Scheibes Kolumne Selbst ist der Verleger


Die eigenen 15 Minuten Ruhm im Leben kann man auf vielen verschiedenen Bühnen genießen. Viele Leute treibt es vehement ins Fernsehen, andere möchten vielleicht lieber ein Buch schreiben, um Stern.de-Kolumnist Scheibe hält ein paar Tipps für angehende Autoren bereit.

In der Jugend hat man noch Träume. In der Folge versuchten meine Freunde und ich uns in der Schule immer wieder gerne als Autoren waffenklirrender Science-Fiction-Geschichten oder bluttriefender Horror-Romane. Die literarischen Ergüsse brachten wir mit dem Umdrucker zu Papier oder kopierten sie im Copycenter um die Ecke. Klarer Fall: Alle kopierten Heftchen dieser Welt können dem angehenden Autor kein "richtiges" Buch ersetzen. Kollege und Hobby-Verleger Martin Ellermeier, heute Chef des Rollenspiel-Magazins "Mephisto" ließ sich bereits Ende der Achtziger nicht von allen Schwierigkeiten abhalten. Er kopierte die Romane seiner Freunde einfach im A5-Format und griff dann zum Leimtopf, um die angedachten Bücher in kleinen Auflagen selbst zusammenzukleben. So erschien 1991 immerhin meine Gruselgeschichten-Anthologie "Little Ease", die heute tatsächlich noch bei Amazon gelistet ist, auch wenn sie auf dem müden Verkaufsrang 973.270 steht.

Kleinverlage gibt es viele

Heute haben angehende Autoren ganz andere Möglichkeiten, ein Buch zu veröffentlichen. Es gibt zahllose Kleinverlage wie Zaubermond, Blitz oder HJB, die Manuskripte deutscher Autoren im Paperback oder Hardcover veröffentlichen - und das sind nur drei zufällig ausgewählte Adressen aus dem phantastischen Bereich. Beliebt bei den Autoren sind auch die "Book-on-Demand"-Verlage, die das Buch eines Autoren setzen, lektorieren, mit einer ISBN für den Buchhandel versehen und anschließend drucken - allerdings immer nur nach Bedarf, sodass keine Lagerkosten entstehen. "Books on Demand" verlangt für einen solchen Service immerhin noch glatte 369 Euro für ein Paperback - und benötigt vier bis sechs Wochen für den Erstdruck. Zugleich wird mit BoD auch ein Rahmenvertrag abgeschlossen, der es dem Dienst erlaubt, das Buch mit zu vermarkten und zu verkaufen.

Viele Hobbyautoren hätten aber mehr Spaß daran, ihre Werke gleich völlig im Alleingang und ohne vertragliche Bindung zu vermarkten - wenn sie nur einen preiswerten Dienstleister finden könnten, der ihnen bei der Herstellung ihrer Werke hilft. Entsprechende Druckereien sind über Google.de leicht zu finden. Überzeugend klingt etwa das Angebot von Top-Offset. Das Unternehmen druckt professionell aussehende Paperbacks im Offsetverfahren. Ein Buch mit 100 Seiten Umfang kostet bei einer Minimalauflage von 200 Stück nur 2,69 Euro pro Band, wenn ein Vierfarbcover gewünscht wird. Wer auf die Farbe verzichten kann, ist mit 2.05 Euro pro Buch dabei.

Man stelle sich vor, jemand fühlt sich dazu berufen, die Chronik seines Heimatdorfes zu erfassen oder vielleicht eine lokale Fabel auszuformulieren und als Buch zu veröffentlichen. 200 Bücher à 2,05 Euro kosten dann in der Herstellung gerade einmal 410 Euro. Verkauft man die Bücher vor Ort für zehn Euro an die Bewohner, werden bei einem Ausverkauf satte 2.000 Euro fällig. Das entspricht einem Gewinn von 1.590 Euro. "Echte" Buchautoren werden nun das große Jammern beginnen: Mehr Geld verdienen sie oft auch bei einer "richtigen" Buchveröffentlichung bei einem "richtigen" Verlag nicht. Und: Bei steigenden Auflagen sinkt der Herstellungsbreis pro Buch schnell ab. Bei Auflagen ab 3.000 Stück beträgt er oft nur noch die Hälfte.

Setzen am Computer

Dank des Computers ist es heute kein Problem mehr, zum Verleger von eigenen Gnaden zu werden. Die Texte des Buches lassen sich ganz bequem mit einer Textverarbeitung wie "Word" setzen. Dabei ist es möglich, Bilder mit in den Text zu integrieren, Seitenzahlen automatisch platzieren zu lassen und am Ende auch noch ein Inhaltsverzeichnis zu generieren. Das fertige Manuskript muss allerdings zwingend in eine PDF-Datei hineingeschrieben werde. Zu diesem Zweck muss ein zusätzliches Programm wie "Adobe Acrobat" zum Einsatz kommen - für 650 Euro. Wer so viel Geld nicht ausgeben möchte, der greift zur Billigalternative und setzt auf ein Programm wie "G-Data PowerPDF 2", das bereits für 39,95 Euro zu haben ist. Das Tool installiert einen neuen virtuellen Druckertreiber, der die Seiten nicht zu Papier bringt, sondern eben in einem PDF-Dokument speichert. Die fertige PDF-Datei fällt bei Büchern nicht besonders umfangreich aus und kann bequem per E-Mail an die Druckerei übermittelt werden. Die fertigen Bücher können dann innerhalb von ein, zwei Wochen als Postpaket beim frischgebackenen Buchautor aufschlagen.

Also: Wann erfüllen Sie sich einen Lebenstraum und werden zum Buchautor von eigenen Gnaden? Ich habe soeben gerade meine ersten beiden Bücher im Selbstverlag in Auftrag gegeben.

Carsten Scheibe, Typemania


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