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Scheibes Kolumne: Texte für Nichtleser

stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe lernt Michael Bukowski kennen - einen Berliner Autor, der die Lektüre für Nichtleser erfunden hat. Weil niemand mehr Zeit zum Lesen hat, schreibt er nur noch ganz kurze Texte - voller Witz und Lokalkolorit. Nur konsequent, dass sich die Mini-Geschichten auch auf dem iPhone lesen lassen.

Michael Bukowski macht Ernst. Er sagt ganz offen: "Sie haben kaum Zeit, große Romane zu lesen. Ich habe keine Zeit, welche zu schreiben. Daher die Lektüre für Nichtleser - für zwischendurch, nebenbei und unterwegs."

Bukowski (www.lektuere-fuer-nichtleser.de) schreibt bereits seit Jahren seine ganz speziellen Nichtleser-Geschichten. Sie sind extrem kurz, extrem witzig und extrem Berlin. Alle halbe Jahre bündelt der bekennende Bar- und Kaffeehausbesucher seine Stories und bringt einen neuen Band mit 128 Seiten für 7 Euro heraus. Konsequent werden die Bände nicht im Buchladen verkauft, sondern überall nur dort, wo es darum geht, ein paar Minuten Langeweile und Wartezeit zu überbrücken. Bukowski: "Den ersten Band habe ich 2005 unaufgefordert selbst publiziert; also ohne Verlag, ohne ISBN-Nummer etc. und ihn in ein paar ausgesuchten Läden verkauft. Mein erster Händler war der Bio-Fleischer 'Wild & Geflügel Albrecht' in der Berliner Akazienstraße, wo die kleinen DIN A6-Hefte auf der Theke einen überraschenden Auftritt hatten. Anstatt sich in der Warteschlange zu langweilen, griffen die Leute zur 'Lektüre für Nichtleser' und verkürzten sich damit die Wartezeit."

Size does eben doch matter

Bukowki lebt in Berlin - und das merkt man. Zwischen dem alten Schöneberg und dem neuen Mitte spürt er den hippen Existenzen nach, die im Dschungel der Großstadt versuchen, sich ein gutes Leben zu machen. Bukowskis Figuren sind in allen Geschichten immer die gleichen. Da gibt es den Checker Grabowski, der länger am Tresen sitzt, als dieser lang ist. Das ist Bukowkis Alter Ego, der das aufschreibt, worüber der Büro-Nestflüchtler den ganzen Tag über sinniert. Charming Heinz ist Fachwirt für schlechte Laune. Pistolen-Pete hat zwei Handys am Gürtel und betreibt ein Restaurant, in dem es immer nur Eintopf gibt. Eisi Verspeisi und Minh Phran Dings gehören ebenso zum Multi-Kulti-Figurenkanon wie Long Dong Copy. Long Dong Copy kommt nicht aus der Pornoszene, sondern gehört zu den kreativen Medienschaffenden, die in der Berliner Szene zuhauf anzutreffen sind. Nur ist Long Dong Copy der ketzerischen Meinung, dass sich die Güte von Werbe-Slogans nur in ihrer möglichst enormen Länge messen lässt: Size does eben doch matter.

Die kleinen Geschichten machen süchtig und so gibt es bereits neun Bände voller abstruser und irrer Minigeschichten. Oft sind die Nichtleser-Texte nur eine halbe Seite lang und bestehen allein aus einer Handvoll Dialogzeilen. Schräg, abgefahren, nachdenklich und minutiös beobachtend: Der Autor sprüht über vor Einfallsreichtum und Intelligenz. Allein die Buchtitel zeugen schon vom Wortwitz des Szene-Unikats: "Frau Glaube versetzt Herrn Berge", "Andere haben's auch nicht leicht" oder "Irgendwie schon auf ne Art" heißen die Titel. Find ich gut.

Nichtleser-Texte fürs Handy

Die extreme Kürze der Texte bei maximaler Würze brachte den Autor schnell auf die Idee, die Nichtleser-Texte doch aufs Handy zu bringen. Bukowski: "Wenn ich mal auf dicke Hose machen darf, behaupte ich gern, Deutschlands erster Handybuch-Autor zu sein. Denn meine Nichtleser-Texte haben wir bereits im Sommer 2006 zum Handy-Download angeboten. Damals war an Smartphones allerdings noch nicht zu denken und die Geschichte war ein kompletter Voll-Flop. Auf den Mäusekino-Displays der damaligen Handys wollte keiner lesen und der Download-Prozess war noch viel zu kompliziert."

Der iPhone-Boom gerade auch in der Berliner Szene der Studenten, Startup-Gründer, Medien-Kreativen, Bar-Herumhänger und Literaten brachte Bukowski auf die Idee, es 2010 noch einmal zu versuchen. Nichtleser-Band 1 bis 8 wurden in einer einzelnen Mammut-App verarbeitet, Band 9 hingegen in sechs einzelne Apps aufgeteilt (Rezension in meinem App-Blog).

Schutz vor Reichtum

Auch wenn die Lektüre der Texte im iPhone gerade bei den kurzen Texten sehr angenehm ist und das Smartphone gerade in kurzen Pausen schnell genug für eine neue Dosis Grabowski gezückt ist, könnten die Verkäufe noch besser sein. Bukowski: "Buch-Apps erweisen sich bisher als absolut verlässlicher Weg, sich vor plötzlich aufkommendem Reichtum zu schützen. Die Produktionskosten sind ungefähr vergleichbar mit dem Druck eines Buches in geringer Auflage, die Verkaufszahlen dagegen halten sich in Grenzen. Wir werden in diesem Jahr ungefähr die Produktionskosten einspielen, mehr ist aber vorläufig nicht drin. Auf lange Sicht und mit neuen Endgeräten wie dem iPad wird sich dieser Markt meiner Meinung nach aber noch entwickeln."

Bukowski muss von seinen Texten nicht leben, sie sind ein packendes Side-Produkt. Und so macht er unbehelligt von Verkaufserwartungen weiter: "Im Moment habe ich den Rohtext für Band 10 und 11 fertig. Nr. 10 erscheint im Sommer dieses Jahres. Mit dem nächsten Band eröffnet das selbsternannte Projekt-Oberhirn Grabowski die Werbeagentur Auweier Unhold & Partner, die sich ungefähr mit allem möglichen beschäftigt - außer mit seriöser Werbung. Diese Agentur ist das subversive Setting für die nächsten Bände, ohne sich dabei aber mit Insider-Humor an Werbetreibende zu wenden."

Nichtleseriger geht's nicht

Inzwischen muss der Autor aufpassen, dass er nicht seiner Linie untreu wird. Denn er hat Twitter (twitter.com/mbukowski) entdeckt und nutzt den Dienst sehr intensiv: "Twitter ist natürlich ein nahezu seelenverwandter Kanal. Sprich: nichtleseriger geht's ja gar nicht mehr, als mit 140 Zeichen ein Hyper-Kurz-Format zu kreieren. Das schließt sich bei mir nicht nur nicht aus, sondern ergänzt sich sogar ganz wunderbar. Ich hegemanne mich nämlich selbst. Das heißt: Viele meiner Tweets sind Vorlagen für Nichtleser-Geschichten und umgekehrt. Passt perfekt!"

Das ungekürzte Interview mit Michael Bukowski gibt es auf Allemeineapps.de .

Ein Text von Carsten Scheibe, Typemania

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.