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SCHEIBES KOLUMNE: Qualität kommt von Qual

Scheibe gibt es zu: Über den Zusammenbruch der Dot.com-Firmen ist er natürlich schwer erschüttert - und irgendwie auch erleichtert. Zeigt sich doch: Schicke Anzüge und arrogante Sprüche allein reichen nicht aus als Businessmodell.

Jetzt mal was Persönliches: Über den aktuellen Breakdown der Dot.com-Gesellschaften bin ich natürlich auch schockiert. Aber – zugegeben - auch etwas erleichtert. Dass derzeit so viele der neuen Web-Firmen scheitern, beweist eben doch, dass fesches Auftreten und arrogante Sprüche allein noch nicht ausreichen, um sich in der harten PC-Szene zu behaupten. Auf lange Sicht heißt es jetzt endlich wieder: Ohne Fleiß kein Preis.

Heute schreibe ich Kolumnen, rezensiere Shareware-Programme und DVDs, teste Palm-Geräte und sammle die URLs von Internet-Seiten ein. Dafür bekomme ich Geld. Nicht so viel, dass ich mir einen teuren Porsche leisten kann, aber eben doch genug, um gut davon zu leben und meine Familie zu ernähren. Wenn ich zurückschaue, dann habe ich sehr lange daran gearbeitet, um mich auf meinen Job vorzubereiten. Bereits in der Schule habe ich diverse Literaturmagazine geschrieben, layoutet und im Copyshop vervielfältigt. Die harsche Kritik der Mitschüler war zum Teil niederschmetternd, brachte mich aber dazu, die Hefte immer wieder zu verbessern. Ich traute mir das Schreiben aber noch nicht in dem Maße zu, um damit mein Geld zu verdienen. Also wählte ich zuerst das Solide: Als Inspektorenanwärter der BfA fand ich aber schnell heraus, dass mir der Beamtenstatus auf Dauer zu langweilig ist. Doch zurück zum Schreiben: Als Germanistikstudent war mir aber das Studium zu lasch. Es interessierte ja niemanden, ob ich in den Seminaren anwesend war oder nicht. Also studierte ich Biologie, weil ich ja eigentlich immer entweder Forscher oder Journalist werden wollte. Hier wurde im Labor hart gearbeitet. Wer als Letzter kam und als Erster ging, galt als Lusche. Und wer am Wochenende nicht freiwillig seine Zellkulturen im 37-Grad-Brutraum in neues Nährmedium umschüttete, der war auch ein Schlaffi. Hartes Arbeiten zählte hier etwas, und man lernte, mehrere Sachen gleichzeitig zu planen und zu verfolgen. Nebenbei schrieb ich trotzdem weiter. Nachdem ich einen alten XT-Computer geschenkt bekommen hatte, schrieb ich in der Folge auch über Computer und verkaufte schon bald erste Artikel an die »DOS Shareware« und die »PC Praxis«. Es kamen immer mehr Artikel dazu. So viele, dass ich die Biologie nach der Diplomarbeit an den Nagel hängte. So kommt eben doch eines zum anderen.

»Wir hatten die absolut tolle B2B-Idee...«

Es war ein langer Weg ins eigene Büro. Knapp zehn Jahre war er lang. Das gesamte letzte Jahr dachte ich allerdings, das wäre kein Vorteil, sondern ein gravierender Nachteil. Anscheinend bin ich ein echter Spätzünder, dem die Chuzpe zum schnellen Erfolg fehlt. Während ich das ganze Jahr in Jeans und T-Shirt herumlaufe, zogen plötzlich Dutzende von Leuten an mir vorbei. Fremde Leute mit feschem Auftreten, gebräunter Gesichtshaut, teuren Uhren, winzigen Handys und einem Holla-hier-komme-ich-Gebaren. Die CeBIT war plötzlich voll von diesen aalglatten Typen mit Geld wie Heu in der Tasche. Einer ließ sich auf einer CeBIT-Party herab, mir das Geheimnis zu verkaufen: »Wir hatten die absolut tolle B2B-Idee fürs Internet. Haben dann zu dritt einen Risikokapitalgeber gefunden. Hat uns 32 Millionen Mark zugesteckt. Wollte uns an die Börse bringen. Na ja, von dem Geld haben wir uns jetzt ein teures Büro gekauft, die neuesten PCs angeschafft, geile Autos bar bezahlt und irre Partys veranstaltet.« Der Mann lachte sich tot, als ich ihm erzählte, dass ich zehn bis zwölf Stunden am Tag ackere, um die Raten für mein Haus abzuzahlen. Und er spendierte mir einen Drink, als ich ihm beichtete, was die Verlage für solide Arbeit zahlen. Den restlichen Abend schaute er mich mit mitleidigen Augen an. Und zog dann mit der großbusigen Kellnerin ab.

Jetzt bin ich irgendwie wieder etwas beruhigt. Die meisten Dot.com-Gesellschaften mit ihren absolut hirnrissigen Ideen, den miesen Web-Layouts und den großen Sprüchen haben nicht einmal ein Jahr gebraucht, um ihre Millionen Risikokapital restlos zu verheizen. Pleite sind sie – und richtig kleinlaut. Plötzlich tauchen genau jetzt wieder die Jungs der alten Garde aus der Versenkung auf. »Du, wir haben mal vor acht Jahren zusammen am Magazin X gearbeitet. Kannste dich erinnern? Jetzt mache ich das Magazin Y. Willste mitmachen?« Aber gerne doch. Wir alten Knochenbrecher mit unseren 12-Stunden-Tagen und einem knappen Jahrzehnt Joberfahrung, wir gehören eben doch noch nicht zum alten Eisen. Wir haben zwar keinen Porsche und gehen auch nicht mit der Kellnerin nach Hause. Dafür haben wir aber auch heute noch einen Job.

Carsten Scheibe

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