HOME

Gepimpter Uralt-Computer: Bastler surft mit 27 Jahre altem Mac im Internet

Als der Mac Plus 1986 auf den Markt kam, war das Internet noch nicht erfunden. Ein US-Amerikaner wollte wissen, ob er seinen Rechner mit Bastelei fit für das Netz von heute machen konnte. Es klappte.

Von Christoph Fröhlich

Der amerikanische Software-Entwickler Jeff Keacher ist Bastler aus Leidenschaft. Er liebt es, Dinge zu zerlegen, zu verstehen, wie sie funktionieren und sie anschließend wieder zusammenzusetzen. Und er liebt Herausforderungen. Im Jahr 1986, da war Keacher gerade einmal 13 Jahre alt, bekam er seinen ersten Rechner, einen Macintosh Plus. Noch heute ist er stolz auf seinen ersten Computer mit dem angebissenen Apfel darauf, wie er auf seinem Blog schreibt, auch wenn das Gerät längst veraltet ist. "Die technische Ausstattung verblasst selbst gegen meinen Kindle", schreibt Keacher. Trotzdem - oder gerade deshalb - will er der Welt zeigen, dass sein Rechner längst noch nicht zum alten Eisen gehört und wozu dieser mit etwas Bastelei noch in der Lage ist. Keacher beschließt, den 27 Jahre alten Computer fit für das Internet von heute zu machen - obwohl das World Wide Web, wie wir es heute kennen, erst 1989 und damit drei Jahre nachdem Reacher seinen ersten Computer bekam, erfunden wurde.

Qualmende Festplatte

Knapp zwei Jahrzehnte lag der Mac unbeachtet im Keller der Mutter, schreibt Keacher. 2600 US-Dollar kostete der Computer Mitte der Achtziger, dafür gab es einen Acht-Megahertz-Prozessor, vier Megabyte Arbeitsspeicher, eine 50-Megabyte-Festplatte und einen Schwarz-Weiß-Bildschirm mit einer Auflösung von 512 mal 342 Pixeln. Nachdem sich Keacher den Mac zuschicken ließ, gelang es ihm tatsächlich, den Rechner zum Laufen zu bringen - wenn auch nur für kurze Zeit. Denn nach wenigen Minuten gab die Festplatte ungewöhnliche Geräusche von sich und fing an zu qualmen. Ein Kondensator war geplatzt.

Wenige Tage später war ein Ersatzteil besorgt, und Keacher konnte sich dem eigentlichen Problem widmen: Wie bringt man einen Computer ohne Schnittstellen und die passende Software ins Internet? Zunächst einmal brauchte Keacher einen funktionierenden Browser. Das war kein Problem, schreibt der Software-Entwickler, "dank Typen, die längst vergessene FTP-Seiten in den staubigen Ecken des Internets betreiben". Auf einer dieser Seiten entdeckte er den Browser MacWeb 2.0 aus dem Jahr 1996. Die Software war alt genug, dass sie auf dem Mac Plus startete, aber zugleich in der Lage, auch HTML-Seiten darzustellen und mit HTTP-Verbindungen klarzukommen.

Ein Mini-Computer als Adapter

Die größere Herausforderung war es, den Mac mit dem Router zu verbinden. "Der Mac Plus hatte keinen Ethernet-Anschluss, und Dinge wie Wlan wurden erst Jahre später erfunden", schreibt Keacher. Mit Hilfe eines Raspberry Pi gelang ihm das Kunststück: Mit dem 35 Euro teuren Mini-Computer wählte sich Keacher ins Netz ein, und über einige Adapter und Pegelwandler konnte der Hobbybastler den Raspberry Pi an den Mac Plus anschließen.

Als Keacher dann lossurfen wollte, trat Ernüchterung ein: Der 17 Jahre alte Browser kam mit vielen Dingen, die heute normal sind - etwa Cookies -, nicht klar. Kein Wunder: Zu jener Zeit, als das Programm geschrieben wurde, war das Internet kaum mehr als schwarzer Text auf einer weißen Webseite, die durch einzelne Links miteinander verbunden waren.

"Soooo laaangsaaaam"

Keacher suchte Rat bei seinem Freund Tyler, der innerhalb von zwanzig Minuten eine Lösung fand: Er schrieb eine Software, die alles herausfilterte, womit der zwei Jahrzehnte alte Browser überfordert war. Nun konnte es losgehen. "Sicher, es war langsam wie die Hölle, aber es funktionierte. Daten wurden geladen, Seiten gerendert, und Links konnten angeklickt werden." Nun brauchte Keacher nur noch eines: Geduld. "Es ging langsam", schreibt er auf dem Blog. "Soooo laaangsaaaam. Langsam, langsam, langsam." Der Grund: Vom Highspeed-Internet blieb nach dem Umweg über den Raspberry Pi und die Pegelwandler nicht mehr viel übrig, das Signal am Mac Plus war gerade einmal 19 Kilobit pro Sekunde schnell. Zwischenzeitlich dachte Keacher, sein Rechner wäre abgestürzt. Doch nach mehreren Minuten Ladezeit war es soweit: Ein Wikipedia-Artikel poppte auf dem pixeligen Schwarz-Weiß-Bildschirm auf. Es war der Artikel über den Mac Plus.

Hier können Sie dem Verfasser auch auf Twitter folgen.

Der Autor Christoph Fröhlich auf Google+

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.