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Razer-Chef Robert Krakoff: Spiel mir das Lied von der Jugend

Robert Krakoff stellt als Gründer der Zubehörfirma Razer Geräte für Computerspieler her. Der US-Amerikaner ist als "Razerguy" eine Kultfigur der Szene, weil er mit den Spielern auf Augenhöhe kommuniziert. Für ihn sind Computergames ein Jungbrunnen. Schließlich ist Krakoff bereits 69 Jahre alt.

Von Nina Ernst

Es scheint, als hätte Robert Krakoff die Natur überlistet. Er ist ein Workaholic, für den 18-Stunden-Tage eher die Regel als die Ausnahme sind. Trotz aller Umtriebigkeit wirkt er völlig entspannt. Ständig entwirft oder plant der Amerikaner etwas, diskutiert, schreibt, ist auf der Suche nach neuen Reizen für seine Synapsen, die auf keinen Fall einrosten sollen. Er ist ein Gesundheitsfreak und meint, sein Gehirn fühle sich so an wie damals, als er 15 Jahre alt war. Das ist schon mehr als ein halbes Jahrhundert her. Trotzdem wirkt die Behauptung glaubwürdig. Sein Geheimrezept: Computerspiele.

Der 69-jährige Kalifornier mit dem Minipli auf dem Kopf besitzt bei vielen Leuten Kultstatus. Die meisten kennen ihn nur unter dem Namen Razerguy, Krakoffs Nickname in der virtuellen Welt. Der steht auch auf Krakoffs metallenen Visitenkarte. Als Präsident der Firma Razer entwirft er Mäuse, Tastaturen und anderes Luxuszubehör für Computerspieler.

"Nur eine Passion. Mehr nicht"

Was Spiele für ihn bedeuten? "Es ist nur eine Passion", meint Krakoff. Mehr nicht. "Ich bin ein Play-O-Holic". Durch Spiele im Web bleibt er mit Freunden in Kontakt, lernt neue Menschen kennen und hält die grauen Zellen auf Trab. "Viele Leute in meinem Alter verlieren viel Lebensqualität, weil sie sich ausschließlich mit linearen Dingen befassen und einrosten", sagt Krakoff. "Spiele sind unlinear, man muss jede Minute Entscheidungen treffen, vieles gleichzeitig tun. Das ist gut fürs Hirn".

Über den Alterungsprozess im Gehirn und darüber, was ihn aufhält, kann Krakoff ganze Vorträge halten. Er liest jede wissenschaftliche Studie, die seine Frau von ihrer Arbeit als Psychologin und Hirnforscherin mit nach Hause bringt. Krakoff vergleicht das Erkunden und Agieren in Spielwelten mit dem Erlernen neuer Sprachen und dem Reisen in andere Länder. Und das halte jung. Der Spielefan liebt die riesigen Welten der Onlinerollenspiele ebenso wie Actiongames, in denen vor allem Reaktionsvermögen zählt.

Das Geheimnis des Kräutermix

Die Reaktionsübungen kommen dem Razerguy bei seinem Training auf dem Tennisplatz zugute, wo er täglich eine weitere Geheimwaffe aus seiner Arbeitswelt einsetzt. Gemeinsam mit seiner Frau vertreibt er einen selbst kreierten Kräutermix, der angeblich die Hirnleistung ankurbeln soll. Nebenbei schreibt Krakoff Romane. "Ich mache vieles: arbeiten, spielen, das Leben genießen", sagt er. All das zu trennen, hält er für überflüssig.

Der Job bei Razer macht ihm am meisten Spaß: "Es ist mein Baby". Eins, das viel Aufmerksamkeit braucht. Die Arbeit an der jüngsten Maus hat fast drei Jahre gedauert. Bis ein Gerät in Produktion geht werden etliche Befragungen und Tests durchgeführt, das Nutzerverhalten wird mit an den Händen angebrachten Kameras studiert. Ständig wird neu entworfen, an Details gefeilt. Und überall hat Krakoff seine Finger mit im Spiel, von der Ideenfindung bis zum Marketing.

Das Wichtigste ist für ihn der Kontakt zur Zielgruppe. Er treibt sich dort herum, wo auch sie sich aufhält. In Netzwerken wie Facebook und Myspace ist er ebenso aktiv wie bei Twitter und seinem Blog. Täglich beantwortet er rund 300 E-Mails von Fans: "Spieler sind technisch interessiert und haben gute Ideen".

Spielen im Job

Krakoff glaubt, dass Spielen kreativ macht. Während er erst nachts Zeit zum Zocken findet, sollen seine Angestellten schon tagsüber an extra dafür aufgestellten PCs virtuelle Welten bereisen.

Sie sollen auf dem Laufenden bleiben und denken wie die Zielgruppe. Außerdem seien Spieler die besten Angestellten, sagt der Razerguy: "Sie kennen kein Scheitern. Spieler kennen nur das Prinzip des Restarts", des erneuten Versuchs, wenn mal etwas nicht auf Anhieb funktioniert.

Momentan arbeitet die Belegschaft an "einer ganz großen Sache für 2010", wie Krakoff sagt. Doch zunächst steht Anfang Oktober sein 70. Geburtstag an. Den will er mit seinen Hobbys verbringen: Spielen und Arbeiten: "Ich liebe es. Bei mir gibt es keine freien Tage".

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