Polizei Zweiter Anlauf zur computergestützten Verbrecherjagd

Mit Hilfe modernster Computertechnik soll die Suche nach Verbrechern schneller und einfacher werden. Eine Software namens "Inpol-Neu" unterstützt die Polizei nun bei ihrer Arbeit.

Mit Hilfe der modernen Computertechnik soll die Suche nach Verbrechern schneller und einfacher werden. Mit diesem Ziel hatte das Bundeskriminalamt (BKA) in jahrelanger Arbeit eine Software mit dem Namen "Inpol-Neu" entworfen. Der erste Testlauf im April 2001 endete in einem Desaster: Das neue System brach schon nach wenigen Minuten zusammen. Nach mehr als zweijähriger Programmentwicklung ist es nun aber soweit. Am 16. August gibt das BKA den Startschuss für das neue Informationssystem der Polizei.

An "Inpol-Neu", das bereits in einigen Bundesländern genutzt wird, sollen neben dem BKA auch der Zoll und der Bundesgrenzschutz sowie die Polizeibehörden aller Bundesländer angeschlossen werden. Von 270.000 Arbeitsplätzen aus sollen die Ordnungshüter ohne größeren Aufwand auf zahlreiche Datensätze zurückgreifen können.

System von 1972

Bislang musste sich die Polizei mit "Inpol-Aktuell" auseinander setzen. Als dieses System in Betrieb genommen wurde, galt es als revolutionär - doch das war 1972. Das Programm beruht auf zahlreichen voneinander getrennten Dateien etwa über Straftäter, Kriminalakten, Haftstrafen oder Tatwerkzeuge. Beziehungsgeflechte zwischen gesuchten Personen, Gegenständen und offenen Fällen herzustellen, ist eine entsprechend mühsame und zeitaufwändige Arbeit. Zudem verlangen sämtliche Dateien neue Zugangsberechtigungen und haben unterschiedliche, teilweise äußerst komplizierte Benutzeroberflächen. Auch das erschwert die Arbeit der Kriminalisten.

Schulung unnötig

Das neue Netz werde hingegen so einfach zu bedienen sein wie eine moderne Internet-Suchmaschine, schwärmte Harald Lemke, nachdem er beim BKA nach der Pleite vom April 2001 die Entwicklung der neuen Software übernommen hatte. Holger Gadorosi, sein Nachfolger in dieser Funktion, versprach kürzlich in einem Artikel für die Fachzeitschrift "Kriminalistik", die Arbeit mit dem System sei so einfach, dass flächendeckende Schulungen unnötig seien.

Noch wichtiger: Die Ermittlungen sollen schneller und effektiver werden als bislang. So soll beispielsweise rascher als bisher erkennbar sein, ob ein Bürger als gewalttätig gilt oder ein Fahrzeug als gestohlen gemeldet wurde. Auch eventuelle Zusammenhänge zwischen verschiedenen Fällen und Personen sollen künftig ohne langes Aktenstudium automatisch hergestellt werden.

Gerade in diesem Bereich funktioniere noch nicht alles nach Wunsch, räumt Horst Müller von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ein. Für einige Bundesländer, die noch nicht so weit seien, werde es Übergangslösungen geben, so dass sie auf die Daten von "Inpol-Neu" zugreifen könnten, auch wenn sie noch nicht direkt an das Computernetz angeschlossen seien. Er gehe aber davon aus, "dass die Sache irgendwann rund wird". Bis dahin dürften viele schon zufrieden sein, wenn das System besser funktioniert als beim ersten Test vor zweieinhalb Jahren.

Axel Hofmann DPA

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