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scheibe: Mein persönliches Windows ME

Microsoft ist ein bisschen spät dran. Das ME im neuen Volks-Windows steht für »Millennium Edition«. Ich habe das neue Jahrtausend bereits Sylvester 99/00 abgefeiert und seitdem irgendwie keine große Lust mehr, ständig das Millennium serviert zu bekommen.

Microsoft ist ein bisschen spät dran. Das ME im neuen Volks-Windows steht für »Millennium Edition«. Ich habe das neue Jahrtausend bereits Sylvester 99/00 abgefeiert und seitdem irgendwie keine große Lust mehr, ständig das Millennium serviert zu bekommen. Das Wort an sich ist völlig out. Ich würde ME gerne anders übersetzen mit »Mehr Extras«, denn genau das ist es, was ich von der neuen Version fast zwingend erwarte, um nicht maßlos enttäuscht zu sein.

Okay, okay, ich oute mich an dieser Stelle als Microsoft-Anwender, der seit jeher »gerne« mit Microsoft-Produkten arbeitet. Ich habe den Computer vor zig Jahren zusammen mit Word 5.0 für DOS entdeckt und mit dieser Software meinen ersten wirklich lukrativen Uni-Job gemeistert. Damals musste ich häufiger eine mehrere hundert Seiten dicke Homöopathie-Fachzeitschrift für einen Professor layouten. Und Word 5.0 hat's gepackt, auch wenn es eine riesige Fummelarbeit war. Ich habe jeden Versionssprung freudig mitgemacht und mich über alle neuen Funktionen gefreut, selbst wenn sie manchmal noch so unnütz waren.

Jetzt stürzt alles immer ab

Unmut ist bei mir erst bei der Arbeit mit Office 2000 aufgekommen. Winword stürzt auf einmal ab, wenn ich den Netscape Navigator aufmache. Excel verschluckt beim Umkopieren von Zellen einzelne Zeilen. Ich darf in Word keine Tabellenspalten löschen oder die Silbentrennung einschalten dann stürzt das Programm unweigerlich ab. Ich rede mich heraus, dass mein Office eine Montagsproduktion ist und glaube noch an die Version 2001. Die wird bestimmt besser. Mehr Funktionen muss sie ja gar nicht haben. Nur stabiler sollte sie sein. Aber wahrscheinlich arbeiten alle Programmierer, die früher jede Corel-Draw-Version zum Abschmieren brachten, inzwischen bei Microsoft. Von Kanada nach Redmond ist es ja nicht sooo weit.

Aber ich komme vom Thema ab. Windows ME als Nachfolger von Windows 98 steht vor der Tür. Wie ich höre, kursiert bereits die Final Beta-Version. Da komme ich wohl mit meinen Vorschlägen für »Mehr Extras« etwas zu spät. Nichtsdestotrotz möchte ich Volkes Stimme erschallen lassen, um Microsoft einen Wunschzettel zu präsentieren, der die vielen Anwenderwünsche zumindest teilweise berücksichtigt.

Wunschzettel für Windows »Mehr Extras«

Runtime-Module und Plugins: Der ganze Krempel, den man sich als dringend benötigte Browseroder Windows-Erweiterungen ständig aus dem Web holen muss, sollte von Hause aus fest in Windows ME integriert sein. Also der Windows Media Player, der Windows Reader, Shockwave, RealAudio, DirectX, der Acrobat Reader und und und.

Besserer Dateimanager: Der Windows Explorer taugt nichts. Wir Anwender möchten lieber einen aufgemotzten Dateimanager mit zwei Fenstern, einem integrierten Packer für die Formate ZIP, ARJ, RAR, ACE und CAB, dazu Funktionen zum Anzeigen von Datei-Inhalten aller Formate, zum Synchronisieren von Verzeichnissen, zum Zerlegen von übergroßen Dateien in handliche Fragmente, zum Hochladen von Dateien ins Web per FTP usw. usw. Natürlich müsste ein solcher Dateimanager auch sensible Daten verschlüsseln oder unrettbar löschen können. Was denken Sie? Ihre Meinung im

Computerforum von stern.de

Bilderprogramm: Zugegeben: Der Windows Media Player spielt bereits gratis alle wichtigen Multimedia-Formate ab. Trotzdem fehlt Windows noch immer ein Bildbetrachter, der die wichtigsten Formate liest und schreibt, Thumbnail-Übersichten aufbaut, Slideshows zusammenstellt, die Tapete wechselt, Screenshots macht und Bilddateien zumindest rudimentär nachbearbeitet.

Aufgepumpter Texteditor: Der Windows Notepad liest nur eine Datei zur gleichen Zeit, bietet keine »Ersetzen«-Funktion und macht ab einer bestimmten Dateigröße schlapp. Dutzende Editoren aus der Shareware machen es vor: Es geht auch anders. Wir benötigen ein Programm auf der Höhe unserer Zeit, um auch große Textdateien schnell lesen und bearbeiten zu können und zwar mit Drag & Drop-Bearbeitung, Textbaustein-Verwaltung und HTML-Funktionalität.

Sicherheit ist machbar: Ständig stürzt Windows ab und schon ist die Registry zum Teufel. Windows sollte endlich dazu in der Lage sein, nach der Installation aller wichtigen Programme einen Status Quo zu erfassen, der sich per Knopfdruck jederzeit wieder herstellen lässt. Natürlich würden wir uns auch mit einer funktionierenden Sicherung der wichtigsten Systemdateien zufrieden geben. Auch wäre ein effektiver Absturzschutz nicht zu verachten. Es kann ja nicht angehen, dass immer gleich das gesamte Windows die Blutgrätsche macht, nur weil eine einzelne Anwendung virtuellen Harakiri begeht.

Tuning-Guide: Dutzende geheimer Optionen schlummern in der Registry und den Boot-Dateien. Daran ohne Werkzeug heranzukommen, ist für den Laien fast unmöglich. Es sei denn, man hat ein Tuning-Tool aus der Shareware-Szene zur Hand, das kann die Optionen nämlich per Mausklick aktivieren. Warum kann Windows das nicht von Hause aus? Natürlich müsste ein solches Tool auch um die Sicherheit besorgt sein und bestimmte Systembereiche vor dem Zugriff durch Unbefugte schützen, wie das die Shareware-Tools auch machen.

Skins, Skins, Skins: Keine Bange, Neonazis haben nix im Windows-System verloren. Vielmehr ist es so, dass sich inzwischen fast jedes Multimedia-Programm mittels Skins mit einer anderen Oberfläche versehen lässt. Warum nicht auch Windows? Die alte Fenstertechnik ist doch zum Gähnen. Warum sollte nicht jeder Anwender dazu in der Lage sein, sich seinen ganz eigenen Desktop zu stylen? Mag Bill solchen Schnickschnack nicht?

Was fehlt noch? Ein guter Download-Manager für Dateien und Homepages. Eine Zwischenablage, die mehrere Inhalte speichern kann. Eine Schriftenverwaltung mit Katalogdruck und Vorschau. Ein Tetris und vielleicht eine Moorhuhnjagd als Spielemitbringsel. Ein Brenner-Programm für CD-ROMs und Audio-CDs. Ein eigener Antivirenkiller.

Sicher fällt Ihnen auch noch etwas ein. Ihre Vorschläge nehme ich gerne per Mail entgegen, um sie nächste Woche an dieser Stelle zu veröffentlichen (bitte nicht mehr als vier Zeilen pro Punkt). Was wünschen Sie sich vom neuen Windows?

Carsten Scheibe

Typemania@compuserve.com