Sid Meier "Geschichte ist mir nicht wichtig"


Sid Meier entwickelt seit 20 Jahren Computerspiele. Seine Werke setzten neue Standards. Im stern.de-Interview spricht Meier über "Civilization 4" und über seine Visionen.

Mit der "Pirates"- und "Civilization"-Serie haben Sie Spiele kreiert, die einen historischen Charakter besitzen. Haben Sie Geschichte studiert?

Nein, ich habe nicht Geschichte studiert, sondern das Programmieren. Aber ich bin sehr interessiert an unserer Vergangenheit. Ich lese sehr viel darüber. Aber für unsere Spiele nutzen wir keineswegs historische Hintergründe. Wir kreieren Spiele so, dass sie Spaß machen. Geschichte ist mir nicht wichtig in diesem Zusammenhang.

Haben Spiele wie die "Civilization"-Reihe Ihrer Meinung nach einen pädagogischen Effekt?

Offen gesprochen mag ich diese Verbindung nicht sonderlich. Klar, meine Titel bieten einen gewissen Lerneffekt. Der Spieler versteht nach und nach immer besser, ein Szenario zu meistern. Eine Zivilisation aufzubauen und die anderen Bevölkerungen zu verdrängen. Aber er soll dabei nicht die Weltgeschichte lernen. Wie gesagt, Spielspaß ist unsere oberste Priorität.

Sie konzentrieren sich bei der Entwicklung von Spielen auf Fortsetzungen Ihrer eigenen Serien wie "Civilization" oder "Pirates". Werden Sie in Zukunft neue Spielideen umsetzen?

Wir haben zwischenzeitlich an einem Dinosaurier-Spiel gearbeitet. Aber irgendwie hat uns der Spielablauf keinen Spaß gemacht. Also haben wir die Entwicklung auf Eis gelegt. Vielleicht nehmen wir das Grundkonzept irgendwann nochmal auf.

In der Vergangenheit haben wir uns aber sehr wohl an innovativen Spielideen versucht. Man denke an "Sim Golf" oder "Gettysburg". Aber letztlich wollen wir nicht die Fans der "Civilisation"-Serie enttäuschen. Sie erwarten einfach einen Nachfolger. Und wir selber hatten auch große Lust auf eine Fortsetzung. Nach der Fertigstellung des dritten Teiles blieben noch so viele Ideen unverwirklicht. Ich denke da in erster Linie an den Multiplayer-Modus. Deshalb haben wir uns auf die Entwicklung des vierten Teiles von "Civilization" konzentriert.

Woher erhielten Sie die Inspiration für neue Spielelemente in "Civilization 4"? Gab Ihnen Ihr Sohn Denkanstöße?

Ich spiele oft mit meinem Sohn. Zumeist "Gran Turismo 4". Aber Ideen liefern zumeist die Fans unserer Spiele. Wir stehen in engem Kontakt mit unserer Community. So waren Fans etwas enttäuscht darüber, dass "Civilization 3" keine Multiplayer-Option enthielt. Also haben wir das Feature in Teil vier integriert. Allerdings muss man auch ein bisschen aufpassen. Fans wollen ständig neue Elemente. Der Spielablauf würde immer komplexer, wenn man alle Ideen einbaut. Man muss unbedingt darauf achten, dass man Einsteiger nicht vergrault mit Komplexität.

Viele Ideen entstammen natürlich auch von unseren Designern und Testern. In zweieinhalb Jahren Entwicklungszeit wird so mancher Spielgedanke geboren.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung von "Civilization 4"?

Es ist besonders schwierig alte Spielelemente mit den neuen zu kombinieren. Was soll in das Spiel? Was entfernen wir? Was mögen die Spieler? Was nicht? In erster Linie waren es Fragen rund um das Spielprinzip, die uns beschäftigt haben. Größere technische Probleme bei der Entwicklung hatten wir dagegen eigentlich nicht. Trotz neuer 3D-Grafik und Mehrspieler-Modus.

Werden Sie in Zukunft mehr Spiele für die Konsolen entwickeln?

Es hat sehr viel Spaß gemacht "Pirates" für die Xbox zu entwickeln. Die Steuerung funktioniert sowohl auf dem PC als auch auf der Konsole. Wir denken in jedem Fall darüber nach, auch in Zukunft Spiele für Konsole zu veröffentlichen.

Wird sich Ihrer Meinung nach das Spielerlebnis mit den neuen Konsolen ändern?

Wir werden tolle Spiele sehen. Und eine deutlich bessere Grafik. Und vielleicht können Entwickler dank der zusätzlichen Performance der neuen Systeme auch neue Genres schaffen. Auf den tragbaren Systemen wie Nintendo DS oder Sony PSP erstarken momentan rundenbasierte Strategiespiele. Ich spiele solche Spiele unglaublich gerne unterwegs.

Arbeiten Sie denn schon an Spielen für Xbox 360 oder PlayStation 3?

Es ist nicht leicht, eine entsprechende Development-Hardware von den Herstellern zu bekommen. Wir stehen zwar auf der Liste, aber bislang haben wir noch kein Gerät erhalten.

Welche Spielidee hätten Sie gerne entwickelt?

Definitiv "Tetris". Oh Mann, warum habe ich das nicht gemacht! (lacht) Und Spiele, die hunderttausende Spieler weltweit online zusammenführen - die so genannten "Massive Multiplayer Online Role-Playing Games" (MMORPG).

Interview: Udo Lewalter

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