SCHEIBE Alles Neue macht der Mai?


Wir benötigen im Büro jedes Jahr ein neues Gerät, um wenigstens halbwegs auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben. Doch wie bringt man den Bürorechner am effizientesten auf Vordermann?

Das mit den Computern ist so eine Sache. Ich habe festgestellt, dass wir im Büro jedes Jahr ein neues Gerät benötigen, um wenigstens halbwegs auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben. Doch wie bringt man den Bürorechner am ehesten auf Vordermann? Soll man einzelne Komponenten austauschen oder ist es doch besser, gleich in ein neues System zu investieren?

Wenn das Foto zu groß für den Bildschirm ist

Wenn die Nächte lang und die Schnäpse kurz sind, bringen sich freischaffende Computerjournalisten gerne mit ihren Erlebnissen aus den grauen Computerurtagen in Stimmung. Meine Lieblingsgeschichte ist immer noch die, wie ich einmal vor Jahren alle Bilder für einen PC-Workshop noch einmal neu schießen musste, weil die Redaktion eines heute noch immer angesehenen PC-Blattes nicht dazu in der Lage war, Bilder in der Auflösung 800x600 auf dem eigenen Monitor darzustellen - der war zu klein dazu.

DAT is' ja 'n Ding

Mein Freund Marco erinnert sich in bierseliger Laune gerne an die ersten Tage der CD-Brennerei. Tatsächlich, da war doch mal was mit 80-Megabyte-Syquest-Wechselmedien gewesen, die dann gegen einen sauteuren DAT-Streamer eingetauscht wurden. Auf einem winzigen DAT-Band wurden dann die Master-CDs für die Produktion abgegeben - heute völlig unvorstellbar.

ZIP, das unbekannte Wesen

Peter spuckt immer gerne prustend sein Bier über den Tresen, wenn er daran denkt, dass Dutzende Redakteure an seinen damals noch nicht allzu sehr verbreiteten ZIP-Archiven verzweifelt sind - und versucht haben, sie in die Textverarbeitung zu laden.

Nichts für ungut - sicherlich haben die Herren Redakteure ihre eigenen Geschichten über strunzdumme freie Autoren in petto. Eine höre ich auf der CeBIT immer wieder. Sie endet damit, dass der freie Autor total besoffen in der Ausnüchterungszelle der Polizei landet - Jugendsünden, die sich heute scheinbar keinem bekannten Gesicht mehr zuordnen lassen.

Ganz egal, über was wir damals gelacht und geflucht haben. Fakt ist doch: Wer mit Computern geschäftlich zu tun hat, muss ständig in die allerneueste Technik investieren, um up-to-date und damit konkurrenzfähig zu bleiben. Da reicht es eben nicht aus, die rauchgraue Kiste vier Jahre lang abzuschreiben, um dann erst nach neuen Angeboten Ausschau zu halten. Von Jahr zu Jahr werden die Computer schneller, besser und auch billiger. Und es kommen immer neue Gerätschaften dazu, man denke nur an das DVD-Laufwerk.

Wie ist's am günstigsten?

Bei uns im Büro haben wir das Problem zunächst einmal so gelöst: Jedes Jahr wird ein einzelner Arbeitsplatz aktualisiert, sodass mindestens immer ein Rechner topaktuell in Schuss ist. Unser Problem ist nur, dass wir nicht so recht wissen, wie wir unseren Rechnerpark am besten auf Vordermann bringen.

Früher: der Rechner geht, die Peripherie bleibt

Vor einigen Jahren noch habe ich die selbst erfundene SCSI-Taktik verfolgt. Alle wichtigen Gerätschaften wie Festplatten, Scanner, CD-Laufwerke, Brenner und JAZ-Laufwerke habe ich nur in externen Gehäusen und als SCSI-Modelle eingekauft. Dabei musste man im Vergleich zur internen Fassung zwar immer den einen oder anderen Hunderter dazubezahlen. Der Vorteil dieser Technik lag aber auf der Hand. Einmal im Jahr wurde einfach ein komplett neuer Rechner gekauft - allerdings in der Sparversion. Das neue Modell bestand nur aus dem Tower, dem Motherboard und dem Arbeitsspeicher. Auch eine neue Grafik- und Soundkarte gönnten wir uns. An diesen neuen Rechner wurden dann die bereits vorhandenen externen Platten, Scanner, Laufwerke und Brenner angeklemmt - fertig war der moderne Rechner. Diese Form des Hardware-Updates minimierte die Kosten und sorgte für einen schnellen Prozessor und ausreichend Speicher.

Heute: alles neu macht der Mai

Heute bin ich von dieser Taktik leider wieder abgekommen. Was nützt mir denn meine alte externe 2-Gigabyte-Festplatte, wenn bereits das DVD-Kopierprogramm eine freie Partition mit sieben Gigabyte einfordert? Was bringt mir mein riesiger alter Scanner, wenn die neuen Modelle nur noch halb so groß und ein Viertel so teuer sind? Meine Uralt-Maus kann auch in den Müll, da die neuen kabellosen Modelle mit Rädchen viel besser sind. Und die modernen Tastaturen von heute haben eine echte Fenster-Taste und oft noch ein paar programmierbare Zusatztasten. USB statt SCSI lautet auf einmal das Zauberwort - und auch USB steht schon wieder auf dem Prüfstand und soll bald mit etwas noch Schnellerem ersetzt werden.

Also habe ich es aufgegeben. Inzwischen machen wir es so, dass wir im Büro einmal im Jahr einen komplett neuen Computer mit allem Drum und Dran einkaufen. Beim alten wird noch rasch geschaut, ob einzelne Komponenten sich nicht vielleicht doch noch nutzen lassen. Vielleicht für den Praktikantenplatz? Ansonsten verschenken wir den Kram - und haben oft noch Probleme, einen willigen Abnehmer zu finden. Wer möchte sich auch einen bulligen 21-Zoll-Monitor mit sieben Jahren Dauereinsatz auf dem Buckel ins Zimmer stellen, wenn die neuen flachen TFT-Bildschirme zum Kauf reizen? Auch meinen alten Laserdrucker werde ich nicht mehr los. Der rasselt zwar tatsächlich wie ein liebeskranker Kühlschrank. Meine Freunde verweisen aber darauf, dass sie auch keinen Platz mehr auf dem Schreibtisch haben - für das Museumsstück. Und dass es supertolle Farb-Tintenstrahler inzwischen für einen Hunderter gibt.

Braucht noch jemand 5-1/4-Zoll-Disketten?

Irgendwie warte ich auf das innovative Angebot eines Händlers, der mir einmal im Jahr einen topmodernen Rechner ins Büro stellt und dafür einfach den alten Rechner wieder mitnimmt. Bis dahin überlege ich, ob vielleicht doch noch jemand die Kiste mit den alten 5-1/4-Zoll-Floppies gebrauchen kann, die seit fünf Jahren unter meinem Schreibtisch steht.

Carsten Scheibe


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