Hightech in Japan Von Burger-Spendern und freundlichen Klos


Im Hightech-Land Japan ist vieles anders - sogar die Toiletten. Nicht nur dass sich die Klodeckel von selbst öffnen, sie sorgen auch noch für echte Diskretion. Das ist aber bei den technikbegeisterten Japanern noch nicht alles. Sie leben in einer kompletten Welt aus fürsorglichen Automaten.

"Herzlich Willkommen" säuselt eine Frauenstimme in der eisigen Winterluft. "Wie wäre es heute mit einem Warmgetränk?". Verwundert starrt der Passant aus dem fernen Westen den Selbstbedienungsautomaten vor sich an. Ein Automat, der sprechen kann? Der verdutzte Passant wählt aus einem Dutzend fast kochend heißer Kaffeedosen mit ebenso vielen Geschmacksrichtungen von bitter bis süß, mit Milch oder ohne bis rabenschwarz und wirft das Geld ein. "Vielen Dank. Haben Sie noch einen schönen Tag", sagt die Maschinenstimme mit perfekter japanischer Höflichkeit.

Willkommen im freundlichen Hightechwunderland Japan, wo die Menschen oft in engsten Wohnverhältnissen leben müssen, dank einer einzigartigen Vielfalt an kleinen und großen Erfindungen im Alltag aber derart umsorgt werden, wie wohl nirgendwo sonst auf der Welt. Denn Japan entwickelt nicht nur Roboter, die in Zukunft dem Menschen als Partner zur Seite stehen und bei der Altenpflege oder beim Aufräumen helfen sollen. Viele Erfindungen in Japan sind viel simpler, aber nichtsdestotrotz ebenso praktisch.

Das fängt schon beim morgendlichen Gang zur Toilette an. Ist man erstmal wie jetzt im Winter durch den mangels isolierter Fenster eiskalten Wohnungsflur zum stillen Örtchen gehastet, erwarten einen eine elektrisch gewärmte Klobrille samt warmer Gesäßspülung. Und Japans Hightech-Klos, deren Armaturen an das Cockpit von Kampfjets erinnern, haben noch mehr zu bieten. "Toiletten sind der einzige Ort in Japan, wo man allein sein kann. Viele wollen sich hier entspannen", sagt die Empfangsdame im Showroom eines WC-Herstellers.

Wie zum Gruß klappen die sensorgesteuerten Klodeckel hoch, wenn man sich ihnen nähert - für männliche Nutzer geht per Fernbedienung auch die Brille nach oben. Sodann säuselt aus einer Kloschüssel friedliches Vogelgezwitscher, begleitet vom süßen Duft der "wilden Rose", während eine andere Toilettenattraktion mit klassischer Musik aus dem Spülkasten das menschliche Geschäft untermalt.

Japanische Unternehmen lassen sich immer wieder neue Dinge einfallen, um die oft widrigen Wohnbedingungen so angenehm wie möglich zu gestalten. Da japanische Häuser klein sind und in der Regel keine Keller haben, muss jeder Winkel genutzt werden. Ob aufblasbare Heißluftkammern zum Wäschetrocknen, Plastiksäcke, in denen mit dem Staubsauger die Winterbettdecken zusammengepresst und platzsparend über den Sommer verstaut werden, bis hin zu Schläuchen für die Badewanne, die das warme Badewasser für die vielfach noch ausschließlich für kaltes Wasser konzipierten Waschmaschinen ansaugen.

Auch außerhalb seiner Wohnung wird dem Japaner das stressige Alltagsleben vereinfacht: So bekommt er an beinahe jeder Straßenecke in 24 Stunden hindurch geöffneten "convenient stores" (zu deutsch: praktische Läden) alles, was das Herz begehrt: von Rasierklingen, Lebensmitteln, über Socken, diversen Fertiggerichten, die in der Mikrowelle auf Wunsch gleich aufgewärmt werden, bis zu Pornoheften. Daneben kann er an Automaten Geld abheben, Konzertkarten kaufen oder sein Mobiltelefon aufladen. Apropos Mobiltelefon: Mit ihnen kann man nicht nur Telefonieren und Kurzmitteilungen verschicken, sondern auch Reisen buchen, Comics und Romane lesen, Fernsehen schauen, an Automaten Getränke kaufen sowie Bus, Bahn und selbst Taxis bezahlen.

Und neben all dem wird der Inselbewohner auf Schritt und Tritt von unterschiedlichsten akustischen Ansagen begleitet, als wolle man ihm auch das Mitdenken abnehmen. "Bitte achten Sie darauf, keine Gegenstände an Ihrem Platz zu vergessen. Verlassen Sie den Wagen hinter Ihrem Vordermann und stolpern Sie nicht", quäkt die Stimme des Bahnhofsvorstehers allmorgendlich aus den Lautsprechern. Und auch viele Lastwagen sorgen sich um das Wohlergehen der Passanten: "Bitte Vorsicht, ich biege jetzt links ab", plärrt ein Endlosband unaufhörlich aus den Brummis. Genau wie aus vielen Rolltreppen, die höflich darauf hinweisen, bitte darauf zu achten, wohin man tritt.

Lars Nicolaysen/DPA DPA

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