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Strategiewechsel: Microsoft offenbart Betriebsgeheimnisse

Microsoft steht seit langem bei der Konkurrenz und den Kartellbehörden in der Kritik, weil die vom Konzern entwickelte Software Anwendungen anderer Hersteller nicht integrierte. Nun will der Software-Gigant der Kritik nachgeben.

Microsoft will sich mit einem umfassenden Strategiewechsel für Partner und Wettbewerber öffnen und viele bislang als Betriebsgeheimnisse gehütete Informationen offenlegen. Das kündigte der Chef des weltgrößten Softwarekonzerns, Steve Ballmer, in Redmond (US-Bundesstaat Washington an). Microsoft kommt damit einer zentralen Forderung der Europäischen Kommission nach, die in der Vergangenheit vergeblich eine entsprechende Öffnung verlangt und hohe Bußgelder gegen das US- Unternehmen verhängt hatte.

Ballmer sagte, die Initiative umfasse vier Bereiche: Microsoft werde künftig offene Verbindungen gewährleisten, die Übertragbarkeit von Daten vorantreiben, Industrie-Standards umfassend unterstützen sowie sich offener mit den Anforderungen der Kunden und der gesamten Branche auseinandersetzen. Dies schließe auch die Open-Source-Gemeinschaft mit ein, die Microsoft bislang als Wettbewerber bekämpft hatte.

Vorwürfe gegen Microsoft erhoben

Microsoft war in den vergangenen Jahren von Konkurrenten aber auch verschiedenen Kartellbehörden vorgeworfen worden, Wettbewerber durch geschlossene Dateiformate und eine abwehrende Technologie-Politik behindert zu haben. Zuletzt hatte Microsoft jedoch bereits Vereinbarungen mit Firmen wie Novell und Turbolinux getroffen, die eine Nutzung von Microsoft-Technologien ermöglichen.

"Diese Bewegungen sehen wir als wichtigen Schritt an. Sie zeigen einen signifikanten Wechsel, wie wir Informationen über unsere Produkte und Technologien mit anderen teilen", sagte Ballmer. Microsoft gehe diesen Weg aus eigenen Stücken. Zwar habe sein Unternehmen auch in den vergangenen 33 Jahren mit Kunden und Partnern Informationen ausgetauscht und dabei eine ganze Industrie aufgebaut. "Die heutige Ankündigung steht aber für eine signifikante Erweiterung unserer Transparenz." Microsoft werde für diese Informationen keine Lizenzgebühren verlangen.

Microsoft will Schlussstrich ziehen

Microsoft-Justiziar Brad Smith machte in einer Telefonkonferenz klar, dass sein Unternehmen mit dem angekündigten Strategiewechsel auch einen Schlussstrich unter die Wettbewerbsverfahren in der EU ziehen möchte. Die Europäische Kommission hatte im Januar Microsoft mit hohen Bußgeldern gedroht, weil der Softwaregigant die Herausgabe von Schnittstellen-Informationen an Wettbewerber verweigert hatte. "Wir sind jetzt auf die Antwort aus Brüssel sehr gespannt", sagte Smith.

Die angekündigte Öffnung bedeute aber nicht, dass Microsoft seine grundsätzliche Position zum Urheberrecht oder dem Schutz geistigen Eigentums durch Patente aufgeben werde, sagte Smith. Ballmer betonte, Microsoft werde auch in Zukunft bestimmte Betriebsgeheimnisse schützen und vermarkten.

"Signifikanter Ausbau"

Ray Ozzie, der Chef-Softwarearchitekt von Microsoft meinte, in den großen Unternehmen seien heterogene Systeme inzwischen die Norm. "Daher ist Interoperabilität zwischen Anwendungen und Diensten inzwischen eine Schlüssel-Anforderung." Achim Berg, der Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, sagte, die Ankündigung stehe für einen "signifikanten Ausbau" der bereits unternommenen Anstrengungen zur Öffnung der Microsoft-Produkte und -Technologien. "Das ist die richtige Sache für unsere Kunden und für die Software-Industrie."

DPA / DPA