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Virtual-Reality-Brille fürs Federvieh Wenn Hühner in der Matrix leben würden


Kein Platz für echte Freilandhaltung? Dann verpasst Hühnern doch einfach Computerbrillen, die ihnen ein Leben in der Natur vorgaukeln. Diese absurde Idee eines US-Designprofessors macht nachdenklich.
Von Timo Brücken

Zuerst wollten wir "Achtung: Satire" über diesen Text schreiben, aber dann waren wir uns nicht mehr sicher, wie ernst die Geschichte doch vielleicht gemeint ist: Austin Stewart, Assistenzprofessor am State University's College of Design in Iowa, möchte Hühnern das Leben in Gefangenschaft erleichtern - indem er ihnen Virtual-Reality-Brillen verpasst. Klingt bescheuert, ist aber ein interessanter Gedanke: Wenn der Platz nicht ausreiche, um die Vögel alle im Freiland zu halten, könne man Käfighühnern doch zumindest ein Leben auf der grünen Wiese vorgaukeln. Mit einer Computersimulation namens "Second Livestock", angelehnt an die Online-Welt von "Second Life".

Laufen sollen die Tiere laut Stewart auf in alle Richtungen beweglichen Laufbändern, Sonnenstrahlen gibt's per Lichtröhre und die Luft wird für jeden Käfig individuell gefiltert. Gehalten würden die Vögel nach der Vision des Designprofessors in einer Art rundem Wolkenkratzer, der zum Beispiel auch mitten in einer Stadt stehen könne - weit weg von allen Stressfaktoren und Raubtieren, die in der Natur lauern könnten. "Man könnte argumentieren, dass es den Hühnern in unseren Anlagen besser geht als in der realen Welt", sagt Stewart. Die "tiefe Besorgnis um das Wohl der Tiere" sei der Kern von "Second Livestock".

Mit der Kritik an der konventionellen Handlung meint es Stewart wahrscheinlich durchaus ernst, die Idee mit den VR-Brillen, Laufbändern und Käfigtürmen ist hingegen eher ein Scherz. Er wolle die Frage aufwerfen "Woher wissen wir, was das beste für die Tiere ist oder was es bedeutet, sie menschlich zu behandeln?", sagte Stewart der Zeitung "Ames Tribune". Und die Leute verunsichern, ob sein Projekt vielleicht nicht doch ernst gemeint sei - da sei er sich nämlich manchmal selbst nicht ganz sicher.

Und tatsächlich: Für wirkliche Satire ist die Website von "Second Livestock" zu schlicht und nicht überdreht genug. Der Humor ist tiefschwarz, aber sehr subtil. Ja, Hühner wie im Film "Matrix" zu halten klingt grotesk und unmenschlich. Aber würde es für viele Tiere nicht ein besseres Leben bedeuten, als sie es heute haben?

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