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Unanhängigkeitstag in den USA Angebliche Flaggen-Verbrennung provoziert Aufmarsch rechter Gruppen

Rechtsextremisten von der "Arischen Nation" posieren in Gettysburg (Symbolfoto)
Rechtsextremisten von der "Arischen Nation" posieren in Gettysburg (Symbolfoto)
© Jim Lo Scalzo / DPA
Angeblich wollten Antifaschisten am Unabhängigkeitstag in Gettysburg US-Flaggen verbrennen. Das führte zu einem Aufmarsch rechter Gruppen, die zum Teil schwer bewaffnet waren – die Ankündigung erwies sich allerdings als Falschmeldung.

Seit Wochen geisterten die Gerüchte durch die sozialen Medien: Angeblich planten Antifaschisten am Unabhängigkeitstag, US-Flaggen in Gettysburg zu verbrennen. Dort hatte die entscheidende Schlacht im amerikanischen Bürgerkrieg stattgefunden. Heute ist Gettysburg mit seinen Bürgerkriegsdenkmälern ein nationaler Wallfahrtsort. Die Gerüchte führten dazu, dass sich diverse rechte Gruppen, die zum Teil bewaffnet waren, versammelten, um die angebliche Schändung der nationalen Denkmäler zu verhindern – allein, die geplante Flaggen-Verbrennung fand nicht statt. Weit und breit tauchte kein einziger sogenannter Antifaschist an dem historischen Ort in Pennsylvania auf.

Die Aufrufe in den sozialen Medien stammten von einem mysteriösen Nutzer, der auf Facebook einen Account mit dem Namen "Left Behind USA" betrieb. Laut Medienberichten forderte er die Menschen auf, mit bemalten Gesichtern nach Gettysburg zu kommen. Dort würden Aktivisten "kostenlose kleine Flaggen an Kinder verschenken, die sie sicher ins Feuer werfen könnten." Und: "Lasst uns zusammenkommen und Flaggen verbrennen, um gegen Schläger und Tiere in Blau zu protestieren", hieß es in einem anonymen Facebook-Post Mitte Juni. Mit den "Tieren in Blau" sind die Anhänger Trumps und der republikanischen Partei gemeint.

Wer steckt hinter dem Account?

Als die Gerüchte sich verbreiteten, riefen rechte Gruppen zu Gegenaktionen auf und appellierten, möglichst zahlreich am 4. Juli in Gettysburg zu erscheinen. Und so strömen am Samstagnachmittag selbst ernannten Militante, Rocker, Skinheads und rechte Gruppen von außerhalb zu Hunderten auf das Gelände. Bilder zeigten schwer bewaffnete Männer in militärischen Uniformen und in historisch inspirierten Soldaten-Outfits. 

Es ist nicht klar, wer hinter dem Facebook-Account stand, und vor allem nicht, welche Ziele mit dem gezielten Streuen von Falschinformationen erreicht werden sollen. Nur eines scheint eindeutig: Es geht offensichtlich darum, die aufgeheizte Stimmung zwischen den politischen Gegnern in den USA zu schüren, die seit dem Tod von George Floyd und den "Black Lives Matter"-Protesten das Land noch mehr spaltet als zuvor schon. Die Angst vor sogenannten Antifa-Protesten wird in den USA von Präsident Donald Trump und rechten Gruppen systematisch geschürt.

Zum ersten Mal taucht "Left Behind USA" im Februar auf Twitter auf

Die mutmaßliche Person, die hinter dem Account steckte, wurde mit konkreten biografischen Details ausgestattet. Angeblich handelte es sich um einen 39-jährigen Amerikaner mit dem Namen Alan Jeffs, ein Demokrat, der sich zu einem Anarchisten entwickelt hätte. Der Name ist offenbar gefälscht. Sogar ein Foto von sich postete er. Es stellte sich aber schnell heraus, dass das Bild von einer Stockfoto-Seite stammte.

"Left Behind USA" tauchte zuerst Mitte Februar auf Twitter auf, wie die "Washington Post" berichtete. Dort wurden linksradikale Forderungen wie die Auflösung der Polizei oder ein Moratorium für Mietzahlungen veröffentlicht. Zugleich beschimpfte der Unbekannte den US-demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden als "Vergewaltiger". Er soll zudem mehrere Accounts betrieben haben, um seine Botschaften effektiver zu verbreiten. Sämtliche Accounts wurden in der vergangenen Woche gesperrt.

Quellen: "Washington Post", BBC News, "Spiegel"

tis

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