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Heimkino am Computer: Satter Sound

Immer mehr Kinofreaks schauen die neuesten Video-DVDs auf ihrem Computer statt im Fernsehen an. Doch wie verwandelt sich der nüchterne PC in ein kuscheliges Heimkino? Klar: An dieser Stelle muss der PC ein wenig aufgerüstet werden.

Ein DVD-Laufwerk, eine billige Soundkarte und ein paar Boxen. Mehr Hardware braucht der Kinofreund nicht, um die neuesten Video-DVD auch auf dem PC abspielen zu können. Das Filme schauen am Rechner lohnt sich: Der moderne PC-Bildschirm weist eine deutlich höhere Auflösung auf als der Fernseher. In der Folge lassen sich die extrem detailreichen Bilder einer DVD auf einem guten Röhren- oder TFT-Bildschirm auch besonders gut sichten.

Ein weiterer Vorteil: Am Rechner ist es ganz bequem möglich, Bildschirmfotos zu schießen, per Mausklick die Voreinstellungen zu ändern oder ein virtuelles Lesezeichen im Film zu setzen, das sich später einfach wieder "aufblättern" lässt. Viele Kinofreunde legen nach Arbeitsschluss zur Entspannung erst die Beine auf den Tisch und dann die neueste Video-DVD ins Laufwerk. Andere nutzen bereits ihren Notebook als transportablen DVD-Player, um auf dem langen Weg ins Büro noch einen halben Film in Bus oder Bahn zu schauen.

Die technische 08/15-Lösung mit Standard-Soundkarte und zwei Stereo-Boxen mag völlig ausreichend dimensioniert sein, wenn es darum geht, Fernsehserien auf DVD abzuspielen. Hier liegt der Sound eh nur im Stereoformat vor. Was ist aber, wenn Topfilme wie "Fluch der Karibik" oder "Terminator III" im Computer-Laufwerk zum Einsatz kommen? Diese DVDs bieten einen exzellenten Mehrkanalsound an, der sechs, sieben oder gar acht Boxen auf einmal bedienen kann. Um diese Film in der passenden Klangkulisse genießen zu können, benötigt der Cineast einen erstklassigen Decoder und das passende Boxensystem.

Die entsprechenden Ausgänge stehen bereit, um wahlweise nur ein simples Stereo-Boxenpaar oder gleich ein 5.1-, 6.1- oder 7.1-Mehrkanal-Lautsprechersystem mit dem Decoder zu verbinden. Empfehlenswert sind heutzutage eigentlich nur noch 7.1-Systeme, die bei der Neuanschaffung längst nicht mehr so teuer sind wie noch vor einem Jahr und die für zukünftige wie für die bereits existierenden Heimkinoformate bestens gerüstet sind. Das Kürzel 7.1. weist übrigens auf ein Lautsprechersystem mit sieben Satelliten-Lautsprechern und einem dicken Bass-Subwoofer hin. Die Satelliten werden nach einem vorgegebenen System um den Anwender herum postiert, während der Subwoofer auch unter dem Schreibtisch landen kann - Bässe lassen sich nicht orten, deswegen ist der Standort des Subwoofers völlig unwichtig.

Creative DDTS-100 als Decoder

Viele DVD-Software-Player wie etwa "PowerDVD" von Cyberlink bieten interne Decoder für die Mehrkanal-Tonsysteme Dolby Digital 5.1 und DTS an. Aber klingen sie auch gut? Besser ist es allemal, eine Hardware-Lösung vorzuziehen und etwa eine moderne Soundkarte mit integriertem Decoder einzusetzen. Inzwischen gibt es viele Soundkarten, die entsprechende Lautsprecher-Ausgänge sogar für 7.1-Systeme mit acht Boxen zur Verfügung stellen. Die Ausgabe für die Soundkarte kommt dann aber nur dem Computer zugute. Wer andere Geräte wie etwa einen DVD-Player oder eine Spielekonsole an die Boxen abschließen möchte, benötigt dann doch wieder einen externen Decoder.

Die Firma

Creative

stellt mit dem

Gerät DDTS-100

einen solchen digitalen Standalone-Decoder zum verträglichen Preis an. Das Gerät lässt sich nicht nur mit der Soundkarte verkabeln, sondern zugleich auch an den CD- oder DVD-Player, an einen Satellitenreceiver, eine Spielekonsole oder einen MP3-Player anschließen - gerne können bis zu acht (!) Geräte simultan mit dem DDTS-100 verbunden werden.

Entsprechend viele Eingänge bietet das Gerät an. Es stellt gleich drei optische und einen koaxialen Digitaleingang zur Verfügung. Hinzu kommen drei analoge Stereoeingänge, ein 7.1-Ein/Ausgang und zwei Kopfhörerausgänge. Das sollte ausreichen, um jedes noch so extravante und Krach schlagende Gerät an den DDTS-100 anzuschließen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Decodern am Markt deckt der DDTS-100 das volle Programm ab. Er kommt demnach nicht nur mit Dolby Digital Stereo, PCM, Dolby Digital 5.1 und DTS zurecht, wie das sonst oft der Fall ist. Zusätzlich unterstützt das Gerät die "edlen" Kino-Surroundformate DTS-ES, Dolby Digital EX, Dolby Pro Logic 2 und DTS Neo:6. Die beiden erstgenannten Formate sprechen statt sechs Lautsprechern bereits sieben an. Sie bieten einen noch feineren Raumklang als die bewährten 5.1-Systeme. Die beiden letztgenannten Formate sind dazu in der Lage, beliebige Stereosounds auf allen Lautsprechern einer 5.1- oder 6.1-Anlage zugleich abzuspielen, sodass ein Raumklang wenn schon nicht erreicht, so doch wenigstens simuliert wird. Wichtig ist beim Betrieb am PC nur eines: Die internen Decoder der DVD-Software und der Soundkarte müssen ausgeschaltet werden, damit der DDTS-100 an ihrer Stelle den Job übernehmen kann.

Silberne Nobelkarosserie

Der DDTS-100 stellt sich als aufrecht stehender Kontrollturm vor, der am PC einfach auf das Towergehäuse gestellt wird. Ein Knopfdruck reicht aus, um den Standalone-Decoder einzuschalten. Zwei bis drei weitere Tastendrücke sind erforderlich, um den Signaleingang zu bestimmen, den das Gerät verarbeiten soll. Hängen gleich mehrere Player an dem DDTS-100, so ist das Umschalten von einer Soundquelle zur nächsten also nur eine Angelegenheit von Sekunden. Das Handbuch führt in die Bedienung der wenigen Kombitasten gut ein, sodass es schon bald kein Problem mehr ist, schnell vom PC-Sound etwa zum zusätzlich mit angeschlossenen MP3-Player zu wechseln.

Wer gerne ein Online-Radio hört, eine CD am Rechner abspielt oder Musiken von der Festplatte in den Windows Mwedia Player lädt, der kann diese Musiken normalerweise nur in Stereo genießen. Per Knopfdruck wechselt der Anwender nun zum Soundformat Dolby Pro Logic 2 - und genießt seine Musik auf einmal aus allen angeschlossenen Lautsprechern zugleich. Das hat doch schon etwas. Möglich ist es an Ort und Stelle auch, die optimale Lautstärke für alle angeschlossenen Lautsprecher festzulegen. Eine beiliegende Fernbedienung erlaubt es außerdem, sich beim Schauen eines Films gemütlich im Schreibtischstuhl zurückzulehnen, um von hier aus alle wichtigen Funktionen des Decoders per Daumendruck aufzurufen.

Im Praxistest zeichnet sich der DDTS-100 durch seinen exzellenten Klang aus, der auch verwöhne Heimkino-Fetischisten ins Schwärmen bringt. Vor allem bei den höher auflösenden Formaten wie DTS-ES oder Dolby Digital EX ist jedes noch so leise Geräusch absolut klar und in sich abgegrenzt zu vernehmen. Wer den DDTS-100 erst einmal an seinen Rechner angeschlossen hat, möchte das Gerät nicht mehr demontieren. Das liegt sicherlich auch an der noblen Verarbeitung des Decoders mit seinem schwarzen Gehäuse und der stark silbern spiegelnden Frontblende mit den erhabenen Drehreglern und den integrierten Druckknöpfen. Das Gerät selbst ist seit Anfang des Jahres im Fachhandel erhältlich. Es kostet 149 Euro.

Die passenden Lautsprecher

Ohne die passenden Lautsprecher lässt es auch der Decoder alleine noch nicht richtig scheppern. Creative selbst bietet deswegen das 7.1-System Inspire T7700 als Highend-Lösung für 149 Euro an. Im schweren Paket sind sechs Satelliten-Boxen mit je acht Watt Leistung, ein Center-Lautsprecher mit 20 Watt und ein Subwoofer mit 24 Watt enthalten. Die Satelliten lassen sich auf kleine Standfüße montieren, gerne aber auch auf Teleskopfüße stellen, die separat im Handel zu haben sind. Alle Boxen werden bequem an den Lautsprecher angeschlossen. Die Kabel für die beiden Seitenlautsprecher und die beiden hinteren Boxen sind lang genug, um ein paar Meter im Arbeitszimmer zu überbrücken. Die Lautstärke und auch die Bass-Lastigkeit des Sounds regelt der Anwender mithilfe eines kleinen Kästchens, das ebenfalls mit dem Subwoofer verbunden wird. Gelungen: Die Boxen schlagen nicht nur dann Krach, wenn eine neue Video-DVD im Laufwerk vorliegt. Auch beim Abspielen eines Computerspiels im Soundformat EAX Advanced HD (und Verwendung einer kompatiblen Soundkarte) lässt es das Lautsprechersystem im Arbeitszimmer richtig schön laut werden.

Carsten Scheibe
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