richard Sennett, werden heutige Studenten bis zu elf Mal den Job wechseln und ihre Wissensbasis drei Mal austauschen. Bei dieser Entwicklung sind individualisierte digitale Lernangebote gefragt.

Im noblen Hotel InterContinental nahe dem Berliner Ku'damm dreht sich dieser Tage alles ums E-Learning: Noch bis Freitag steigen Experten aus Bildung, Forschung und Wirtschaft hier ab, um die Zukunft digitalen Lernens zu diskutieren , auf 14. Online Educa, einer Konferenz und Fachmesse für technologisch gestützte Aus- und Weiterbildung.

Auf der Online Educa geht es nicht nur um Lernkonzepte, wie sie die Wissensgesellschaft erfordert, sondern auch um Erwartungen medienkompetenter Schüler an den Unterricht der Zukunft. Welche Rolle spielt E-Learning dabei? Wie können Schulen, Hochschulen und Unternehmen reagieren? Mehr als 2000 Besucher aus 90 Ländern werden erwartet, 120 internationale E-Learning-Anbieter stellen ihre Produkte und Dienstleistungen vor. Die wichtigsten E-Learning-Trends stellen wir im Kasten links vor.

Blended Learning

Mit dabei: Das Center für Digitale Systeme (CeDiS) mit Sitz an der Freien Universität Berlin. Im Oktober startete das CeDiS erstmals einen achtwöchigen Lehrgang zum E-Trainer für Dozenten, Seminarleiter und Trainer der hochschulexternen Aus- und Weiterbildung. Damit sind die Teilnehmer zertifizierte Fachleute für mediengestützte Bildungsveranstaltungen. Weitergebildet wurden sie mittels "Blended Learning". Ein Konzept, für das E-Learning eine tragende Rolle spielt. "Dabei wechseln gemeinsame Schulungen mit Online-Phasen ab, in denen die Lernenden von anderswo lernen", erklärt Jochen Dietz, E-Learning-Berater am CeDiS.

Alle Teilnehmer haben ortsunabhängig Zugriff auf eine Online-Lernplattform, über die sie sich mit digitalen Werkzeugen wie Blogs oder themenspezifischer Wikis austauschen können. Die Lernenden entwickeln individuelle Szenarien für eigene Aus- und Weiterbildungen. "Erfahrungsgemäß sind Teilnehmer von Blended-Learning-Kursen ungewöhnlich gut auf eigene Schulungen vorbereitet", so Dietz. Dies liege an der intensiven Betreuung auch während der Online-Phasen.

Schüler-Podcasts in virtuellen Klassenzimmern

Online-Lernplattformen werden auch in schulischen Zusammenhängen genutzt. Virtuelle Klassenzimmer sind für Lernende via Internet zugänglich. Meist sind Web-2.0-Tools wie Blogs, Wikis, Podcasts oder Social Networks integriert. Sie bieten Chancen zur Interaktion. "Da Lernen ein soziales Geschehen ist, sind solche Ansätze positiv zu bewerten", meint Prof. Wilfried Hendricks vom Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft an der Technischen Universität Berlin. Auch das Staatliche Berufskolleg Glas Keramik Gestaltung in Rheinbach habt Online-Lernplattformen eingerichtet. "Für den Fremdsprachenunterricht bringt Podcasting meinen Schülern am meisten", berichtet Stephanie Merkenich, die dort unterrichtet. "Da sie selbst englischsprachige Podcasts produzieren, reizt es sie sehr, die Sprache richtig anzuwenden und Sätze dafür zu wiederholen."

Sofatutor für daheim

Mit Hilfe von Videos lässt sich ab Januar 2009 auf www.sofatutor.de lernen - einem interaktiven Portal für Bildungsvideos mit Youtube- und Wikipedia-Elementen. In drei- bis 15-minütigen Filmen erklären Usern anderen Nutzern Wissenswertes für Schule, Studium oder Beruf. "Intern sprechen wir von Wissenshäppchen", erklärt Mit-Organisator Stephan Bayer, der selbst Sozial- und Wirtschaftswissenschaften studiert. Zum Start der Plattform gehen 1000 Filme online.

User können ihre Videos selbst auf die Seite stellen. Allerdings werden diese vorab einer Qualitätskontrolle durch Mathe-Doktoranden oder Physiklehrer unterzogen. Die Sofatutoren stellen außerdem Zusatz-Features bereit. Dazu zählen individuelle Playlists zu bestimmten Themen, Tags und Lernerfolgskontrollen in Form von Multiple Choice Tests. Auch Kommentare an bestimmten Stellen innerhalb der Videos ("timed comments") sind möglich. "Diese Funktion ist im Bildungskontext weltweit einmalig", sagt Bayer. Er ist sicher, dass Sofatutor als Video-Plattform neue Maßstäbe setzen wird. Wer mitmacht, zahlt monatlich zwischen sieben und zehn Euro.

Lernspielwelten in 3-D

Auch Lernspiele mit 3-D-Animationen sind eine Option. An der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in Berlin wird das "Games Lab" aufgebaut. Ein Labor, wo die Entwicklung und Wirkungsweise von Computerspielen erforscht wird. Im "Game-based Teaching and Training Labor" werden neue Lernkonzepte entwickelt. "Wir kooperieren dafür mit Unternehmen", erklärt Professor Carsten Busch von der FHTW. Zum Beispiel arbeitet man an an einem 3-D-Lernspiel für angehende Mechatroniker in der Autowirtschaft mithilfe von Echtzeit-Simulationen einzelner Arbeitsabläufe.

Digitales Lernen in der Zukunft

FHTW-Professor Carsten Busch glaubt, dass der Einsatz von Online-Medien für Lernprozesse weiter zunehmen wird. "Besonders von Computerspielen kann man viel für die Konzeption von Lernmaterialien lernen. Vor allem, was interaktives und handlungsbezogenes Lernen betrifft", meint er. Hendricks legt starken Wert auf didaktische Vielfältigkeit: "Ein gutes E-Learning-Programm ist didaktisch so aufbereitet, dass es differenziert und unterschiedlichen Lerntypen gerecht werden kann. Außerdem sollte es immer einen Ansprechpartner geben."


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